Die Apps Katwarn und Nina auf einem Smartphone (Quelle: picture alliance / Flashpic / Jens Krick)
Bild: picture alliance / Flashpic / Jens Krick

Di 10.08.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 2 Minuten - Katastrophen: Diese Apps warnen

Katwarn, Nina - welche soll es sein?

Die Überflutungen im Juli haben das Interesse an Warn-Apps hochschnellen lassen - viele Verbraucher sind durch Starkregen, Stürme, aber auch Explosionen wie vor kurzem in Leverkusen verunsichert und wollen sich besser absichern. Das geht - natürlich nur in Teilen - mit Warn-Apps, die im Falle eines Falles die wichtigsten Infos liefern sollen.
 
Stiftung Warentest hat aktuell die wichtigsten Apps genauer untersucht und kommt leider zu dem Schluss, dass alle Applikationen auf dem iPhone eine Lücke haben. Außerdem kann es im Ernstfall zu wenig sein, nur eine App installiert zu haben.

"Nicht stören" = "nicht warnen"?

Das Problem: iPhone-Nutzerinnen und Nutzer werden derzeit von keiner App gewarnt, wenn das Smartphone im "Nicht stören"-Modus ist. Das ist an dieser Stelle kein technisches Problem, sondern ein - sagen wir - kommunikatives. Die Entwickler der Apps müssten eine Funktion namens "Critical Alerts" bei Apple beantragen. Aber weder Nina, noch Katwarn, Biwapp, Warnwetter und "Meine Pegel" haben die Critical-Alerts-Funktion für iPhones bislang integriert.
 
Das Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe teilte gegenüber Stiftung Warentest mit, die nächste Version der iPhone-Fassung von Nina solle die Critical-Alerts-Funk­tion enthalten. Auch Biwapp will die Funktion beim nächsten Update einbauen. Für die App Warnwetter ist eine Prüfung der Funktion geplant - lediglich die Anbieter von Katwarn haben die Integration der Critical Alerts bislang nicht geplant, so hieß es gegenüber Warentest.
 
Unter Android gibt es die Lücke nicht.

Die einzelnen Apps

Die App Nina wird vom Bundes­amt für Bevölkerungs­schutz und Katastrophen­hilfe angeboten. Dieses ermöglicht es, dass Land­kreise, kreisfreie Städte, Behörden und Hilfs­organisationen Warnmeldungen über das Nina-System verschi­cken können. Neben den eigenen Warnungen sollen mit Nina - so die Theorie - auch Warnungen von Biwapp und Katwarn eingehen. Außerdem werden auch Wettermeldungen des Deutschen Wetter­dienstes und Hoch­wasser­meldungen der Bundes­länder angezeigt. Die App wird laut Bundesamt von zehn Millionen Menschen genutzt.
 
Katwarn wurde von der Versicherungs­wirt­schaft in Auftrag gegeben. Städte und Landkreise können - so sie mit der App arbeiten - Nachrichten rausschicken, darunter Warnungen, aber etwa auch Meldungen über Schulschließungen. Zusätzlich gibt es Angebote für Meldungen regionaler Ereignisse, die keinen Warncharakter haben. Katwarn soll zudem die Meldungen der Nina-App enthalten. Rund 3,8 Millionen Nutzer sollen die App installiert haben.
 
Meine Pegel bringt die neuesten Pegelstände aufs Smartphone, und das lokal umgrenzt. User können dabei wählen, über welche Pegelstände sie auf dem Laufenden gehalten werden wollen, je nach Region kann es dabei zu besonders detailreichen oder auch detailärmeren Angaben kommen. Anbieter ist Hochwasserzentralen.de, das länderübergreifende Hochwasserportal.
 
Warnwetter vom Deutschen Wetterdienst informiert über Stark­regen, Orkane und Sturm­fluten, aber etwa auch über Wald­brand- und Lawinengefahr. Neben den Warnungen gibt es auch stundengenaue Wetter­vorhersagen.
 
Biwapp bietet Kommunen nach Lizensierung die Möglich­keit, Meldungen an die Bevölkerung zu verschi­cken. Dabei geht es weniger um Katastrophenwarnungen, als um Hinweise zu Schulschließungen, Straßensperren oder Fahndungen. Die Nina-Warnungen sollen hier allerdings auch einlaufen.

Doppelt gemoppelt warnt besser

In der Theorie sollen sich die Apps - wie oben angedeutet - ergänzen: Es gibt Verträge zwischen Katwarn und Nina sowie Biwapp und Nina, die regeln, dass Warnungen jeweils in beide Richtungen ausgetauscht werden. Wer die Nina-App installiert hat, sollte also alle Warnungen erhalten. Aber - das ist anscheinend nicht der Fall. Zumindest sei es bei der Flutkatastrophe im Juli im Landkreis Ahrweiler teilweise nicht zu Warnungen gekommen, die eigentlich hätten kommen müssen, heißt es. Das Fazit von Stiftung Warentest: User sollten aktuell lieber mindestens eine weitere App installieren - unter der Voraussetzung, dass diese Warn-Apps von den örtlichen Kommunen genutzt werden.

Alternative zur App

Deutschlands Warnsysteme hinken hinterher. Das hat die Bundesregierung während der Überflutungen im Westen Deutschlands erkannt. Für die Zukunft soll daher in ein neues Handy-Warnsystem investiert werden, das sogenannte "Cell Broadcast".

 

Cell Broadcast verschickt dabei nicht Warnungen an einzelne Empfänger, wie es etwa per SMS funktioniert, sondern erreicht alle angeschalteten Handys innerhalb einer Funkzelle. Eine öffentliche Stelle soll dies dann veranlassen können. Der große Vorteil: Es muss keine Telefonnummer irgendwo registriert sein. Das System funktioniert also anonym und datenschutzkonform. Der Bund erhofft sich so, mehr Menschen im Falle eines Falles erreichen zu können. Auch gut: Gerade ältere Menschen nutzen selten Warn-Apps, diese würde man - bei eingeschaltetem Handy - aber über das Cel Broadcast-System erreichen. Zusätzlich schafft es die Cell Broadcast-Warnung auch in einem überlasteten Netz, die Handys zu erreichen. Erst wenn das Mobilfunknetz komplett zusammenbricht, ist auch Cell Broadcast am Ende.

 

Die Installation des neues Systems sowie der laufende Betrieb werden teuer: Zum einen sollen bei den Providern etwa 20 Millionen Euro anfallen, um die notwendigen Arbeiten im Kernnetz vorzunehmen. Außerdem müssen die technischen Schnittstellen zu den Behörden eingerichtet werden. Die jährlichen laufenden Kosten sollen, Schätzungen zufolge, bei etwa zehn Millionen Euro liegen.