Kaffeebohnen (Quelle: IMAGO / ZUMA Wire)
Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Di 10.08.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Kaffee: teure Bohnen

Pandemie und Klima machen Kaffee teurer

Egal, ob kräftiger Americano, schaumiger Cappuccino oder hipper Iced Latte, Kaffee ist für viele aus dem Alltag nicht wegzudenken. In Maßen genossen hilft er der Verdauung oder gibt uns am Morgen ein Koffeinkick. Aber bald wird der Genuss teurer - Klimawandel, Corona-Pandemie und andere Faktoren sorgen dafür, dass wir demnächst vor allem beim Kauf im Supermarkt mehr zahlen müssen.

Zu kalt, zu trocken

Der Grund für den Preisanstieg bei Kaffee: Ernte-Ausfälle im wichtigen Exportland Brasilien. Dort geht's den Kaffeepflanzen ziemlich mies. Erst kam die schlimmste Dürre seit über 90 Jahren in Brasilien. Und dann kam die Kälte. Brasilien wird derzeit von einer Kälte-Welle heimgesucht, deren genaues Ausmaß sich noch nicht abschätzen lässt. Kaffeebäume erholen sich nach solchen extremen Wetterverhältnissen nur sehr langsam, neue Bäume brauchen mindestens sieben Jahre, um so viele Bohnen zu produzieren, wie es die Bäume zuvor taten.
 
Dadurch gibt es Preissteigerungen insbesondere bei Arabica und Robusta-Kaffee, welche am Ende an die Kundinnen und Kunden im Supermarkt weitergegeben werden.

Transportkapazitäten fehlen

Doch auch wenn es die Bohne schafft, ist der Transport nach Europa schwierig. Eingeschränkte Transport-Kapazitäten aufgrund der Corona-Pandemie sorgen für höhere Kosten. Der Rohstoffpreis alleine könnte zwar durch Termingeschäfte kompensiert werden, das sei aber bei Transportkosten nicht möglich, so Mark Schneider, Chef des Lebensmittelkonzern Nestlé. Internationale Lieferketten funktionieren nicht mehr so wie vor der Pandemie, es mangelt an Containern, und ergattern Hersteller einen solchen, gibt es keinen Platz auf den Frachtern.

Nicht nur teurer, auch schlechter

30 Prozent der weltweiten Kaffee-Exporte kommen aus Brasilien, doch nicht nur hier wird es in Zukunft unzuverlässigere Ernten und dadurch höhere Endpreise geben. In ganz Südamerika erwarten Klimaexperten ähnliche Situationen, darunter auch Kolumbien, Honduras, Mexiko und Peru, ebenfalls beliebte Kaffeeanbauländer.
 
Und: Kaffee würde damit nicht nur teurer, sondern die Qualität auch schlechter, so Christian Bunn, Agrarökonom am Internationalen Zentrum für Tropische Agrarforschung im kolumbianischen Cali und an der Universität Göttingen, gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Wächst die Bohne nicht im gewohnten tropischen Klima oder ist großer Dürre ausgesetzt, verliert sie an Qualität.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn Sie jetzt überlegen, auf Tee oder Kakao umzusteigen, dann gibt's noch mehr schlechte Nachrichten: Effekte wie beim Kaffee werden auch hier erwartet, da Tee und Kakaobohnen ähnlich unter den Wetterextremen leiden wie Kaffee. Bleibt nur die Pfefferminze vom eigenen Balkon.