Verschieden Milchalternativen (Quelle: IMAGO / Westend61)
Bild: IMAGO / Westend61

Mi 14.07.21 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Milchalternativen: die große Unübersichtlichkeit

Sind Soja, Hafer & Co. besser für Natur und Umwelt?

Hafermilch, Sojadrink, Barista-Reisdrink - für viele sind pflanzliche Milchalternativen nicht mehr aus dem Kühlschrank wegzudenken. Umweltschonender sollen sie sein, und besser für Mensch und Tier. Aber die Auswahl ist groß und mit Informationen wird oft gegeizt. Die Verbraucherzentrale NRW hat in eimem bundesweiten Marktcheck nun 71 Milchersatzprodukte getestet und kommt zu einem uneinheitlichen Ergebnis.

Auf die Details kommt es an

Denn nicht jede Alternative zur Kuhmilch ist gleich - sowohl was die Nährwerte, aber auch die Umweltfreundlichkeit angeht und nicht zuletzt auch durch die Inhaltsstoffe. Auch wo "natürlich" oder "ohne Zuckerzusatz" draufsteht, können nämlich Aromastoffe und Zucker drin sein. Der Teufel steckt also wieder im Detail.
 
Die Verbraucherzentrale bemängelt diese Unübersichtlichkeit und auch den Umgang mit lebensmittelrechtlich nicht geschützten Begriffen wie "Natur", "Naturell" oder auch "Natural". Auch die Beigabe von Zucker, Aromen oder Zusatzstoffen ist bei diesen Produkten nicht ausgeschlossen. "Werbeaussagen, Siegel, Bilder, "frei von"-Kennzeichnungen, Legenden, verschiedene Sprachen, Farben und Formen erschwerten die Orientierung." So lautet das Fazit, wenn es um die Verpackung geht. Aber was steckt nun eigentlich wirklich drin?

Teuer und süß?

Was Kuhmilch von Hause aus mitbringt - nämlich einen hohen Calciumgehalt - haben die Alternativen nicht. Wer also teils oder komplett umsteigt, sollte bei pflanzlichen Ersatzprodukten zu solchen mit zugesetztem Calcium greifen. Milch und Milchprodukte sind wichtige Calciumquellen, verschwinden diese aus der täglichen Ernährung, kann es zu Calciummangel kommen.
 
Auch bei anderen Nährstoffen sind die Unterschiede je nach Basiszutat erheblich. Zwischen 12 bis über 60 kcal pro 100g haben die Drinks beispielsweise, auch Zucker- und Fettgehalt unterscheiden sind teils eklatant. Zwischen 0 und 7,1 Gramm Zucker pro 100 Gramm hatten die Drinks, Werbeaussagen wie "ohne Zuckerzusatz" können hier schnell in die Irre führen. Eine Übersicht der Werte aller getesteten Produkte gibt es hier, ein Blick lohnt sich, um nicht in eine Kalorienfalle zu laufen.
 
Bei sogenannten "Barista"-Produkten sind Fett- und Proteingehalt höher, um guten Schaum zu erzeugen, und auch der Preis ist hier nochmal höher als bei den im Vergleich zu Kuhmilch eh schon teureren Alternativen. Zwischen 0,95 Euro und 2,99 Euro kosten die Alternativen und sind somit im Durchschnitt teurer als Kuhmilch.

Gut für Kuh und Umwelt?

Klar, eine Kuh muss hier nicht gemolken werden, aber ganz sauber ist die Sache mit den Milchalternativen trotzdem nicht. Pro Liter liegen die Drinks bei einem Viertel bis zu einer Hälfte der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Kuhmilch - ja, auch die Kokosmilch, die aus den Tropen kommt. Wie genau der CO2-Fußabdruck der Produkte aber aussieht, mit dieser Info geizen viele Hersteller, bemängelt auch die Verbraucherzentrale.
 
Ebenso spärlich bzw. missverständlich sind die Informationen zur Herkunft der Inhaltsstoffe. Immerhin: Bei 8 der 21 von der Verbraucherzentrale untersuchten Haferdrinks stammte der Hafer sogar aus Deutschland. Bei Soja und Mandel bedeute "regional" eher "aus Europa".

Doch nicht nur Tierschutz und Regionalität sind Faktoren. Auch die Wasserbilanz der Produkte ist einen Blick wert. Mandeln kommen beispielsweise aus oft wasserarmen gebieten wie Kalifornien, welches regelmäßig mit Dürren zu kämpfen hat. Die Wasserbilanz kann hierbei schlechter als die von Kuhmilch ausfallen.

Es gibt noch viel zu tun

Damit in Zukunft mehr Klarheit herrscht, stellt die Verbraucherzentrale diverse Forderungen an die Hersteller, darunter weniger Werbetext und mehr Information, u.a. auch zur Herkunft der einzelnen Rohstoffe.
 
Wer sich wirklich sicher sein will, mit der Milchalternative auch zu einer guten Alternative zu greifen, sollte Verpackung und ggf. auch Herstellerseite gut studieren - unter Umständen eine mühselige Angelegenheit.
 
Nicht jeder Pflanzendrink ist gleich, ebenso wie es bei Kuhmilch große Unterschiede gibt. Für beide gilt jedoch: Wer weiß, wo's herkommt und was wirklich drin ist, macht im Grunde nichts falsch. Und falls Sie Ihre Milch von Bauer Ralf im Nachbardorf holen und Kuh Berta auch schon mal auf der Weide streicheln, dann machen Sie das ruhig weiter. Hafer ist einfach nicht so flauschig - und weiß die Streicheleinheiten wahrscheinlich auch nicht zu schätzen.