Auto und Radfahrer bei Starkregen Unter den Linden (Quelle: IMAGO / Christian Spicker)
Bild: IMAGO / Christian Spicker

Di 18.05.21 | Dossier | Lesedauer etwa 6 Minuten - Starkregen: Kommt jetzt öfter

Wie hoch ist das Risiko? Was bringt eine Versicherung?

Gefühlt wird unser Wetter immer extremer - lange Trockenperioden, starke Gewitter, zu milde Winter und immer öfter auch heftiger Regen, vor allem im Sommer. Meteorologen nennen das Starkregen und auch sie bestätigen, dass sich das Wetter ändert. Dabei entstehen auch immer öfter Schäden an Gebäuden. Doch können wir uns dagegen versichern, sodass wir nicht wortwörtlich allein im Regen stehen?

Was ist Starkregen?

Von Starkregen spricht man dann, wenn es innerhalb kurzer Zeit sehr viel regnet - wenn es also schüttet oder "gießt wie aus Eimern". Genauer gesagt: Ab 15 Litern pro Quadratmeter und Stunde ist der Regen "stark". Claudia Salbert, Meteorologin und Wettermoderatorin beim rbb, erklärt uns, dass diese Phänomene vor allem im Sommer und bei Gewitter vorkommen, das typische schwül-warme Wetter mit viel Luftfeuchtigkeit. Diese ist für den Starkregen nötig. Aber auch im Frühling und Herbst sind solche Wetterlagen möglich.

Wie oft gibt es Starkregen?

In einem Forschungsprojekt des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) ging es unter anderem darum. Klimamodelle sagen voraus, dass wir uns in Deutschland auf mehr Wetterextreme wie Starkregen einstellen müssen.
 
"Solche Extremregen sind gefährlich, schwer vorhersagbar, oft kurz und kleinräumig. Ihre Zerstörungskraft ist immens. Hohe Schäden entstehen meist auf kleinerem Gebiet – in einzelnen Ortschaften oder Stadtquartieren", heißt es in der Studie. Dabei kann es jeden Ort in Deutschland treffen, die Wahrscheinlichkeit ist überall ähnlich. Bundesweit waren es mehr als 11.000 Starkregenereignisse zwischen 2002 und 2017.
 
In Berlin etwa gab es in diesem Zeitraum die zweitmeisten Schäden an Gebäuden durch Starkregen, auch wenn es weniger als halb so viele Ereignisse gab wie etwa in Thüringen. In Brandenburg gab es in etwa halb so viele Schäden wie in Berlin, Starkregen kamen hier etwas seltener vor. Am gefährlichsten sind übrigens im Durchschnitt dreistündige Starkregen - statistisch.

Wie versichere ich mich gegen Starkregen?

Starkregenversicherungen gibt es nicht separat, sie sind Teil einer Elementar- oder Naturschadenversicherung. Diese lassen sich zu einer Hausrat oder Wohngebäudeversicherung hinzubuchen. Übrigens sind Hagel- und Sturmschäden in der Wohngebäudeversicherung meist schon inkludiert.

Für wen sind Starkregenversicherungen?

Bei Elementarschadenversicherungen denken die meisten wohl an Hochwasser, Blitzeinschlag oder Sturm. Dabei sind Schäden durch Starkregen viel häufiger, wenn auch oft nicht so kostspielig.
 
Grundsätzlich unterscheidet man, ob man Mieter oder Hausbesitzer ist. Für Mieterinnen ist die Zubuchung zu einer Hausratversicherung geeignet. Kommt es durch Starkregen zu Schäden an Wohnungsinventar oder auch im Keller gelagerten Dingen wie etwa Fahrrädern oder anderem, kommt dann die Versicherung für den Schaden auf.
 
Hausbesitzerinnen buchen eine solche Versicherung bei der Wohngebäudeversicherung hinzu. In dem Fall werden Schäden am Haus selbst, wie etwa Wänden, abgedeckt.

Kann jeder eine solche Versicherung abschließen?

Gut zu wissen ist, dass 91 Prozent aller Häuser sehr gut zu versichern sind. Nur etwa ein Prozent in der sogenannten ZÜRS-Zone 4 dürften mit hohen Jahresbeiträgen oder etwaiger Ablehnung zu rechnen haben. ZÜRS steht für Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen und besagt, wie oft Schäden in der jeweiligen Zone vorkommen.
 
In diesen Zonen befinden sich etwa Häuser in Passau, direkt an der Donau, oder auch in Köln am Rhein - da, wo es regelmäßig zu Hochwasser kommt.
 
Auch Vorschäden können entscheidend sein, wobei es sich hier lohnt, mit dem Versicherer direkt Kontakt aufzunehmen. Gab es beispielsweise in den letzten fünf Jahren einen vollgelaufenen Keller, aber wurden in der Zwischenzeit etwa Fensterdichtungen erneuert oder eine Rückstausicherung eingebaut, so kann das Auswirkungen auf den Beitrag haben.

Wie teuer sind solche Versicherungen?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Ausschlaggebend ist hierbei auch maßgeblich die ZÜRS-Zone, in der sich Wohnung oder Haus befinden. Je öfter Schäden in der entsprechenden Lage vorkommen, umso teurer wird die Versicherung.
 
Eine Erdgeschosswohnung direkt an einem Fluss, der schon mal Hochwasser hatte, wird also deutlich teurer in der Versicherung als eine Wohnung im 2. Stock.

Wie finde ich heraus, ob Schäden in meiner Gegend vorkommen?

Der GdV stellt auf seiner Verbraucherseite "Die Versicherer" einen Naturgefahren-Check zur Verfügung. Über Eingabe der Postleitzahl kann man hier sehen, wie viele Schäden auftraten und wie hoch die Kosten bei den teuersten Schäden waren. Auch das Hochwasserrisiko wird eingeschätzt.

Welche Schäden können durch Starkregen auftreten?

Steht ein Haus an einem Hang, kann es im schlimmsten Fall unterspült werden und abrutschen. Häufiger allerdings sind Schäden durch eintretendes Wasser.
 
Kommt es trotz Rückstausicherung z.B. zum Volllaufen des Kellers oder schwimmt das Sofa weg, dann springt die Versicherung ein - insofern sie vorhanden ist.

Fahrradfahrer fährt durch den überschwemmten Gleimtunnel (Quelle: IMAGO / Seeliger)
Zahlt die Versicherung immer?

Jein. Es müssen bestimmte Dinge erfüllt sein.
 
Beispielsweise gilt eine solche Versicherung nicht, wenn der Balkon vollläuft, auch Terrassen sind nicht versichert. Auch Flachdächer fallen nicht darunter. Eine Überschwemmung wird nämlich definiert als "Überflutung von Grund und Boden".
 
Vergessen das Fenster zu schließen, auch wenn es nur gekippt ist? Auch in diesem Fall zahlt die Versicherung nicht.
 
Vermieter und Hausbesitzer müssen Rückstausicherungen regelmäßig testen und sicherstellen, dass Ventile oder ähnliche Systeme auch ordnungsgemäß funktionieren, nur dann wird auch versichert.