Symbolbild: Führerschein, Punktetacho, Polizeiwagen (Quelle: Imago)
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Fr 09.10.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Flensburg: Ein volles Konto will hier keiner

Wie wird man die Punkte im Fahreignungsregister los?

Kennen Sie eigentlich Ihren aktuellen Kontostand? Von Ihrer Bank bekommen Sie mindestens einmal im Monat einen Kontoauszug - die wenigsten aber wissen, wie es auf ihrem Punktekonto in Flensburg aussieht. Dabei lohnt es sich, genau das beim Kraftfahrt-Bundesamt zu erfragen, denn eine amtliche Benachrichtigung bekommen Sie erst, wenn es fast zu spät ist und der dauerhafte Entzug Ihres Führerscheins droht.

Nachfragen lohnt sich

Wenn Sie jetzt grübeln, ob Sie jemals auf einem Ihrer Bußgeldbescheide etwas von "Punkten in Flensburg" gelesen haben, dann ist das verständlich. Denn auf den amtlichen Schreiben sind zwar das Delikt, die Höhe des Bußgeldes sowie ein möglicherweise vorübergehendes Fahrverbot genannt, die Ankündigung der Ahndung mit einem Vermerk im Fahreignungsregister (FAER) findet sich jedoch oftmals höchstens im Kleingedruckten.
 
Das bedeutet, Ihre Punkte sammeln sich an, ohne dass Sie darüber gesondert informiert werden und Ihren Gesamtpunktestand kennen. Das gleiche gilt, wenn die Einträge nach einer entsprechenden Frist wieder getilgt werden – auch das erfahren Sie nur, wenn Sie nachfragen!

Eingangschild beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (Imago)
Wohin muss man sich wenden?

Die gute Nachricht vorweg: Jeder kann seinen Punktestand im Fahreignungsregister kostenlos erfragen. Am einfachsten geht das noch immer postalisch: Antragsvordruck beim KBA herunterladen, ausdrucken, ausfüllen, eine Kopie des Personalausweises beifügen, wegschicken – fertig!

Nach etwa einer Woche erhalten Sie ein freundliches Schreiben aus Flensburg, auf dem Ihr Gesamtpunktestand vermerkt ist und Ihnen noch einmal ausführlich mitgeteilt wird, was Sie alles auf dem Kerbholz haben. Hier können Sie auch einsehen, wann die Punkte für Ihre jeweiligen Vergehen getilgt, bzw. endgültig gelöscht werden.

Alternativ können Sie den Antrag auch im Internet stellen. Dafür benötigen Sie jedoch einen Personalausweis mit freigeschalteter Online-Ausweisfunktion, ein geeignetes Smartphone oder Kartenlesegerät sowie die entsprechende Software.

Tatsächlich darf man den Beamten in Flensburg auch einen Besuch vor Ort abstatten und seinen Punktestand persönlich erfragen. Gültige Ausweispapiere bitte mitbringen.

Wie viele Punkte gibt es wofür?

Je nach Schwere des Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung werden neben den allseits beliebten Bußgeldern oder vorübergehenden Fahrverboten auch ein bis drei Punkte vergeben.
 
Einige Beispiele:

- Wenn Sie am Steuer mit dem Handy telefonieren, ist das eine verkehrsgefährdende Ordnungswidrigkeit, die mit einem Punkt geahndet wird.
 
- Fahren Sie innerhalb einer geschlossenen Ortschaft mehr als 31 km/h zu schnell, so kassieren Sie neben einem vorübergehenden Fahrverbot sogar zwei Punkte für diese grobe verkehrsgefährdende Ordnungswidrigkeit.
 
- Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort oder der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr gelten bereits als Straftaten. Ob diese mit zwei oder drei Punkten geahndet werden, hängt dann von den jeweiligen Umständen der Tat und ihrer Bewertung ab.
 
Einen detaillierten Überblick über die Zuordnung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten finden Sie im Punktekatalog des Kraftfahrt-Bundesamtes.
 
Grundsätzlich lässt sich aber zusammenfassen, dass man seit der Reform des Registers im Jahr 2014 nur noch Punkte für wirklich verkehrsgefährdende Delikte kassieren kann. Unschöne Verstöße, wie das Befahren einer Umweltzone mit Ihrem alten Diesel, bringen Ihnen zwar ein Bußgeld ein, wirken sich jedoch nicht auf Ihren Punktestand aus.

Ein Ortsschild mit der Aufschrift "Führerschein - Idiotentest" (Quelle: Imago)
Bei acht Punkten ist Schluss

Das Flensburger Punktesystem soll eine Art Warn- und Erziehungsfunktion für Verkehrsteilnehmer übernehmen, die immer wieder Regeln brechen.
 
Ab einem Stand von vier Punkten schaltet sich das zuständige Straßenverkehrsamt ein und wird Sie ermahnen, bei sechs Punkten folgt eine Verwarnung - beide Male sind Gebühren fällig. Wenn Sie es so weit gebracht haben, ganze acht Punkte auf Ihrem Konto anzusammeln, ist die "Pappe" erst mal weg.
 
Zu dieser Maßnahme wird gegriffen, um die Allgemeinheit zu schützen, denn Inhaber von acht Punkten gelten - wegen wiederholter Vergehen - als ungeeignet, ein Kraftfahrzeug zu führen. Wer seinen Führerschein wiederhaben will, muss erst einmal das Gegenteil beweisen – unter Umständen durch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), umgangssprachlich immer noch "Idiotentest" genannt.

Wann werden die Punkte gelöscht?

Jeder angesammelte Punkt im Fahreignungsregister wird nach einer bestimmten Zeit getilgt. Punkte wegen verkehrsgefährdender Ordnungswidrigkeiten verfallen nach zweieinhalb Jahren. Bei schweren Ordnungswidrigkeiten, die die Verkehrssicherheit besonders beeinträchtigen, sowie bei Straftaten im Straßenverkehr bleiben die Punkte jedoch für fünf Jahre im Register. Bei Straftaten mit Entziehung der Fahrerlaubnis sind es sogar zehn Jahre. Die angegeben Fristen beginnen erst, wenn der jeweilige Bescheid rechtskräftig ist.
 
Besonders für Fahrer, die beruflich auf ihren Führerschein angewiesen sind, wird ein hoher Punktestand zum Problem. Sind erstmal fünf Punkte angesammelt, kommt man schnell in den kritischen Bereich. Berufskraftfahrern droht oftmals sogar die Kündigung, wenn sie ihren Führerschein verlieren.
 
Damit es nicht so weit kommt, bietet das Flensburger System die Möglichkeit zum Punktabbau an. Doch auch diese Regelung ist streng: Nur einmal alle fünf Jahre kann man durch die freiwillige Teilnahme an einem Fahreignungsseminar einen einzigen Punkt abbauen. Und das gilt auch nur für Verkehrssünder, die maximal fünf Punkte auf ihrem Konto haben. Wer bereits darüber liegt, muss abwarten, bis seine Punkte von alleine verjähren. Diese Regelung im jetzigen System des KBA wird von vielen Stellen als besonders kritisch angesehen.

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist es wichtig, seinen aktuellen Punktestand zu kennen – und natürlich, sich an die Regeln der Straßenverkehrsordnung zu halten.