Ein Modellflugzeug von Easy Jet auf mehreren 500-Euro-Scheinen (Quelle: imago images/Ralph Peters)
Bild: imago images/Ralph Peters

Mo 20.07.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Fluggesellschaften: Wo bleibt das Geld?

Nach Flugstornierung warten Tausende auf die Rückerstattungen

Der Fall ist klar: Ein Flug wurde von der Fluggesellschaft storniert, der Kunde hat in den meisten Fällen Anspruch auf Erstattung des Flugpreises. So auch im Falle von Flügen, die wegen der Coronakrise storniert wurden.

Leider verzichten aktuell viele Fluggesellschaften auf die Erstattung und drängen den Kunden Gutscheine auf - oder verzögern die Auszahlung auf andere Art und Weise. Die Fluggesellschaften versuchen so, finanziell flüssig zu bleiben, denn natürlich hat die Coronakrise nicht nur die Lufthansa an den Rand der Insolvenz gebracht: Viele Luftfahrt-Unternehmen straucheln.

Nach einigem Druck hat die Lufthansa jetzt angekündigt, bis Anfang September alle Erstattungen auszuzahlen. Dennoch haben Sie auch als Kunde andere Fluggesellschaften Ihr gutes Recht, und zwar das auf Erstattung des Flugpreises. Was können Sie also tun, um Ihr Geld zurückzubekommen?

Ihre Rechte

Zuerst gilt: Sie sind nicht verpflichtet einen Gutschein zu akzeptieren. Sagen Sie nein, haben Sie weiterhin Anspruch auf Auszahlung des Geldes.

Entscheiden Sie sich dazu, den Gutschein anzunehmen, sollten Sie beachten, dass der Gutschein im Falle einer Insolvenz nicht abgesichert ist. Das Risiko liegt bei Ihnen.

Ihre Möglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, jetzt um Ihr Geld zu streiten. Sicherlich die nahe liegendste wäre, selbst auf Erstattung zu klagen. Aber natürlich tragen Sie als Mandant dann auch das Kostenrisiko.

Ist Ihnen das zu unsicher, können Sie sich stattdessen an eines der Flugrechtsportale wenden. Dort wird Ihnen in den meisten Fällen direkt per Rechner auf der Website angezeigt, wie hoch die Provision wäre, die Sie im Erfolgsfall dem Portal zahlen müssten: Bis zu 50 Prozent können es sein.

Eine weitere Möglichkeit: Sie verkaufen Ihre Ansprüche an einen Sofortentschädiger, der dann an Ihrer statt in den Rechtsstreit geht. Nimmt das Unternehmen Ihren Fall an, gibt es zwar meist schnell Geld - aber natürlich werden auch hier Abzüge fällig: bis zu 50 Prozent der Erstattungskosten sind normal.

Andere Wege zum Ziel

Sie können auch ohne Anwälte, Dienstleister und Gerichtsurteil zu Ihrem Recht kommen, brauchen aber eventuell etwas mehr Geduld. Dafür bleibt Ihnen am Ende - im Gegensatz zu Sofortentschädigern und Flugrechtportalen - mehr von Ihrer Erstattung.

Entweder Sie schreiben der Airline selbst, um Ihre Ansprüche geltend zu machen. Dies geht etwa mit einem Musterbrief der Verbraucherzentrale oder Vorlagen der Stiftung Warentest.

Außerdem können Sie sich natürlich an die zuständige Schlichtungsstelle wenden. Allerdings erst, wenn Sie bei der Fluggesellschaft bereits Ihre Ansprüche gemeldet haben. Ist die Entschädigung nicht zufriedenstellend oder reagiert die Airline innerhalb von zwei Monaten nicht, können Sie sich an die Schlichtungsstelle wenden. Unter soep-online.de stellen Sie einen Schlichtungsantrag, die Schlichtungsstelle setzt sich dann mit der anderen Partei auseinander.

Außerdem können Sie via App den Gegenangriff starten: Die Flugärger-App der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist genau für Ihren Fall gemacht! Mit ihr ermitteln Sie kostenlos die Ausgleichszahlung und melden Ihre Ansprüche bei der Fluggesellschaft.