Wer übernimmt die Kosten bei Corona-Tests für Reisende? Symbolbild: COVID-19-Teströhrchen, Corona-Maske, Flugzeug, Palmen (Quelle: Imago)
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Di 06.10.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Reisen: Wann und wo zum Corona-Test?

Die geltenden Vorschriften und zahlreiche Kontakte von Anlaufstellen

Die globale Reisewarnung gibt es nicht mehr - und trotzdem war das Reisen noch nie so kompliziert wie zur jetzigen Zeit. Nun müssen wir uns vorher sehr genau informieren, ob das ausgewählte Reiseziel oder der eigene Abreiseort als Corona-Risikogebiet gilt und welche Einschränkungen sich daraus ergeben. Die Konsequenzen sind weitreichend - neuerdings selbst bei Reisen innerhalb Deutschlands!

Grundlage für die internationalen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes sowie der Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ist die Einstufung von Städten, Ländern und Regionen als Risikogebiet. Diese erfolgt durch eine Bewertung des Robert-Koch-Instituts (RKI) und richtet sich nach der Zahl der Neuinfektionen. Gibt es in einem Gebiet innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, dann gilt das Gebiet als Risikogebiet - so lange, bis die Zahl der Neuinfektionen wieder unterhalb des Grenzwertes liegt.

Kein Nordsee-Urlaub für Berliner?

Zurzeit bestehen eine ganze Reihe von Reisebeschränkungen innerhalb Deutschlands für Städte und Regionen, die den genannten Grenzwert an Neuinfektionen überschreiten. Zu den vom RKI ausgewiesenen Hotspots der vergangenen Tage gehört nun auch die gesamte Stadt Berlin.
 
Mittlerweile elf Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Corona-Risikogebieten beschlossen. Urlauber mit Wohnsitz in einem aktuellen Risikogebiet, sowie Menschen, die sich vor der Abreise länger als 48 Stunden dort aufgehalten haben, müssen einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen - ansonsten gilt ein Beherbergungsverbot für Hotels und Gaststätten. Je nach Bundesland varieren die Regelungen leicht.
 
Eine differenzierte Zusammenfassung der Einreisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen der einzelnen Bundesländer führt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband auf seiner Webseite auf.

Wo bekomme ich einen Test her?

Liebhaber pfälzischer Weinanbaugebiete, der bayerischen Alpen oder der Nordseeküste stehen nun vor dem Problem: Wo bekomme ich für meine Herbstreise schnell noch einen Corona-Test her?
Sich an die ohnehin schon überforderten Gesundheitsämter und Amtsärzte zu wenden, ist keine gute Idee. Diese sind nur für die Testungen von Menschen mit Symptomen oder mit Kontakt zu nachweislich Infizierten zuständig.
 
Während sich an einigen deutschen Flughäfen in den Corona-Testzentren auch Abreisende kostenpflichtig testen lassen können, so ist dies weder in Tegel oder Schönefeld, noch am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) oder dem Berliner Hauptbahnhof möglich.

An den offiziellen Teststellen der Stadt im Virchow-Klinikum und in den DRK-Kliniken in Berlin-Köpenick, wo durchaus Kontingente für Tests von symptomfreien Probanden eingeplant sind, bilden sich derzeit lange Schlangen - hier sind Menschen, die einen Corona-Test vor einer Reise benötigen auch nicht an der optimalen Adresse.
 
Bleibt nur der Gang zum (Haus-)Arzt - doch hier sollten Sie unbedingt vorher anrufen und erfragen, ob die jeweilige Praxis in Berlin oder Brandenburg auch Corona-Tests durchführt.
 
Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin bietet derzeit zwar keine Liste von Ärzten an, die in jedem Fall Corona-Tests für Selbstzahler durchführen, jedoch haben sich eine Reihe von Praxen bereit erklärt, die Testung von Reiserückkehrern aus Risikogebieten durchzuführen. Einige dieser Ärztinnen und Ärzte führen auch Tests für Selbstzahler durch, die eine solche Bescheinigung für ihre bevorstehende Reise benötigen. Dies sollten Sie allerdings vorher telefonisch erfragen.
 
