Plakat an einem Balkon in Neukölln (Quelle: IMAGO / Bildgehege)
Bild: IMAGO / Bildgehege

Mi 04.08.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Miete: immer mehr für weniger

Die Mieten steigen weiter, besonders in Großstädten

1-Zimmer-Wohnung, außerhalb des S-Bahn-Rings, nicht saniert, kein Balkon, 1.000 Euro kalt. In Berlin ist das nicht mehr selten. Auch in anderen Großstädten wird das Wohnen fast unbezahlbar. Wer halbwegs schön, zentral und am besten noch in mehr als einer Besenkammer wohnen möchte, muss nicht selten einen Großteil seines Gehalts in die Monatsmiete investieren. Eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin zeigt nun aber, wie prekär die Lage für viele Mieterinnen und Mieter bereits ist - und die Mieten steigen weiter.

Über eine Million Haushalte unter dem Existenzminimum

13 Prozent aller Haushalte, die in einer Großstadt zur Miete leben, sind in einer wirtschaftlich prekären Lage, heißt es in der Studie, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde. In absoluten Zahlen sind das über eine Million Haushalte oder rund zwei Millionen Menschen.
 
Insbesondere Alleinerziehende sind betroffen - über ein Viertel bleibt nach der Miete weniger als der im Arbeitslosengesetz festgelegte Regelbedarf. "Die Wohnverhältnisse sind nicht nur Ausdruck, sondern selbst Faktor der sozialen Ungleichheit in unseren Städten. Die ohnehin schon bestehende Einkommenspolarisierung wird durch die Mietzahlung verstärkt", urteilten die Forscher.

Besonders Ärmere betroffen

Mieterhaushalte der höchsten Einkommensklasse haben vor Abzug von Warmmiete und Nebenkosten durchschnittlich 4,4 Mal so viel monatliches Nettoeinkommen wie die Haushalte
der niedrigsten Klasse. Nach Abzug der Bruttowarmmiete ist der Faktor sogar 6,7. Ärmere Haushalte wohnen schlechter auf weniger Platz, müssen aber im Verhältnis einen viel höheren Anteil des Einkommens zahlen, so die Forscher.
 
Mieterinnen und Mieter mit niedrigen Haushaltseinkommen haben im Durchschnitt nur 38 Quadratmeter, 13 Quadratmeter weniger als Menschen mit hohem Einkommen.

Zahlen des Statistischen Bundesamts hatten schon 2019 eine ähnliche Situation gezeigt. Danach gab es 11,4 Millionen Personen, 14 Prozent der Gesamtbevölkerung, welche durch hohe Wohnkosten finanziell überlastet waren, d.h. über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für Miete aufgewendet haben.

Berlin an der teuren Spitze

Und: Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Ein 5-Jahresvergleich der Angebotsmieten in 80 deutschen Großstädten der Immobilien-Plattform Immowelt zeigt, dass sich die Mieten in allen Großstädten verteuert. In Berlin stiegen diese allein zwischen 2016 und 2021 um 42 Prozent, wobei Nachholeffekte durch das Mietendeckel-Aus noch hinzukommen könnten. Lag der Durchschnitt der Angebotsmieten 2016 noch bei neun Euro pro Quadratmeter, liegt dieser jetzt bei 12,80 Euro, wobei sowohl Alt- als auch Neubauten betroffen sind und alle Wohnungen, von der kleinen Einzimmerwohnung bis zum Loft.
 
In anderen Teilen Deutschlands sieht es nicht anders aus. In den eh schon sehr teuren Städten München und Frankfurt lag der Anstieg bei 24 bzw. 16 Prozent, auch in kleineren Städten wie Heilbronn oder Offenbach wird es immer teurer.