Jemand verpackt ein Paket, auf dem "Retoure" steht (Quelle: dpa)
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Fr 15.01.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Paketretouren: zwei Prozent weniger

Trotz Online-Boom sinken die Retourenzahlen 2020

Rauf, rauf, rauf - und nun endlich mal runter: Obwohl Onlinehändler in der Corona-Krise deutlich
mehr Bestellungen verschickt haben, kamen im Verhältnis deutlich weniger Pakete wieder zurück. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bamberg.
 
Deutschlandweit stieg die Zahl der online bestellten und versendeten Pakete 2020 im Schnitt um mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, dies ergab eine Schätzung nach Befragung von 103 Onlinehändlern. Klar, denn die meisten Läden müssen in der Corona-Krise dicht bleiben. Kleidung, Elektrogeräte und Einrichtung gibt es zeitweise fast nur noch online zu kaufen. "So bitter es ist, Corona war ein Glücksfall für mein (...) Unternehmen", wird ein Händler in der Studie zitiert.
 
Gleichzeitig sank die Retourenquote von 17,8 auf 15,9 Prozent. Von "signifikant niedrigen Retourenquoten" hätten Händler vor allem in den Bereichen Einrichtung und Mode profitiert. Die Studie zeigt, dass diese von März bis August 2020 13,76 Prozent mehr Pakete mit Mode als im Vorjahreszeitraum verschickten, aber 6,32 Prozent weniger Retouren zurückkamen.

Was lässt sich lernen?

Absolut gesehen bleibt die Zahl der Retouren natürlich immer noch hoch - 315 Millionen Pakete schickten die Kunden nach vorläufiger Schätzung in Deutschland vergangenes Jahr zurück, 2019 waren es noch 301 Millionen.
 
Aber interessant ist der Rückgang dennoch. Denn die Gründe, weshalb es zu weniger Retouren kam, geben Aufschluss darüber, wie in Zukunft daran gearbeitet werden kann, die Anzahl der zurückgeschickten Waren weiter zu verringern. Laut den Forschern hätten sich die Kunden vorab besser informiert und lediglich nach Bedarf bestellt. Zusätzlich wurden bei Mode-Bestellungen im Schnitt weniger Artikel gekauft. Und: Gerade ältere Kunden, die normalerweise lieber vor Ort einkauften, hätten außerdem selten ein Paket zurückgeschickt. "Wir nennen es die Entwicklung von "Möchte-ich-haben"- zu "Brauche-ich-jetzt"-Käufen", so Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel, zu den Entwicklungen.

Die großen Händler gewinnen

Vor allem größere Händler wie Otto oder Zalando berichten dabei von sinkenden Retouren, mittlere und kleine Unternehmen verzeichneten dagegen nach einer Umfrage des Händlerbundes im Lockdown etwas mehr Rücksendungen. Kunden, die zum ersten Mal im Internet einkauften und weniger zurücksendeten, würden eher bei bekannten Großhändlern bestellen, so die Erklärung der Bamberger Forscher. Außerdem hätten kleinere Unternehmen vielleicht mehr Probleme mit Lieferungen. "Lange Lieferzeiten sorgen für höhere Retourenquoten, das ist ein recht gut belegter Effekt", so der Leiter der Forschungsgruppe, Björn Asdecker.