Ein TUI-Flugzeug fliegt am Himmel (Quelle: dpa)
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Do 03.12.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - TUI: volle Flughöhe mit Finanzspritze

Mit Staats-Milliarden durch die Coronakrise

Ui, ui, ui, TUI: Einer der größten Reiseanbieter der Welt bekommt im Kampf gegen den Corona-bedingten Totalausfall zum dritten Mal eine Finanzierungshilfe, darauf einigte sich der Vorstand mit Bund, privaten Investoren und Banken. 1,8 Milliarden Euro erhält das Unternehmen dank der neuerlichen Finanzspritze. Das Gesamtvolumen der Hilfen liegt damit mittlerweile bei 4,8 Milliarden Euro.
 
Laut den Beteiligten ist das neue Paket aufgrund der zunehmenden Reisebeschränkungen durch wieder ansteigende Infektionszahlen (im Spätsommer) und ein damit verbundenes kurzfristigeres Buchungsverhalten vieler Kunden notwendig geworden.

Das Mantra vom intakten Markt

Die Tourismusbranche ist neben Luftverkehr und Gastronomie besonders stark vom Nachfragerückgang in der Corona-Pandemie betroffen. Doch: "Die TUI war vor der Pandemie ein kerngesundes Unternehmen", so TUI-Vorstandschef Fritz Joussen. Der Markt sei intakt, die Nachfrage vorhanden. Seiner Ansicht nach ist klar: "Die Menschen wollen reisen, der Tourismus bleibt eine Wachstumsindustrie und ein wichtiger Wirtschaftszweig zur Stabilisierung des südlichen Euro-Raums."
 
Das Finanzpaket solle Sicherheit schaffen, um den Konzern strategisch und strukturell auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten. Mit den Maßnahmen sichere der Konzern außerdem die Liquidität für den Fall einer weiter anhaltenden Pandemie im kommenden Jahr.

Die Website von TUI (Quelle: tui.com)
TUI-Urteil für mehr Verbraucherschutz

Nahezu gleichzeitig mit der Meldung über die Staatshilfe, urteilte das Landgericht Hannover zu einem TUI-Fall. Das Gericht entschied nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (Vzbv), dass TUI Deutschland es Kunden auf seiner Webseite nicht unangemessen schwer machen darf, nach einer Corona-bedingten Reiseabsage Erstattungsansprüche geltend zu machen.
 
Corona-Informationen auf der Website des Unternehmens müssen dem Urteil zufolge den Hinweis enthalten, dass Kunden Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises haben - dieser darf nicht derart versteckt werden, dass er für User fast nicht auffindbar ist.
 
Der Vzbv hat nach eigenen Angaben seit April 2020 ein Dutzend Reiseveranstalter und Fluggesellschaften abgemahnt, weil sie ihre Kunden auf "unzulässige Weise" davon abhielten, ihr Recht auf Erstattung des Reisepreises einzufordern. Fünf weitere Verfahren wurden demnach durch die Abgabe von Unterlassungserklärungen der betroffenen Unternehmen abgeschlossen. Sechs Klagen seien noch vor Gericht anhängig. Vzbv-Vorstand Klaus Müller kritisierte, dass die Webseiten oft den Eindruck vermittelten, als hätten Kunden nur die Wahl zwischen einem Gutschein und einer Umbuchung. "Tatsächlich ist der Erstattungsanspruch nach dem Gesetz vorrangig."
 
TUI betonte nach dem Urteil, die Änderung auf der Webseite schon vorgenommen zu haben.