Auch Fachärztezentren, wie beispielsweise das Ärztehaus in Berlin Mitte, haben sich mittlerweile auf die große Nachfrage von Corona-Tests für Selbstzahler eingestellt und Teststationen dafür eingerichtet. Hier kann man teilweise bei der Abstrich-Abnahme im Auto sitzen bleiben und muss nicht im Wartezimmer Platz nehmen.

Wer bezahlt den Test?

Die Übernahme der Kosten für Corona-Tests ist bundesweit einheitlich geregelt. Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen nicht selbst zahlen. Die Abwicklung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung und das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS).
 
Für Patienten mit Verdacht auf eine Infektion gilt: Wenn der Arzt oder die Ärztin den Test für notwendig hält, werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn Sie spezifische Symptome haben oder Kontakt zu einem infizierten Menschen hatten.
 
Eine Reise in Länder, die einen Corona-Test für Einreisende zwingend vorschreiben, gilt als Privatvergnügen. Sie müssen die Kosten hierfür also selbst übernehmen. Das betrifft jetzt auch Berliner aus den derzeitigen Hotspot-Bezirken, die nach Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein reisen möchten.

Wie teuer ist ein Test?

Es gibt erhebliche Preisunterschiede für Corona-Tests, die als Privatleistung abgerechnet werden. Gemäß Gebührenordnung für gesetzlich Versicherte beträgt der Satz 59,- Euro. Für Selbstzahler sind Tests mittlerweile bereits ab etwa 100,- Euro zu haben. Nach Angaben der Berliner Ärztekammer wurden in der Vergangenheit aber durchaus auch Kosten von 150,- bis 300,- Euro berechnet - je nach Arzt, Labor, Abrechnungs- und Testart. Insofern ist es sinnvoll, sich vorab nach dem Preis für einen privat gezahlten Test in der jeweiligen Praxis zu informieren.

Zurück in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg bestehen derzeit keine Beschränkungen für Reisende, die aus anderen Bundesländern ein- oder zurückreisen. Sie müssen sich also bei der Rückreise innerhalb Deutschlands nicht testen lassen. Anders stellt sich die Situation für Reisende aus internationalen Risikogebieten dar; hier gelten bis Mitte Oktober noch die aktuellen Quarantäne- und Meldepflichten.
 
In diesem Fall sind Sie dazu verpflichtet, sich auf Verlangen der zuständigen Gesundheitsbehörde auf Covid-19 testen zu lassen. Die Tests können unter anderem in den Testzentren an den beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel, am Berliner Hauptbahnhof, am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), sowie in den von der KV-Berlin gelisteten Arztpraxen vorgenommen werden.
 
In Brandenburg helfen in diesem Fall das Corona-Bürgertelefon mit der Nummer 0331 866-5050 oder die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung mit der Nummer 116 117 weiter. Der Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bietet auch auf der Webseite 116117.de die Möglichkeit der Arztsuche für die verschiedenen Regionen Brandenburgs. Alternativ können Sie sich auch an das Gesundheitsamt ihres jeweiligen Landkreises wenden.

Ich fühle mich krank – was nun?

Rückreisende mit Symptomen von Covid-19 sind aufgefordert, sich an eine der dafür vorbereiteten Covid-19-Praxen zu wenden, bzw. mit einer der offiziellen Corona-Untersuchungsstellen in Berlin Kontakt aufzunehmen.
 
Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich unter der Senats-Hotline 030-90282828 zu Ihrem weiteren Vorgehen beraten lassen. Adressen und Hotlines der Gesundheitsämter der Berliner Bezirke sind auf dem Internetportal Berlin.de gelistet.
 
Für Brandenburg übernehmen auch im Krankheitsfall die zuständigen Gesundheitsämter sowie die Hotlines unter 0331 866-5050 und 116 117 die Beratung. Dort erhalten Sie auch Antwort auf die Frage, an welche Praxis oder Amtsarztstelle Sie sich wenden können, falls ihr gewohnter Hausarzt eine Untersuchung bei Covid-19-Verdacht - aus welchen Gründen auch immer - ablehnen sollte.