Ein Regal mit Grünländer Käse der Firma Hochland (Quelle: imago images/STPP)
Bild: imago images/STPP)

Mi 09.09.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Verbrauchertäuschung: Negativpreis für Grünländer Käse

"Goldener Windbeutel" von Foodwatch verliehen

"Milch von Freilaufkühen" - so wirbt die Molkerei Hochland für ihren Grünländer Käse. Für die Verbraucherorganisation Foodwatch ist das eine dreiste Werbelüge. Das sahen auch viele Verbraucherinnen und Verbraucher so: rund 44 Prozent der 65.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen stimmten in einer repräsentativen Umfrage über die "dreisteste Werbelüge des Jahres 2020" für den Grünländer Käse ab. Damit erhält das Hochland-Produkt die Negativ-Auszeichnung "Goldener Windbeutel 2020".

"Freilaufkühe" im Stall

Die Verpackung des Grünländer Käses zeigt eine Wiese und wirbt mit dem Fantasiebegriff "Freilaufkühe". Diese Kühe stehen jedoch im Stall. "Hochland gaukelt seiner Kundschaft ein Weide-Idyll vor und täuscht ausgerechnet jene Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen", so Manuel Wiemann von Foodwatch und Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel 2020.
 
Das Unternehmen wollte den Preis nicht annehmen und wies die Kritik als "nicht angemessen" zurück: "Für unsere Marke verwenden wir ausschließlich Milch von Kühen, die sich jederzeit frei im Stall bewegen können und nicht angebunden sind", erklärte Hochland. Tatsächlich steht auf der Rückseite der Verpackung, dass die Tiere im Stall stehen. Das reicht Foodwatch jedoch nicht aus.

Foodwatch droht mit Klage wegen Verbrauchertäuschung

Zusätzlich zur Verleihung des Goldenen Windbeutels hat Foodwatch die für Hochland zuständige Lebensmittelbehörde im bayerischen Kulmbach aufgefordert, die aus Sicht von Foodwatch irreführende Vermarktung des Grünländer Käses zu untersagen. Denn das Lebensmittelrecht verbiete Verbrauchertäuschung. Die Verbraucherorganisation setzte dem Amt eine Frist bis zum 22. September - und droht mit einer Klage, sollte die Behörde nicht tätig werden.
 
Der Negativpreis wurde bereits zum zehnten Mal verliehen. Foodwatch möchte mit der jährlichen Abstimmung auf Etikettenschwindel und Verbrauchertäuschung aufmerksam machen.