Warteschild vor Baumarkt (Quelle: imago / Emmanulele Contini)
Bild: imago / Emmanulele Contini

Di 28.04.2020 | Dossier | Lesedauer etwa 7 Minuten - Shopping in Corona-Zeiten: mit Maske in der Schlange

So sehen Einkäufe, Friseurbesuche und Beautytermine in der kommenden Zeit aus

An desinfizierte Einkaufswagen, Spuckschutzscheiben und Abstandsmarkierungen auf dem Boden haben Sie sich wahrscheinlich so langsam gewöhnt. Ähnlich wird es auch in anderen Geschäften aussehen, wenn sie nach der Lockerung wieder öffnen. Aber was erwartet Sie bei Friseuren, Tattoo-Studios oder Modegeschäften mit Umkleidekabinen? Wir erklären, worauf Sie sich in den nächsten Monaten beim Einkauf einstellen sollten und wie Sie sich am besten vorbereiten.

Lange Wartezeiten - überall

Geduld, Geduld, Geduld. Wir üben ja schon seit Wochen, doch es ist leider auch kein Ende in Sicht. Im Gegenteil: Wenn die Geschäfte wieder öffnen, ergeben sich mit großer Sicherheit noch mehr Situationen, in denen wir tief durchatmen und die Nerven behalten müssen. Denn es wird fast überall zu Wartezeiten kommen: In Läden, Beautysalons, Arztpraxen oder Werkstätten. Die langen Schlangen kennen Sie ja bereits vom Einkaufen in der Drogerie oder im Supermarkt. Deshalb empfehlen wir, ein Buch mitzunehmen oder Kopfhörer einzupacken, auf jeden Fall viel Zeit einzuplanen - auch wenn Sie vorher einen Termin ausgemacht haben.

Beim Onlineshopping kommt es ebenfalls zu Lieferverzögerungen. Bei Möbelbestellungen reichen die Liefertermine beispielsweise weit in den Mai oder Juni hinein. Besonders lang sind auch die Wartezeiten für Montagen, beispielsweise von Küchen, Einbauschränken oder anderen großen Möbelstücken.

Geschäfte werden weiter umgebaut

Die Umsetzung der Hygienevorschriften haben Supermärkte, Baumärkte und Apotheken schon ganz gut vorgemacht. Doch darüber hinaus tüfteln Einzelhändler weiter an Umbauideen, um den Kundenfluss in den Geschäften besser lenken und mehr Sicherheitsabstand gewährleisten zu können. Ein Vorschlag ist zum Beispiel, Einbahnstraßen und Wegführungen im Geschäft zu markieren, so dass Kunden nur in eine Richtung laufen können und sich nicht mehr entgegenkommen. Einige Märkte spielen sogar mit dem Gedanken, Durchgänge mit Plexiglaswänden zu versperren, damit sich keiner überholen kann.

Sollte sich das Einbahnstraßen-Prinzip in Ihrem Markt durchsetzen, sollten Sie Ihren Einkauf vorab genau planen. Denn es gibt dann nicht mehr die Möglichkeit nochmal zurückzugehen, wenn Sie etwas vergessen haben und an dem Regal schon vorbeigelaufen sind.

Anprobierte Kleidung kommt in Quarantäne

Modegeschäfte dürfen seit dem 22. April wieder öffnen, allerdings unter strengen Regeln. Pro 20 m² Verkaufsfläche darf eine Person eintreten, der Rest muss draußen Schlange stehen. Das gewohnte Anfassen, Wühlen und Anhalten der Kleidungsstücke sollten Sie vermeiden, um ihre Keime nicht in den Stoffen zu verteilen. Vorteilhaft ist es, wenn Sie sich vorab auf den Webseiten der Geschäfte ihre Lieblingsteile aussuchen und in den Geschäften gezielt danach fragen.

Es wird in vielen Läden weiterhin möglich sein, Kleidung in Umkleidekabinen anzuprobieren. Pullis, Hosen oder T-Shirts, die dann nicht gekauft werden, müssen für ein paar Tage in Quarantäne, um sicherzustellen, dass mögliche gefährliche Viren absterben. Erst dann dürfen sie wieder in die Regale auf der Verkaufsfläche. Das heißt: Es kann auch dazu kommen, dass ein Kleidungsstück nicht in ihrer Größe verfügbar ist, weil es noch in der Quarantäne liegt.

Friseure bieten nur das Nötigste

Friseure dürfen ab dem 4. Mai wieder öffnen. Doch die gewohnte Wohlfühlatmosphäre mit Cappuccino, Zeitschriften und langen Kopfmassagen wird es erstmal nicht geben. Dafür Schutzkleidung, Maskenpflicht und ein umgebautes Studio, um einen Abstand von zwei Metern einzuhalten. Friseure bieten zunächst nur Schneiden und Färben an. Außerdem werden jedem Kunden zuvor die Haare gewaschen, um Viren abzutöten. Pflege und Styling wie Wimpern färben, Rasieren oder Bartpflege werden beim Friseur wahrscheinlich erstmal nicht angeboten, spekuliert Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Vor allem, weil sich Friseure den Kunden bei Bart-, Augenbrauen- und Wimpernbehandlungen zu nahekommen würden.

Übrigens: Die Kosten für einen Haarschnitt werden sich vermutlich auch etwas ändern. Sie sind im Schnitt etwa zwei Euro teurer als zuvor, rechnet der Verband Deutscher Friseurunternehmen. Denn Friseure müssen die Kosten für den Umbau, Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, Masken und den Mehraufwand pro Kunde abdecken.

Beautysalons und Tattoo-Studios erstmal geschlossen

Für Tattoos, Waxing oder Gelfüllungen für die Nägel müssen Sie sich weiter gedulden. Die Branche fordert zwar hartnäckig die Freigabe, auch wieder öffnen zu dürfen. Doch für die Regierung ist die Notwendigkeit derzeit noch nicht groß genug, um Beautysalons mit der ersten Lockerung wieder zu öffnen. Das wird vermutlich noch ein paar Wochen dauern.

Wenn es soweit ist, werden die Sitzplätze in den Salons so umgebaut, dass ausreichend Abstand besteht. In Nagelstudios sind zusätzlich Spuckschutzwände zwischen Kunden und Kosmetikern denkbar. Ein Vorteil kann sein, dass Friseure den Betrieb mit Hygieneauflagen bereits erprobt haben und sich die restliche Beautybranche davon etwas abschauen kann.

Reifenwechsel - lieber jetzt machen!

Werkstätten zählen zu den wenigen Betrieben, die ihre Türen trotz Lockdown geöffnet lassen durften. Allerdings nur für notwendige Reparaturen und unter strengen Hygieneregeln. Die Mitarbeiter tragen einen Mundschutz und auch hier wurden Vorkehrungen für die Einhaltung der Abstandsregeln getroffen. Durch die Schutzmaßnahmen dauern Reparaturarbeiten zwar länger, grundsätzlich funktioniert der Betrieb aber fließend.

Mit Lockerungen kann sich das ändern: Wenn Werkstätten wieder mehr Services anbieten, kommen mehr Kunden und die Auftrags- und Warteschlangen verlängern sich. Also: Wenn Sie noch ein notwendiges Anliegen, wie zum Beispiel den Reifenwechsel haben, schnell noch vorher erledigen.