Eine Frau mit einem Smartphone in der Hand (Quelle: Colourbox)
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Mo 22.03.21 | Beitrag | Lesedauer etwa 8 Minuten - Messenger-Apps: eine sehr große, drei kleine

Whats App und die drei wichtigsten Herausforderer Signal, Telegram und Threema

Neue Nutzungsbedingungen bei Whats App - und schon hat war die Nachfrage bei den Konkurrenten groß. Aber sind die alle so viel besser? SUPER.MARKT hat drei oft genannte Herausforder angesehen.

Whats App - die meistgenutzte Messenger-App in Deutschland

Whats App ist mit Abstand die meistgenutzte Social-Media-App in Deutschland: Fast 70 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren nutzen laut ARD/ZDF-Onlinestudie diesen Messenger täglich. Die weite Verbreitung ist neben einer einfachen Bedienung das Hauptargument für die Nutzung von Whats App, das zum US-amerikanischen Social-Media-Giganten Facebook gehört: Es ist fast jede und jeder über Whats App zu erreichen.
 
Kritik gibt es immer wieder am Datenschutz des Messengers. Die Chats bei Whats App sind zwar durch eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert, aber Facebook hat zu Beginn des Jahres die Nutzungsbedingungen geändert und die Formulierungen dort sind oftmals nicht eindeutig. So behält sich der Konzern das Recht vor, Daten auch zum Abgleich mit seinen anderen Diensten wie Instagram oder der Facebook-Plattform zu nutzen und mit Werbepartnern auszutauschen.
 
Europäische Datenschutzregelungen verhindern Datenaustausch
 
Allerdings: Die strenge europäische Datenschutzrichtlinie schiebt dieser Praxis hierzulande einen Riegel vor, jedoch bleibt bei vielen Nutzerinnen die Verunsicherung, ob man über die Plattform eines Konzerns mit solchen Ambitionen dennoch persönliche Informationen und vertrauliche Inhalte verschicken sollte. Bleiben diese tatsächlich ausschließlich auf Servern in Europa, wenn die internationalen Dienste des Konzerns in Zukunft immer enger miteinander verzahnt werden? Eine sichere Antwort auf diese Frage ist zurzeit nicht abschließend möglich.

Signal - die App, der Edward Snowden vertraut

Auch Signal ist ein US-Messengerdienst, der jedoch über eine Stiftung finanziert ist und keine kommerziell orientierten Werbezwecke verfolgt. Der Betreiber selbst hat keinerlei Zugriff auf die Nutzerdaten – diese Praxis wird "Zero-Knowledge-Prinzip" genannt. Zudem ist der komplette Quellcode des Dienstes offen einsehbar und erlaubt Fachleuten, seine Funktionen einzusehen und zu überprüfen. Das sorgt für eine grundsätzliche Transparenz.
 
Für die Nutzung von Signal ist die Angabe der eigenen Telefonnummer nötig, was einen Abstrich in Bezug auf die Anonymität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeuten kann. Kontoeinstellungen, Kontakte und andere Daten werden jedoch auf den Servern des Unternehmens verschlüsselt, sodass Nachrichten im Nachhinein nicht eindeutig zuweisbar sind. Dies soll vor allem Nutzer in repressiven politischen Systemen schützen und ihnen "glaubhafte Abstreitbarkeit" beim Informationsaustausch garantieren.
 
Nachrichten mit eingebautem Löschmodus
 
Signal bietet auch die Möglichkeit an, einzelne Nachrichten wieder verschwinden zu lassen, nachdem sie gelesen wurden. Dass diese unter Umständen aber abfotografiert werden können, lässt sich jedoch nicht verhindern.
 
Einer breiten Öffentlichkeit wurde die App bekannt, weil unter anderem der US-amerikanische Whistleblower und ehemalige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden sie nutzte. Und auch Tesla-Chef Elon Musk empfahl in einem seiner berühmten Tweets, auf Signal umzusteigen. Für den Alltagsgebrauch dürfte sicherlich eine Rolle spielen, ob und wie viele Nutzer aus dem eigenen Adressbuch diese App ebenfalls nutzen.

Telegram - der undurchsichtige Messenger

Telegram ist eine App von zwei russischen Entwicklern, die zwar einen relativ hohen Datenschutz-Standard verspricht, von der Firmenstruktur jedoch eher undurchsichtig ist. Nach Unternehmensstandorten in Russland folgten Berlin, London und Singapur. Derzeit befindet sich das Entwicklerteam, auf dessen Webseite kein Impressum angegeben wird, nach eigenen Angaben in Dubai.
 
Mit "Secret Chats" besonders sicher?
 
Um die Kommunikation bei Telegram nicht über eine Cloud laufen zu lassen, können Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogenannte "Secret-Chats" auswählen, die dann ausschließlich zwischen zwei Endgeräten stattfinden. Allerdings lässt sich diese Einstellung nicht leicht finden.
 
Für die Nutzung von Telegram muss man seine Telefonnummer und einen Vornamen angeben. Diese Daten werden ebenso, wie die eigenen Kontakte aus dem Adressbuch, gespeichert, wenn die Kontaktsynchronisation der App genutzt wird.
 
Positiv ist zu bewerten, dass man sich selbst eine ID vergeben kann und dann auch ausschließlich über diese für andere Nutzer erreichbar ist, ohne die eigene Telefonnummer zu kommunizieren. Auch Telegram bietet die Funktion der sich selbst zerstörenden Nachrichten. Diese muss allerdings vorher eingestellt werden. Wer weniger Wert auf Zurückhaltung als auf visuelle Selbstdarstellung legt, dem wird gefallen, dass bei Telegram mehrere Profilfotos zu einer persönlichen Story zusammengefügt werden können, die anderen Teilnehmern angezeigt wird.

Threema - sicherer Messenger aus der Schweiz

Der Instant-Messaging-Dienst Threema kommt aus der Schweiz - und die kostet einmalig. Wer sich die App herunterladen will, der muss derzeit 3,99 Euro zahlen. Dafür verspricht das Unternehmen mehr Sicherheit zu bieten als die Konkurrenz. Die Angabe der eigenen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ist lediglich optional. Jeder Teilnehmerin wird eine zufällig generierte Nutzer-ID zugewiesen, unter der er für andere Teilnehmer erreichbar ist.
 
Keine Speicherung von persönlichen Daten
 
Alle personenbezogenen Daten werden nach Unternehmensangaben nur anonymisiert verarbeitet und nicht auf den Threema-Servern gespeichert. Auch die Nachrichten werden ausschließlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt verschickt. Da sich die Server von Threema nach Unternehmensangaben ausschließlich in der Schweiz befinden, unterliegt die Firma dem strengen schweizerischen Bundesgesetz für den Datenschutz.
 
Zwar verzeichnete die App im Zuge der Abwanderung von WhatsApp-Nutzern Anfang des Jahres einen Zuwachs, dennoch sind die Nutzerzahlen bis dato vergleichsweise gering: Weltweit nutzen nur 9 Millionen Menschen diesen Messenger-Dienst.