Eine Frau sitzt im Bett und hält sich mit den Händen den Bauch (Quelle: imago images/shotshop)
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Do 10.09.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Darm-Analyse: keine Studien, kein Sinn

Darum sind private Mikrobiom-Analysen ihr Geld nicht wert

Der menschliche Darm ist mit seinen sechs bis acht Metern Länge nicht nur besonders groß, sondern auch besonders wichtig. Schon bei der Geburt kommt unser Darm mit verschiedensten Bakterien in Kontakt und wird von ihnen besiedelt. Ohne die Mikroorganismen können wir Lebensmittel nicht verdauen und Vitamine wie B12 und K nicht bilden. Außerdem schützen sie uns vor Krankheitserregern.
 
Es wäre daher ganz schön zu wissen, ob im eigenen Darm all diese wichtigen Organismen vorhanden sind, er also gesund ist. Angeblich ist das kein Problem. Wenn man "Darmgesundheit" bei Google eingibt, erhält man knapp 470.000 Suchergebnisse - darunter auch viele Anbieter für eine sogenannte Mikrobiom-Analyse. Sie versprechen uns die genaue Aufschlüsselung unserer Darmbakterien, um so mögliche Ursachen für Krankheiten, unreine Haut, Müdigkeit usw. zu finden. Und zwar für ziemlich viel Geld - und leider mit sehr wenig Nutzen.

Die Darmflora ist zu wenig erforscht

Im Internet werden solchen Analysen von Heilpraktikern, Ernährungsberatern und sogar Ärzten beworben - ab 130 Euro erhält man die Test-Kits. Ganz schön viel Geld für etwas, das noch gar nicht ausreichend erforscht ist, um solche Versprechungen überhaupt machen zu können.
 
"Wir wissen bis heute nicht, wie ein gesundes Mikrobiom des Menschen aussieht", sagt Dr. Christian Schulz, der an der Universitätsklinik München zu Mikroorganismen und Verdauungsorganen forscht, kürzlich dem wissenschaftsjournalistischen Portal medwatch. "Und wenn wir das Ziel nicht kennen, können wir das Mikrobiom auch nicht in die richtige Richtung verändern oder irgendwelche Empfehlungen geben."

Gastroenterologen raten von Mirkobiom-Analysen ab

Ja, unsere Darmflora ist enorm wichtig für unsere Gesundheit. Und ja, es gibt auch schon viele Untersuchungen, die Hinweise darauf liefern, dass das Mikrobiom einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten haben kann. Ganz so einfach ist das mit solchen Mirkobio-Analysen dann aber doch nicht. Denn jede Darmflora ist ganz individuell aufgebaut und wird von vielen Faktoren beeinflusst.
 
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät daher von solchen Tests ab: "Eine Analyse des gesamten Spektrums der Mikroorganismen im Darm ist allerdings weitgehend sinnlos, da die Zusammensetzung des Mikrobioms und eventuelle Krankheitssymptome nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben", sagt Professor Dr. med. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Kieler Universitätsklinikums. Die Mikrobiom-Forschung stehe noch am Anfang und es gäbe auch keine verlässlichen Verfahren, die die Zusammensetzung der Darmbakterien so zu modifizieren, dass Patienten davon profitieren könnten.

Darmflora in Balance halten

Wer ballaststoffreiche Lebensmittel oder probiotische Joghurts isst und sich ausreichend bewegt, tut schon eine Menge für seine Darmgesundheit. Also lieber in gutes gesundes Essen als in teure sinnlose Tests investieren.
 
Übrigens: Die gängigen Untersuchungen des Stuhl zur Darmkrebsvorsorge sind natürlich kein Quatsch. Auch bestimmte Krankheitserreger können so gefunden werden. Aber ein Allheilsversprechen, wie bei den Mirkobiom-Analysen, ist einfach unseriös.