Ein Schild weist auf das Justizzentrum hin (Quelle: imago images/Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

Fr 22.05.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 2 Minuten - Flug-Stornierungen: Klagewelle erwartet

Kunden wollen Erstattungen vor Gericht einfordern

1,8 Milliarden Euro - so viel schuldet die Lufthansa derzeit Kunden, die wegen der Corona-Flugausfälle die Kosten zurückerstattet bekommen sollten. Sollten - denn noch warten sie. Verschiedene Fluggesellschaften versuchen derzeit, die Kunden lieber mit Gutscheinen zufriedenzustellen statt mit harter Münze. Doch eine verbindliche Gutscheinlösung ist am EU-Veto gescheitert. Und damit müssen die Gebühren nach gültiger Rechtslage mit wenigen Tagen Frist zurückgezahlt werden. 

Die Frankfurter Justiz fürchtet deshalb eine nicht zu bewältigende Klagewelle. Denn neben Betroffenen, die jetzt schon vereinzelt vor Gericht gehen, hatte am Mittwoch das Verbraucherportal "Flightright" angekündigt, im Namen von rund 20.000 Passagieren bei den Gesellschaften Lufthansa und Ryanair ausstehende Gelder einklagen zu wollen. Zusammengenommen geht es um rund 20 Millionen Euro.

Unternehmen sollen sich "rechtstreu verhalten"

Die Gerichte sehen sich zu Inkassozwecken missbraucht, sie erwarten stattdessen, dass "sich Luftverkehrsunternehmen rechtstreu verhalten und gesetzliche Verpflichtungen zur Rückerstattung von stornierten Tickets erfüllen", so der Vize-Präsident des Amtsgerichts Frankfurt, Frank Richter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Kammer würde sonst an ihre Belastungsgrenze kommen.

Lufthansa hat indes schon vermeldet, sich in dem Fall durchaus rechtstreu zu verhalten: Man habe die rechtmäßigen Erstattungen zu keinem Zeitpunkt gestoppt, erklärte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt. Wegen der schieren Masse der Stornierungen käme es allerdings zu erheblichen Verzögerungen. Das Unternehmen hofft nun auf das Verständnis der Passagiere. Soll wohl heißen: Wenn sie klagen, sind die Verbraucher Schuld an der Überlastung der Gerichte, nicht das Flugunternehmen.