Ein Mann sitzt mit einer Patientenverfügung am Tisch (Quelle: imago images/Marc Schüler)
Bild: imago images/Marc Schüler

Di 19.05.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Patientenverfügung: besser jetzt als nie

Wer Covid19-Risokopatient ist, sollte vorsorgen

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre Wünsche am Lebensende berücksichtigt werden, wenn Sie diese nicht mehr äußern können. Aber Hand aufs Herz: Haben Sie schon eine Patientenverfügung aufgesetzt? Und wissen Sie, wo die sich gerade befindet?

So oder so, jetzt wäre es an der Zeit, sie mal herauszuholen. Denn die Ausbreitung des Coronavirus stellt uns vor eine neue Frage: Wollen Sie im Zweifelsfall künstlich beatmet werden?
Viele Menschen verneinen diese Frage und geben dies dementsprechend in ihren Patientenverfügungen an. Das kann Ärzte und Familie aber vor massive Probleme stellen, sollten Sie mit Covid-19 in einem Krankenhaus landen.

Bewusste Entscheidungen treffen

Klar: Im Normalfall kommen Covid-19-Patienten bei vollem Bewusstsein ins Krankenhaus und können selber entscheiden, ob sie der künstlichen Beatmung zustimmen. Doch in seltenen Fällen ist es anders. Und immer wieder verändert sich auch während der Therapie das Behandlungsziel - wenn etwa absehbar wird, dass eine Heilung nicht eintrifft. Was dann? Schauen Sie sich also Ihre Patientenverfügung an. Und wenn Sie keine haben, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, eine anzufertigen.

Alle Optionen kennen

Für die Coronakrise rät Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sogar, mit der Patientenverfügung eine individuelle Willenserklärungen abzugeben, in denen verschiedene Krankheitssituationen und Behandlungswünsche genau aufgeführt werden. Hier wäre auch Platz, gesondert auf die Krankheitssituation Covid-19 einzugehen, etwa auf Beatmungsmaßnahmen und künstliche Ernährung.

Und auch wenn in der aktuellen Ausgabe von Finanztest davon abgeraten wird, extra Covid-19-Verfügungen anzufertigen - die künstliche Beatmung geschehe mit Einverständnis des Patienten und würde nur als vorübergehende Therapiemaßnahme eingesetzt - rät Redakteurin Simone Weidner, die Patientenverfügung spätestens jetzt einmal zu überprüfen. Auch rät die Expertin, neben der Patientenverfügung eine Vorsorge- und Bankvollmacht sowie eine Betreuungsverfügung zu erstellen.

Die Berliner "Zentrale Anlaufstelle Hospiz" bietet unter der 030 - 40 71 11 14 eine Telefonsprechstunde an, in der Sie alle Fragen bezüglich einer Patientenverfügung in Ruhe klären können. Für Dirk Müller, Leiter der Spezialberatungsstelle, ist es wichtig, dass Ratsuchende richtig beraten werden. Gegenüber dem rbb erklärt er: "Je mehr Informationen Sie durch Beratungsstellen und behandelnde Ärzte bekommen, desto besser gelingt es, den individuellen Patientenwillen festzulegen." Wer nicht alle Optionen kenne, könne sich auch nicht für die für ihn passende entscheiden, so Müller.

Mit Sorgfalt ausfüllen

Vorlagen für Patientenverfügungen gibt es im Netz viele, aber bitte achten Sie darauf, nicht ein x-beliebiges Formular zu verwenden. Die Verbraucherzentrale Brandenburg warnt, diese könnten unwirksam sein. Die VZ bietet deshalb (gegen ein Entgelt) Textbausteine an, mit denen die Patientenverfügung verfasst werden kann. Und vor Ort in der persönlichen Beratung hilft die VZ ebenfalls weiter. Der Malteser Hilfsdienst bietet ein Musterformular an, für das es nun eine Covid-19-Erweiterung gibt.

Ob nun mit Covid-19-Erweiterung oder ohne - beim Ausfüllen der Formulare gilt: Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie sich alles genau durch den Kopf gehen. Hier geht es im Zweifelsfall darum, wie Sie aus dem Leben scheiden. Da ist etwas Sorgfalt nicht das Schlechteste.