Zwei Handys mit der Corona-Warn-App (Quelle: imago / MiS)
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Mo. 27.07.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Corona-Warn-App: späte Warnung, unklare Anzeigen

Was tun, wenn die App spinnt?

Die Corona-Warn-App scheint zu schwächeln: Recherchen der Tagesschau haben aufgedeckt, dass die App erst sehr spät warnt, wenn ein Kontakt zu einem Coronainfizierten bestand. Vor allem bei iPhones traten Verzögerungen auf, aber auch Android habe teilweise Probleme mit der Hintergrundaktualisierung. Nutzer werden in diesem Fall nicht per Push-Benachrichtigung informiert, wenn sie eine Risikobegegnung hatten, sondern nur, wenn sie die App öffnen. Wie viele Geräte davon in Deutschland betroffen sind, ist unklar. Der Software-Entwickler SAP arbeitet bereits an einer Lösung.

Die Corona-Warn-App soll Nutzer informieren, wenn sie mit einem Coronainfizierten in Kontakt gekommen sind. Ziel ist es, Infektionsketten zu unterbrechen, indem man die Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen schnellstmöglich darüber informiert. Je länger die Übermittlung der Daten dauert, desto mehr Menschen können das Virus potentiell weitergeben.

Hintergrundaktualisierung aktivieren

Einige Geräte verhindern, dass sich die Corona-Warn-App im Hintergrund aktualisiert. Das ist eine gängige Grundeinstellung, um den Akku zu schonen. In diesem Fall tauscht die App zwar Daten mit anderen Handys aus, zeigt sie aber erst an, wenn die App manuell geöffnet wird.

In manchen Fällen können Sie das Problem selbst lösen: Mit einem Update zur Version 1.1.2 können Sie in den Einstellungen der App die "priorisierte Hintergrundaktivität" aktivieren. Eine Anleitung dazu finden Sie im FAQ auf der Webseite der Corona-Warn-App. Sollte das trotzdem nicht funktionieren, empfehlen die App-Betreiber, die App einmal pro Tag zu öffnen.

Ab wann besteht ein "erhöhtes Risiko"?

Die Anzeige der App scheint selbsterklärend zu sein: Hatte man keine Risikobegegnungen, besteht ein "niedriges Risiko". Doch die App sorgt nun für Verwirrung. Denn: Es kann passieren, dass sie Risikobegegnungen anzeigt und das Risiko trotzdem als niedrig beschreibt. Das ist kein Bug, sondern gewollt. Die Corona-Warn-App zeigt erst dann ein "erhöhtes Risiko"an, wenn der Kontakt zu einem Infizierten länger als 15 Minuten dauert UND der Abstand kleiner als zwei Meter ist. Die App meldet aber auch kürzere oder entferntere Begegnungen mit Infizierten. Das wolle man den App-Nutzern nicht verschweigen, auch wenn das Ansteckungsrisiko unter diesen Bedingungen sehr gering ist, gibt das Robert-Koch-Institut an. In diesem Fall besteht dann kein akuter Handlungsbedarf.

Noch ein Kritikpunkt: Die App zeigt nicht an, wann eine Risikobegegnung stattgefunden hat. Aber: Das kann man rückwirkend rausfinden. Denn 15 Tage nach der Begegnung verschwindet die Registrierung der Begegnung wieder aus der App. So kann man zurückrechnen, an welchem Tag die Begegnung stattgefunden hat und kann sich eventuell sogar an die Situation erinnern.