EIn Schild weist darauf hin, dass alle Vorstellungen abgesagt sind (Quelle: imago images/Future Images)
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Fr 15.05.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Abgesagte Veranstaltungen: Gutscheine statt Geld zurück

Bundestag beschließt Regelungen

Sie bekommen von Ihren Freunden gerne Gutscheine geschenkt? Dann können Sie sich freuen - demnächst haben Sie vielleicht viele davon zu Hause rumliegen. Falls Sie Bares einem Gutschein vorziehen, haben Sie allerdings Pech. Wieso? Der Bundestag hat gerade beschlossen, dass Verbraucher, die vor dem 8. März Tickets für kulturelle oder sportliche Ereignisse gekauft haben, die nun aufgrund der Coronakrise ausfallen, lediglich Gutscheine vom Veranstalter dafür bekommen. Diese müssen den Wert des Eintrittspreises plus Vorverkaufsgebühren haben. Es dürfen keine Zusatzkosten entstehen.
 
Gutschein unzumutbar?

 
Geld gibt es keines zurück, außer in Ausnahmen: Wenn Sie etwa glaubhaft versichern können, dass ein Gutschein wegen Ihrer persönlichen Lebensverhältnisse unzumutbar ist. Möglich ist auch, dass Ticketinhaber den Gutschein nicht einlösen - etwa weil ihnen ein Nachholtermin nicht passt oder sie an dem Besuch kein Interesse mehr haben. Dann können Sie nach dem 31. Dezember 2021 das Auszahlen des Gutscheinwerts fordern.
 
Für Veranstaltungen nach dem 8. März können Verbraucher das Geld zurückverlangen, denn ab diesem Datum sei "die pandemieartige Ausbreitung des Coronavirus mit Folgen für das gesellschaftliche Leben breit bekannt" gewesen.
 
Mit Musterbrief doch ans Geld

 
Der Bund will die Veranstalter so davor schützen, massenhafte Rückzahlungen leisten zu müssen. Dass die Neuregelungen rückwirkend - also für Tickets, die vor dem 8. März gekauft wurden - gelten soll, kritisieren Verbraucherschützer massiv: "Aus unserer Sicht darf das geplante Gesetz nicht rückwirkend gelten. Unsere Verfassung garantiert den Bürgern, dass sie sich auf die geltende Rechtslage verlassen können", so der Bundesverband der Verbraucherzentralen.
 
Zusätzlich sei es den Verbrauchern nicht zuzumuten, per Gesetz sozusagen eine Gutscheinpflicht einzuführen. Ob man einen Gutschein nimmt oder das Geld zurückfordert, müsse "auf freiwilliger Basis geschehen", auch viele Verbraucher leideten derzeit an den Folgen der Pandemie und benötigten selber ihr Geld. Da das Gesetz noch nicht in Kraft getreten ist, rät die Vebrraucherzentrale Berlin, jetzt noch per Musterbrief Erstattungsansprüche geltend zu machen.