Schweine eng aneinander stehend (Quelle: dpa)
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Di 05.01.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Schweinehaltung: Tierquälerei in Bio-Schlachthof?

Massive Vorwürfe gegen Neuruppiner Bio-Schlachtbetrieb

Ein Schlachtbetrieb in Neuruppin, der unter anderem die Biomarkt-Kette Bio Company beliefert, soll massiv gegen Tierschutzauflagen verstoßen haben. Nachdem Tierschützer der Organisation Tierschutzbüro bereits im vergangenen Herbst Anzeige erstattet hatten, hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin im November die Ermittlungen wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gegen Verantwortliche des Schlachthofs aufgenommen, wie nun bekannt wurde. Die Ermittlungen richten sich gegen Verantwortliche des Unternehmens, so Staatsanwältin Martina Baum.
 
Das Material der Tierschützer, das im August aufgenommen worden ist, müsse nun zunächst ausgewertet werden, berichtete die Neuruppiner Staatsanwältin. Die Ermittlungen würden voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen.

"Tiere leiden Höllenqualen"

Das Filmmaterial, das die Aktivisten nach eigenen Angaben in dem Betrieb aufgenommen haben, soll zeigen, wie Schweine im Betäubungsbereich getreten und zum Teil mit Harken geschlagen worden seien. Im Entblutungsbereich, wo der Kehlschnitt erfolgt, seien zahlreiche Tiere dokumentiert, die sich heftig bewegten. "Diese Tiere sind weder betäubt noch tot, sondern sie erleiden Höllenqualen", erklärte Jan Pfeifer vom Tierschutzbüro. Die Tierschützer betonten, der Fall in Neuruppin sei bereits der vierzehnte in den vergangenen Jahren, in dem Undercover-Bildmaterial Tierquälerei in deutschen Schlachthöfen aufzeige.

Kreisverwaltung zieht Konsequenzen

Die Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin hat das Filmmaterial durch das Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft bereits auswerten lassen. In einer Mitteilung hieß es, Amtstierärztin Simone Heiland habe bei der Sichtung des Videozusammenschnitts eine Vielzahl von Verstößen festgestellt: "Einerseits begegnen uns eine unglaubliche Rohheit und Gewalt gegenüber den Tieren in der Betäubungsbucht, andererseits die blanke Ignoranz und Teilnahmslosigkeit, gepaart mit groben Fehlern beim Blutentzug", so Heiland.
 
Die Kreisverwaltung hat schon Konsequenzen gezogen: Zwei Hauptakteuren des Films wurden umgehend die Sachkundebescheinigungen entzogen, sie dürfen ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben. Weitere Maßnahmen wie Strafanzeigen und Ordnungsverfügungen seien vorbereitet.

Schlachtbetrieb in Verteidigungshaltung

Die Geschäftsleitung des Schlachtbetriebs erklärte am Mittwoch, man habe "vor kurzem heimlich gedrehte Videoaufnahmen des Tierschutzbüros zur Kenntnis nehmen müssen". Die Aufnahmen zeigten, dass Mitarbeiter in dem Betrieb nicht entsprechend interner Vorschriften gearbeitet hätten. "Wir bedauern dies außerordentlich und sind noch heute schockiert über diese Aufnahmen." Die verantwortlichen Mitarbeiter seien entlassen und gegen sie Strafanzeigen gestellt worden.

Ministerium verspricht Aufklärung

Auch das Verbraucherschutzministerium Brandenburg hat sich mittlerweile eingeschaltet und eine vollständige Aufklärung angekündigt. Das Ministerium befinde sich dazu in Abstimmung mit dem zuständigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin, so Verbraucherschutzstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer. Die Video-Aufzeichnungen lägen dem Ministerium seit Dienstagabend vor, sagte Heyer-Stuffer: "Was auf den Aufnahmen zu sehen ist, ist unmenschlich, erschreckend und verstößt klar gegen das Tierschutzgesetz."

Bio Company beendet Zusammenarbeit

Gegenüber dem rbb hat sich auch die Bio Company zu den Vorwürfen gegen den Schlachtbetrieb geäußert: "Jegliche Misshandlung ist für uns absolut inakzeptabel", teilte Unternehmenssprecherin Imke Sturm am Mittwoch mit. Bei den von der Bio Company beauftragten und unangemeldeten Tierwohl-Kontrollen seien "derlei Praktiken nie offenkundig geworden". Doch nach Bekanntwerden der Vorfälle im Dezember sei die Belieferung der Märkte aus dem Neuruppiner Betrieb sofort gestoppt worden.
 
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben aber nachsteuern und künftig das höchstmögliche Maß an Überwachung vertraglich festlegen. "Dazu gehören noch strenger formulierte Forderungen zum Wohle des Tieres, sodass lückenloser kontrolliert werden kann", so Imke Sturm.