Würste auf dem Grillrost (Quelle: imago images/Eibner)
Bild: imago images/Eibner

Mo 22.06.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Coronavirus: Jetzt geht es um die Wurst

Wie gefährlich ist das Tönnies-Fleisch?

Spätestens, seitdem wir wissen, dass bei einem der größten Schlachtbetriebe Deutschlands mehr als 1.300 Mitarbeiter (Stand 22.06.) mit dem Coronavirus infiziert sind, drängt sich die Frage auf: Kann man aktuell noch Fleisch essen? Oder ist die Gefahr gegeben, sich durch den Verzehr selbst mit dem Coronavirus zu infizieren?

Die Antwort:

Wie so oft: Es ist kompliziert. Theoretisch ist eine Weitergabe des Virus möglich, allerdings nur über die Oberfläche des Fleisches - denn die Schlachthofmitarbeiter sind infiziert, nicht die Schweine oder Rinder, die verarbeitet wurden.

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können Coronaviren also grundsätzlich von einer infizierten Person auf Wurst und Fleisch übertragen werden, wenn Hygieneregeln missachtet werden, "beispielweise durch direktes Niesen oder Husten oder über verunreinigte Hände".

Allerdings, so das BfR, "minimieren die üblicherweise einzuhaltenden Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen in den Schlacht- und Zerlegebetrieben das Kontaminationsrisiko von Fleisch und Fleischwaren mit Krankheitserregern, was auch für SARS-CoV-2 gilt."

Wie schnell Coronaviren absterben, hängt von Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche ab, also Gegebenheiten, die ihre Stabilität beeinträchtigen. Bei den Schlachtprodukten ist eine Übertragung durch eine Schmierinfektion - wie es bei Tönnies ja der Fall wäre - nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination möglich, da sie relativ instabil sind. Zudem sind Coronaviren auf totem Fleisch nicht vermehrungsfähig, sie brauchen einen lebenden Wirt.

Bislang wurde noch kein Fall entdeckt, bei dem der Übertragungsweg durch den Verzehr von Fleischwaren eine Rolle spielte, so das BfR. Demnach ist es sehr unwahrscheinlich, sich durch den Verzehr von Fleisch aus dem Schlachtbetrieb Tönnies selbst mit dem Coronavirus zu infizieren.

So schützen Sie sich

Wer auf Nummer besonders sicher gehen will, isst kein rohes Fleisch und achtet darauf, seine Fleischprodukte vor dem Verzehr an allen Stellen mindestens zwei Minuten lang auf mindestens 70°C zu erhitzen bzw. bis der austretende Fleischsaft klar ist und das Fleisch eine weißliche (Geflügel), graurosafarbene (Schwein) oder graubraune Farbe (Rind) angenommen hat. So schützen Sie sich übrigens auch vor möglichen anderen Krankheitserregern!

Immer noch am wichtigsen sind allerdings die allgemeinen Hygieneregeln: regelmäßiges Händewaschen, vor allem nach dem Einkauf, und Fernhalten der Hände vom Gesicht.