Ein Sparschwein zwischen zwei Ordnern zur Riester-Rente (Quelle: dpa)
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Do 03.12.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Riester: Gebühren fressen Rente auf

Neue Rechnung zeigt, wie teuer die Vorsorge ist

24 Prozent der eingezahlten Gelder gehen bei einer Riester-Rente mit 30 Sparjahren für Kosten drauf, also für Abschluss- und Vertriebskosten sowie laufende Verwaltungskosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung des Vereins "Finanzwende". Bei jeder dritten der berücksichtigten Policen liegt der Anteil für die Kosten bei 30 Prozent, in der Spitze sind es sogar 38 Prozent gewesen, so der Verbraucherverein.
 
Die mögliche effektive Rendite liegt laut Finanzwende am Ende bei durchschnittlich 1,6 Prozent - und damit "unterhalb der durchschnittlichen Inflationsrate der vergangenen 30 Jahre in Höhe von 1,8 Prozent".
 
Ausgewertet wurden für die Modellrechnung Daten von 65 verschiedenen Riester-Versicherungen, allerdings nur Verträge für Sparer ohne Kinder, mit 30 Jahren Laufzeit und 1.200 Euro jährlicher Einzahlung. Den Angaben zufolge bilde die Rechnung mit den 65 Versicherern einen Großteil des Marktes ab.

Kostenapparate werden bedient

Finanzwende kritisiert, dass diese Kosten viel zu hoch seien: "Am Ende fließt zu viel Geld in die Kostenapparate der Versicherer, für die Altersvorsorge bleibt oft zu wenig übrig", so Britta Langenberg, Vorsorgeexpertin bei Finanzwende.
 
Auch Verbraucherschützer hatten in der Vergangenheit die Kosten vieler Riester-Verträge bemängelt. Laut Finanzwende gibt es insgesamt 16,4 Millionen staatlich geförderte Riester-Verträge in Deutschland, 10,7 Millionen davon verwalten Versicherer.

Absage an die nächste Reform

Während sich die Versicherungswirtschaft für eine Reform der Riester-Rente ausspricht, sieht Finanzwende die Vorsorge auch dadurch nicht grundlegend verbessert. Das Riester-Konzept sei nach 18 Jahren und etlichen erfolglosen Reformversuchen nicht tragfähig.
 
"Wir plädieren für einen Systemwechsel zu einem staatlich organisierten Vorsorgeprodukt für alle, das sich im Kern am schwedischen Vorsorgefonds (siehe Infokasten) orientiert", erklärt Langenberg. Ihrer Meinung nach würden viele Menschen so tausende Euro mehr im Alter zur Verfügung stehen.

Über Finanzwende

Der Verein "Bürgerbewegung Finanzwende" arbeitet seit 2018 daran, die "bürgerfreundliche Finanzwelt" zu schaffen. Er tritt als verbrauchernahe Gegenstimme zur Finanzlobby auf. Ziele sind unter anderem, für ein stabiles Finanzsystem und ökologische Finanzmärkte einzutreten.