Eine Müslipackung mit Nutri-Score-Symbol (Quelle: imago)
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Fr 09.10.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 2 Minuten - Nutri-Score: grüne Ampel für die Ampel

Bundesrat macht weg für die Lebensmittel-Kennzeichnung frei

Der Bundesrat hat am Freitag den Weg für die Einführung des so genannten Nutri-Score frei gemacht. Dieses System soll es Kunden beim Einkauf ermöglichen, einen schnellen Überblick über die gesundheitliche Bewertung der Lebensmittel zu bekommen.

Von einem grünen A wie sehr gut bis zu einem roten E wie gar nicht so toll, so werden mit dem "Nutrition-Score", also der Ernährungswertung, die Lebensmittel eingeordnet. Französische und britische Ernährungswissenschaftler haben dieses offenbar schnell zu erfassende System erarbeitet. Die Bewertung eines Lebensmittels bezieht sich dabei immer auf 100 Gramm. Und alle Inhaltsstoffe spielen eine Rolle, die guten wie Ballaststoffe, sowie die weniger guten wie Zucker oder Fett.
 
Die Nährwerte bekommen alle eine bestimmte Punktzahl und werden am Ende miteinander verrechnet. Dem jeweiligen Ergebnis - einem Wert zwischen -15 und +40 - wird schließlich eine der fünf Buchstabe-Farbe-Stufen zugewiesen. Anwendbar ist dieses System vor allem auf verarbeitete Produkte.

Wann startet das System?

Bereits jetzt findet sich die Nutri-Score-Ampel auf über 1.000 Produkten in deutschen Supermärkten, denn einige Lebensmittelhersteller haben bereits freiwillig mit der Kennzeichnung begonnen. Weitere Firmen kündigten eine Einführung für Anfang November an. Da das System in Frankreich und Belgien bereits läuft, steht nun die Forderung nach einer EU-weiten Einführung im Raum.

Lob und Kritik

Verbraucherschützer begrüßen die Einführung des Nutri-Score, kritisieren allerdings, dass die Kennzeichnung von Produkten für Hersteller vorerst nicht verpflichtend ist. Nur so könnten Verbraucher alle Lebensmittel innerhalb einer Produktkategorie miteinander vergleichen und die für sie beste Alternative auswählen.
Es besteht jedoch die Hoffnung, dass sich unter konkurrierenden Herstellern ein gewisser Druck entwickelt, Produkte zu kennzeichnen. Zumindest ist Rosinenpickerei verboten: Will ein Hersteller das Nutri-Score-System nutzen, muss er binnen zwei Jahren alle Produkte der registrierten Marke damit kennzeichnen und nicht nur die mit der günstigsten Bilanz.

Erheblichen Nachbesserungsbedarf an der derzeitigen Regelung sehen Vertreter der Bio-Branche. Das jetzige System benachteilige Bioprodukte erheblich, da die vielen Ersatzstoffe in konventionell erzeugten Lebensmitteln für die Bewertung beim Nutri-Score keine Rolle spielen. Daraus folge, dass eine künstliche Cola-light besser bewertet werde, als ein Bio-Apfelsaft, der ernährungsphysiologisch jedoch deutlich wertvoller sei, hieß es.
Die Branche fordert deswegen eine Überarbeitung des Bewertungsalgorithmus, der dem Nutri-Score zugrunde liegt.

Ein langer Weg

Über den besten Weg für eine Extra-Kennzeichnung, die bei ausgewogener Ernährung und dem Kampf gegen Übergewicht helfen soll, wurde in Deutschland lange diskutiert. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) favorisierte lange ein anderes System, ließ aber im vergangenen Jahr vier Kennzeichnungs-Modelle per Umfrage testen. Die Verbraucher entschieden sich für das in Frankreich bereits erprobte Nutri-Score-System.
 
Im Gegensatz zur den auf dem EU-Markt vorgeschriebenen Nährwerttabellen auf der Rückseite von Produkten, soll die Nutri-Score-Skala direkt ins Auge fallen – nämlich immer auf der Vorderseite.