Ein Mann sitzt vor seinem Laptop und hält sein Handy in der Hand. (Quelle: imago / westend61)
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Mo 25.01.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Homeoffice: Volle Kontrolle?

Was der Arbeitgeber darf - und was verboten ist

Zu Hause arbeiten, Kontakte zu vermeiden, Corona-Krise zu bewältigen! Das wird gerade sehr empfohlen. Aber so manch ein Arbeitgeber misstraut seinen Mitarbeitern und würde seine Leute im Homeoffice gern im Auge behalten, bezahlt wird schließlich die Arbeits- und nicht die Sofa-Zeit. Technisch ist das kein Problem: Diverse Software-Anbieter ermöglichen den Zugriff auf die Webcam, den Bildschirm und sogar die Tastaturanschläge des Arbeitnehmers. Aber ist Überwachung überhaupt erlaubt? Wenn ja, in welchen Fällen? Die Stiftung Warentest hat untersucht, was geht - und was nicht.

Darf der Arbeitgeber die Anmeldung am Netzwerk überwachen?

Ja. Aus diesen Informationen lässt sich lediglich ablesen, wann der Arbeitnehmer das Unternehmensnetzwerk nutzt. Es liegt also keine gezielte Überwachung des Angestellten vor. Es ist allerdings verboten, den Arbeitnehmer permanent zu überwachen, um seine Leistung zu kontrollieren.

Darf der Arbeitgeber E-Mails überwachen?

Es kommt drauf an. Der Arbeit­geber darf Einsicht in den geschäftlichen Schriftverkehr verlangen. Mehr Informationen darf er sich nur einholen, wenn es einen konkreten Straftatsverdacht gibt. Nur in diesem Fall ist eine heimliche Überwachung erlaubt.
 
Je nach Arbeitsvertrag darf ein Angestellter auch private E-Mails über seinen Dienst­account verschicken. Ist das der Fall, ist eine Über­wachung meist verboten.

Darf der Arbeitgeber den Browserverlauf überwachen?

Wenn der Arbeits­vertrag die private Internetnutzung verbietet, darf der Arbeit­geber den Browser­verlauf des Arbeitnehmers auswerten – auch heimlich und ohne seine Zustimmung. Dafür reicht der konkrete Verdacht, dass der Angestellte während seiner Arbeitszeit das Internet auch privat nutzt.
 
Selbst wenn die private Internetnut­zung erlaubt ist, darf das Unternehmen den Browser­verlauf auswerten, wenn es den konkreten Verdacht gibt, dass der Angestellte das Internet zu oft für private Zwecke nutzt. Die auf diese Weise gewonnenen Daten können beispielsweise in einem Kündigungs­prozess zu Lasten des Arbeitnehmers verwendet werden.

Darf der Arbeitgeber per Webcam überwachen?

Es kommt drauf an. Es gibt Programme, die die Überwachung des Arbeitnehmers per Webcam ermöglichen. Dies heimlich zu tun, ist nur erlaubt, wenn klare Kriterien erfüllt sind. Beispielsweise der konkrete Verdacht, dass der Angestellte Arbeitszeitbetrug begeht und die Webcam-Überwachung die einzige Möglichkeit ist, das zu beweisen. Ist das der Fall, ist die Über­wachung für eine zeitlich eng begrenzte Zeit in der Regel erlaubt. Grundlos den Arbeitnehmer per Webcam zu überwachen, ist in jedem Fall illegal.

Ist die Nutzung eines Keyloggers erlaubt?

Nein. Ein sogenannter Keylogger zeichnet Tastatureingaben und Mausbewegungen auf. Manche dieser Programme können auch regelmäßige Bildschirmfotos speichern und dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Keylogger dürfen nur verwendet werden, wenn ein "durch konkrete Tatsachen begründeter Verdacht einer Straftat" besteht. Das hat der Bundesgerichtshof 2017 entschieden. Eine Kündigung, die diese Daten als Grundlage nimmt, ist daher unwirksam.

Grundlose Überwachung verboten

Zusammenfassend gilt: Ein Arbeitgeber darf einen Angestellten nur überwachen, wenn es dafür konkrete Gründe gibt. Das gilt übrigens nicht nur für das Homeoffice, sondern auch für die Arbeit am Standort des Arbeitgebers.
 
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