Viele Kerzen im Vordergrund, im Hintergrund eine Frau, die sich eine der Kerzen genauer ansieht (Quelle: dpa)
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Fr 13.11.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minute - Kerzen: wächserne Vorgaben

Forderungen nach weniger Palmöl in Kerzen

Je später das Jahr, desto mehr Kerzen. Die Warenhäuser, Drogerien und Supermärkte sind derzeit voll davon - schön drapiert, damit jeder Kunde auch weiß, dass jetzt nur noch Kerzenlicht hilft, wenn es mit der restlichen Weihnachtsstimmung schon nicht so recht klappen will ...
 
Aber: Kerze ist nicht gleich Kerze. Und heimelig-kuschelig sind die meisten der Wachserzeugnisse auch nicht. Eher umweltschädlich bis ungesund. Denn in vielen Kerzen ist Palmöl, und dessen Anbau ist oft verantwortlich für Brandrodung und Raubbau in den Regenwäldern Südostasiens, so die Deutsche Umwelthilfe (DUH).
 
Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation legt deshalb einen ersten Kerzencheck vor. In dem Check prüft die DUH, ob Unternehmen den Einsatz von Palmöl in Kerzen transparent
machen und ob sie nachhaltig zertifiziertes Palmöl nutzen. Das wichtigste Ergebnis: Für Verbraucher ist es fast unmöglich, zu erkennen, ob in Kerzen Palmöl aus Regenwaldzerstörung enthalten ist.

Bericht zeigt: Ziel verfehlt

Hersteller und Händler sind nicht verpflichtet, die Herkunft des verwendeten Palmöls auszuweisen. Doch der Bund will den deutschen Markt eigentlich bis 2020 von nicht-zertifiziertem Palmöl befreien. Die Strategie der Bundesregierung, hier auf Freiwilligkeit zu setzen, sei allerdings "gescheitert", so die DUH. Das Ziel der Bundesregierung von 100 Prozent nachhaltigem Palmöl in Deutschland "wird mit rund 30 Prozent weit verfehlt", heißt es in dem Bericht.
 
So machen etwa zahlreiche große Händler - darunter Hornbach, Roller oder Nanu Nana - keine öffentlichen Angaben zum Einsatz von Palmöl in ihren Kerzen.

Die konkreten Ergebnisse:

• 21 von 52 der untersuchten Unternehmen haben nicht veröffentlicht, ob in ihren Kerzen Palmöl enthalten ist oder ob das verwendete Palmöl aus nachhaltig zertifiziertem Anbau stammt.
 
• Darunter vor allem ein Großteil der untersuchten Möbelhäuser, Deko-Anbieter, Baumärkte und Großhändler. Positive Beispiele sind hingegen Ikea, dm oder Metro. Auch der Lebensmitteleinzelhandel schneidet laut DUH gut ab, intransparent bleibt nur die Supermarktkette Real.
 
• Insgesamt geben nur 15 der 52 untersuchten Unternehmen an, dass das von ihnen verwendete Palmöl ausschließlich aus nachhaltigem Anbau stammt. Drei weitere Unternehmen geben an, dass sie nachhaltiges Palmöl verwenden, allerdings nicht, zu wie viel Prozent.
 
• Kaum ein Unternehmen, das bereits nachhaltiges Palmöl in Kerzen verwendet, gibt dies jedoch auf dem Produktetikett mithilfe eines Nachhaltigkeitssiegels an.

Die Forderungen

Um ein Umdenken bei den Verbrauchern zu erzielen, braucht es Transparenz: Die Kunden müssen wissen, was sie kaufen. Daher fordert die DUH eine verpflichtende Deklaration direkt auf dem Produkt - wo ist Palmöl enthalten und welche Zertifizierung sorgt für Nachhaltigkeit? Außerdem sollte es laut DUH eine gesetzliche Verpflichtung für den Einsatz von ausschließlich nachhaltigem Palmöl geben - auf nationaler wie auch auf EU-Ebene.
 
Immerhin gibt es eine erste positive Folge des Kerzenchecks: Einige Kerzenanbieter haben auf Anfrage der DUH angekündigt, ihre Kunden ab 2021 besser informieren zu wollen.

Mehr zum Thema

Die Stiftung Warentest hat einen ausführlichen Testbericht zum Thema Kerzen kostenlos online gestellt. Zwar von 2016 - doch an der Situation hat sich bislang wenig geändert. Das bemängelt unter anderem auch die Verbraucherzentrale (VZ). Die VZ aus Hamburg hat daher eine Warenkunde online gestellt.