Eine Frau seht mit Mund-Nasen-Maske an einem Flughafen und telefoniert (Quelle: imago images/Addictive Stock)
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Mo 15.03.21 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Weltverbrauchertrag: Reisen in Corona-Zeiten

Verbraucherzentrale fordert Ende der Vorkasse

Das Jahr 2020 war für Verbraucherrechte kein einfaches. Besonders beim Thema Reisen zeigte sich, dass Unternehmen ihre Kunden oft alleine dastehen lassen. Deshalb steht der diesjährige Weltverbrauchertag, der jährlich am 15. März stattfindet, bei den deutschen Verbraucherzentralen ganz im Zeichen des Reisens während Corona. Dabei geht es vor allem um das Thema Vorkasse, denn noch immer müssen Flüge und Pauschalreisen hauptsächlich weit im Voraus bezahlt werden. Die Folgen dieser Praxis bekamen Thomas Cook-Kunden noch lange nach der Insolvenz im Herbst 2019 zu spüren.
 
Auch während der Pandemie wurde die Vorkasse zum Problem: So mussten Reisende, deren Flüge gestrichen wurden, teilweise monatelang auf eine Rückzahlung des Ticketpreises warten. Die Bundesregierung schlug der EU-Kommission vor einem Jahr sogar vor, eine Pflicht für das Akzeptieren eines Gutscheins statt Rückzahlung einzuführen - und scheiterte damit.

Kurze Chronologie zum Weltverbrauchertag

Der Weltverbrauchertag wird seit dem 15. März 1983 gefeiert. Verbraucherorganisationen nutzen den Tag seither, um an die Rechte von Verbraucherinnen und Verbraucher zu erinnern und auf Missstände aufmerksam zu machen.

Funfact: Der Ursprung des Weltverbrauchertages geht auf den ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy zurück. Der hatte in einer Rede am 15. März 1962 vor dem US-Kongress erstmals vier grundlegende Verbraucherrechte formuliert: das Recht auf Sicherheit und sichere Produkte, auf umfassende Information, auf freie Wahl und gehört zu werden. 1985 haben die Vereinten Nationen bei der Verabschiedung der "Guidelines für Consumer Protection" dann noch diese Rechte ergänzt: das Recht zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, auf Entschädigung, auf Verbraucherbildung und auf eine intakte Umwelt.

Vorkasse soll nicht mehr der Standard sein

Die Gutschein-Annahme-Pflicht kommt nicht, aber die Vorkasse ist weiterhin Praxis. Deshalb fordern die Verbraucherzentralen von der Bundesregierung, insbesondere der neuen nach der Bundestagswahl am 26. September, dass die Vorkasse abgeschafft oder zumindest reduziert wird. "Fluggesellschaften dürfen ihre Liquidität nicht mehr von Zahlungen per Vorkasse abhängig machen. Die nächste Bundesregierung muss festlegen, dass der Reisepreis frühestens bei Reiseantritt und der Flugpreis frühestens bei Flugantritt fällig ist", erklärt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Verbraucher haben ein Recht auf Rückzahlung

Reisende, deren Flug oder Pauschalreise Corona-bedingt gestrichen wurde, müssen ein Gutscheinangebot des Veranstalters übrigens nicht annehmen. Nur wenn Sie einer Gutschein-Lösung schriftlich zustimmen, ist das rechtens. Wie genau Sie an Ihr Geld zurückkommen, erklärt der Verbraucherzentrale Bundesverband für Flüge und für Pauschalreisen. Dort finden Sie auch Musterbriefe zur Forderung der Kostenerstattung.

Verbraucherrechte weltweit

Während sich die deutschen Verbraucherzentralen vorrangig dem Thema Reiserecht widmen, steht der Weltverbrauchertag bei der Dachorganisation der Verbraucherverbände Consumers International ganz im Zeichen des Umweltschutzes. 2021 heißt das Motto deshalb "Tackling Plastic Polution", zu Deutsch etwa: Die Plastikverschmutzung in Angriff nehmen.