E-Zigarette und Liquid (Quelle: IMAGO / agefotostock)
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Mi 28.07.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - E-Zigaretten: Schad und Rauch

WHO: Besonders Jugendliche sind anfällig für die "coole" Werbung

Cool soll es klingen, das rauchen von E-Zigaretten. Die Flüssigkeiten heißen "Liquids", Läden sind "Manufakturen", und ach ja, es ist nicht einfach das Rauchen, sondern "Vaping". Wo das Image von Zigaretten eher sehr schlecht ist, kommen E-Zigaretten ins Spiel. Sauberer, schicker und weniger schädlich sollen sie sein. Aber der Schein trügt, warnt jetzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

WHO: Produkte zielen auf Kinder und Jugendliche ab

"Gummibärchen", "Zuckerwatte", "Vanille", "Erdbeere" - liest sich wie eine Liste von Eissorten, aber solche und andere verlockenden und harmlos klingenden Geschmacksnoten gibt es unter den sogenannten E-Liquids, also den Flüssigkeiten, die in Verdampfer und E-Zigaretten kommen.
 
Die vermeintliche Harmlosigkeit ist es auch, die die kleinen Geräte so interessant macht. E-Zigaretten - nach WHO-Definition Geräte, in denen Flüssigkeiten erhitzt werden - und andere elektronische Geräte zum Konsum des Suchtmittels Nikotin, werden dadurch direkt an Kinder und Jugendliche vermarktet. Die minderjährigen Nutzer griffen später zwei- bis dreimal häufiger zur herkömmlichen Zigarette als andere Jugendliche, heißt es im achten Bericht über die Tabak-Epidemie, den die WHO am Dienstag veröffentlichte.

Dampf schädigt Lunge

Auch der Konsum an sich ist laut WHO bei Weitem nicht so harmlos, wie oft angepriesen wird. In einigen Liquids sei doppelt so viel Nikotin wie in einer herkömmlichen Zigarette, in anderen, als nikotinfrei deklarierten Produkten befinde sich das Suchtmittel trotzdem, sagt WHO-Tabak-Experte Rüdiger Krech.
 
Die Langzeitfolgen sind zwar noch nicht komplett erforscht, in ersten Studien wurden aber bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hoher Blutdruck und auch Lungenprobleme nachgewiesen. Auch nikotinfreier Dampf schädigt die Lungen und macht sie anfälliger, wie eine Studie in den USA schon im Jahr 2019 belegt hatte.

Rauchverbote würden umgangen

Mit den kleinen Geräten versuche die Tabak-Industrie das Rauchen wieder "salonfähig" zu machen. "Das ist nur eine Methode, wie die Industrie die Tabak-Kontrollmaßnahmen unterläuft." so Krech. Die WHO warnt vor Avancen der Hersteller, die versuchen, für ihre Produkte Ausnahmen von lang etablierten Rauchverboten etwa in Innenräumen zu erreichen.
 
In der EU werden nach Angaben der WHO tausende verschiedene Marken von E-Zigaretten- und -Liquids verkauft und der Umsatz steigt stetig. Allein Zwischen 2014 und 2019 ist dieser weltweit von 2,8 Millarden Dollar auf 15 Milliarden Dollar gestiegen.