Ein Lieferant übergibt eine Kiste mit Lebensmitteln (Quelle: dpa)
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Do 01.10.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Lebensmittel-Lieferdienste: bei Familien beliebt

Die Dienste wachsen langsam, aber stetig

Am Anfang der Coronakrise, als ganz Deutschland mit Ausgangsbeschränkungen leben musste, hatten Lebensmittel-Lieferdienste ihre Stunde, plötzlich wollte niemand mehr in den Supermarkt, alle wollten sich liefern lassen.
 
Der große Boom hat mittlerweile wieder nachgelassen, aber nicht ohne einige Veränderungen angestoßen zu haben.

Unsicherheiten abgebaut

"Die Unsicherheit durch die Corona-Pandemie hat dabei geholfen, die bisherigen Hürden beim Onlinekauf von Lebensmitteln bei neuen Zielgruppen abzubauen", sagte die Marktexpertin des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln, Eva Stüber, gegenüber der dpa. Sorgen, die die Verbraucher vorher zum Beispiel in Bezug auf Frische und Qualität hatten, konnten abgebaut werden. Außerdem wurden insgesamt mehr Lebensmittel gekauft, ob online oder im stationären Supermarkt.

Der Lebensmittelhandel legt zu

Eine repräsentative Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) für den Tiefkühllieferanten Eismann zeigt, dass die Verbraucher dem stationären Lebensmittelhandel treu bleiben: 91 Prozent der Befragten gaben an, im August die Einkäufe im Supermarkt zu erledigen, einen Discounter besuchten 81 Prozent, in Bäckereien und Metzgereien kauften 47 Prozent ein.
 
Gleichzeitig legten die Umsätze im Internethandel mit Lebensmitteln nach Angaben des E-Commerce Branchenverbandes BEVH im zweiten Quartal zu, sie erreichten mit 772 Millionen Euro fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr.
 
Das Wachstum der Online-Dienste verläuft dabei auf niedrigem Niveau: Gerade einmal 15 Prozent der Befragten gaben in der IMWF-Untersuchung an, sich Lebensmittel über einen Online-Händler zu besorgen - zwei Prozentpunkte mehr als im September 2019. Die Studie zeigte aber auch, dass vor allem Familien zuletzt Lieferdienste mehr nutzten. Im August gaben 31 Prozent der Mehrpersonenhaushalte mit Kindern an, Lebensmittel online zu bestellen. Im September 2019 waren es noch 19 Prozent.

Corona treibt den Trend an

Expertin Stüber sieht die Corona-Krise hier als Beschleuniger: Kundinnen und Kunden in Deutschland seien schon länger für Online-Bestellungen von Lebensmittel bereit gewesen, "die Angebotsstruktur ließ aber noch keinen großen Durchbruch zu." Der ist jetzt da.
 
Die Supermarktkette Rewe, Edekas Lieferdienst Bringmeister sowie Amazon Fresh, der Lebensmittel-Lieferdienst des US-Konzerns, bestätigten den Trend. Durch die "stark erhöhte" Nachfrage vor allem nach lang haltbaren Lebensmitteln sei die Kundenzahl des eigenen Lieferdienstes rasant angestiegen, "die Bestellungen haben sich nun auf einem hohen Niveau normalisiert", teilte etwa ein Rewe-Sprecher mit. Worte, die Eva Stüber in der Vermutung bestätigen, dass diese Entwicklung nachhaltig ist.