In einem Schaufenster stehen zwei Schaufensterpuppen, daneben die Worte "Sale, Sale" (Quelle: imago images, Future Image)
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Di 12.05.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Kleidung: Jetzt wird's billig

Mit fetten Rabatten versuchen die Händler, sich über Wasser zu halten

Corona verdibt alles, sogar die Kauflust. Heftig bekommt dies gerade die Bekleidungsbranche zu spüren: "Im Sommer könnte der Modehandel auf einem Berg von einer halben Milliarde unverkaufter Textilien sitzen", fürchtet der Sprecher des Handelsverbandes Textil (BTE), Axel Augustin. Schon jetzt stapelten sich im Handel rund 200 bis 300 Millionen unverkaufte Artikel. Grund dafür sind die fehlenden Verkäufe aus den Wochen der Ausgangsbeschränkungen - und nun die am Nullpunkt verharrende Kauflust der Deutschen. Nach Beobachtungen des Branchenfachblatts "Textilwirtschaft" ist in den deutschen Innenstädten "nicht einmal halb so viel los wie sonst".

Die Menschen, so der Marktforscher Rolf Bürkl,  gingen davon aus, dass Deutschland wegen der Corona-Krise in eine schwere Rezession stürzen wird: "Die Verbraucher befinden sich in einer Schockstarre", fügt der GfK-Experte an, Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung befänden sich dementsprechend im freien Fall. Nicht zuletzt, so sagt es Handelsverband-Sprecher Augustin, gebe es auch einfach nur noch selten Grund, sich schick zu machen. Neue Klamotten werden da komplett zur Nebensache.

Saisonware mit Ablaufdatum

Dabei sind neue Klamotten nicht so lange haltbar, wie man denken sollte: Die Frühlingsbekleidung kann nicht mehr im Herbst verkauft werden, die Sommerware liegt jetzt in den Schaufenstern und ist in wenigen Monaten unnütz, der Handel spricht von "verderblicher Ware".

C&A-Manager Martijn van der Zee rechnet in diesem Jahr mit Umsatzverlusten im
zweistelligen Bereich, ein "wirklich normales Saison-Geschäft, wie wir es aus den Vorjahren kennen, erwarten wir frühestens zur Weihnachtszeit - und das nur, wenn alles gut geht", ergänzt van der Zee. Bei vielen anderen der großen Kaufhaus-Ketten sieht es schlechter aus: Galeria Karstadt Kaufhof, Sinn, Hallhuber und mehrere Esprit-Töchter haben Schutzschirmverfahren beantragt, Appelrath Cüpper direkt die Insolvenz.

Outlet-Center krisensicher

Gewinner sind bei all den Verlusten die Outlet-Center. Hier landet die Ware, die im Normalhandel keinen Absatz mehr findet, etwa weil die Saison vorbei ist. Und hier zieht es die Verbraucher trotz Corona hin: Schon jetzt laufe das Geschäft in etlichen Outlet-Centern deutlich besser als in den klassischen Einkaufsstraßen, weil die Schnäppchentempel den weit verbreiteten Wunsch nach einem Einkaufserlebnis auch in Corona-Zeiten erfüllten, berichtet Branchenkenner
Joachim Will, Inhaber des Wiesbadener Beratungsunternehmens Ecostra. Der eigentliche Run auf die Center stehe noch bevor.

Und der klassische Einzelhandel? Bereitet sich auf massive Rabattschlachten vor. Eines ist sicher: Wer günstig Kleidung kaufen will, hat diesen Sommer einiges zu tun.