Anwalt in einem Gerichtsgebäude
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Mo 28.12.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Rechtsfälle: Es wird teurer

Zum 1. Januar 2021 steigen viele Anwalts- und Gerichtskosten.

Wer im kommenden Jahr vor Gericht geht oder einen Anwalt benötigt, muss mehr zahlen als bisher, denn am 1. Januar 2021 steigen einige Justizkosten - zum ersten Mal seit 2013. Ob die Rechtsschutzversicherer deswegen ihre Beiträge anpassen ist noch unklar, aber Versicherungsnehmer sollten sich darauf einstellen.

Die wichtigsten Änderungen für Verbraucher:

Die Kosten für einen Rechtsanwalt steigen ebenso wie die Gerichtsgebühren um zehn Prozent. Geht es um Sozialrechtliches – also etwa Pflege, Krankheit oder Arbeitslosigkeit – steigen die Rechtsanwaltskosten um 20 Prozent.
 
Zeugen und Schöffen profitieren ebenfalls von der Anhebung - Entschädigungen für diese werden ebenso um zehn Prozent angehoben, wie auch Honorare für Sachverständige oder Dolmetscher.

Geht es um eine Mietminderung, sinken die Kosten für Kläger in Zukunft. Bisher wurde der dreieinhalbfache Jahresbetrag der Mietminderung als Grundlage genommen, in Zukunft nur noch der einfache. Geht es also beispielsweise um eine Mietminderung von 100 Euro pro Monat, so lag der Streitwert bisher bei 4.200 Euro, in Zukunft liegt er bei nur noch 1.200 Euro.

Wird ein Anwalt außergerichtlich zur Beratung aufgesucht und es ergibt sich daraus auch eine gütliche Einigung, so kann der Anwalt zukünftig eine Einigungsgebühr in Rechnung stellen. Dadurch sollen die Gerichte entlastet und der Anreiz für eine außergerichtliche Einigung erhöht werden – unter anderem auch, weil dem Mandanten so die Gerichtskosten erspart bleiben.

Scheidung und Sorgerechtsstreite werden teurer

Bei Kindschaftssachen, also etwa um Umgangsrecht, Sorgerecht oder Vormundschaft, steigt der Regelverfahrenswert von 3.000 auf 4.000 Euro. Auf Basis des Verfahrenswertes werden Anwalts- und Gerichtskosten berechnet.
 
Ebenso steigen Gerichts- und Notarkosten bei allen anderen Familiensachen, darunter Scheidung oder Vaterschaftsklagen, mit der Ausnahme einfacher Grundbuch- und Nachlassangelegenheiten – die Kosten hier bleiben gleich.

Um die Schwelle für Rechtsberatung niedrig zu halten, bleibt die Beratungshilfegebühr bei 15 Euro. Diese kann, muss der Anwalt aber nicht, bei Beratung von einkommensschwachen Mandanten mit Beratungshilfeschein verlangen.