Smartphone mit der neuen Corona-Warn-App (Quelle: imago / epd)
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Mo 15.06.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Corona-App: Endlich da!

Die wichtigsten Infos zu Download, Funktionsweise und Datenschutz 

Nach monatelanger Entwicklungsarbeit ist es nun soweit: Deutschland hat eine offizielle Corona-Warn-App. Die App wurde nun freigeschaltet und steht in den Stores von Google und Apple zum Download zur Verfügung. Sie ist freiwillig und kann jederzeit wieder gelöscht oder deinstalliert werden. Politiker und Wissenschaftler haben große Hoffnungen, dass sich viele Menschen langfristig registrieren und dazu beitragen, dass alle, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, schneller gewarnt werden können.

Infizierten-Nachverfolgung per Bluetooth

Die App basiert auf einem Tracing-System. Das heißt: Es wird nicht wie beim Tracking der Standort verfolgt, sondern nur die Begegnungen mit anderen registrierten Handys gespeichert. Wenn Sie beispielsweise beim Einkaufen oder in der Bahn anderen App-Nutzern näher als etwa zwei Meter kommen, wird per Bluetooth-Technologie aufgezeichnet, wann und wie lange der Kontakt stattfindet. Der Ort wird nicht gespeichert.

Wird jemand positiv auf Covid-19 getestet, kann er dies anonym und freiwillig in der App eintragen. So werden alle Personen informiert, denen er in den letzten 14 Tagen nahegekommen ist und die sich möglicherweise angesteckt haben. Damit keine Falschmeldungen entstehen, können Positiv-Ergebnisse nur mithilfe eines QR-Codes des Testlabors oder einer telefonisch vermittelten TAN eingetragen werden.

Keine Bedenken beim Datenschutz

Um Sicherheitslücken und Schwächen im Datenschutz zu verhindern, wurde die Corona-App gründlich vom TÜV-IT überprüft: Demnach erfüllt sie die allgemeinen Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung. Die übermittelten Daten werden durch zufällig generierte, temporäre Zahlencodes verschlüsselt, sodass sie möglichst nicht zur sendenden Person zurückverfolgt werden können. Das Tracing per Bluetooth-System ist laut Verbraucherzentrale die "datenschutzfreundlichste Variante", die zur Auswahl stand. 

Ob man die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen einhält, kann die App nicht nachverfolgen und auch der Standort der Nutzer bleibt unerkannt. Sie zeigt lediglich einen Kontakt mit einer infizierten Person an, nicht mehr und nicht weniger. 

Rolle in der Pandemie-Bekämpfung umstritten

Inwiefern die Corona-Warn-App helfen kann, die Pandemie einzudämmen, wird sich erst noch zeigen. Es hängt stark davon ab, wie viele Menschen sich registrieren, positive Testergebnisse eintragen und sich auch bei gemeldetem Kontakt mit einem Infizierten entsprechend rücksichtsvoll verhalten. 

Klar ist: Bei den meisten Nutzern wird die App erstmal nicht warnen, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keinem Infizierten begegnen. Das liegt daran, dass mit niedrigen Infektionszahlen auch das Ansteckungsrisiko sehr gering ist. Der Nutzen der App wird sich erst zeigen, wenn die Zahlen wieder steigen. Doch bis dahin kann es passieren, dass viele sie wieder enttäuscht gelöscht haben, befürchten Experten.