Symbolbild, Kredite. Quelle: picture alliance/CHROMORANGE / Ernst Weingartner
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Fr 10.09.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 2 Minuten - Kreditverträge: nie mehr kompliziert!

EuGH- Urteil stärkt Verbraucher-Rechte

Verträge schnell und vor allem richtig verstehen - das ist schon eine Kunst. Seitenweise verklausulierte Formulierungen kosten nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Damit soll nun endgültig Schluss sein! Denn ein neues Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Kreditverträgen besagt: Klar und verständlich müssen Vertragsinhalte formuliert sein. Sind sie das nicht, kann ein Vertrag auch noch Jahre später widerrufen werden.

Alle privaten Verbraucherdarlehen betroffen

Zu kompliziert und unverständlich sind also die bislang verwendeten Klauseln der Banken - und damit europarechtswidrig. Und auch wenn es im konkreten Fall vor Gericht um das Kleingedruckte in Autokreditverträgen der VW-Bank, der Skoda-Bank und der BMW-Bank ging, betrifft das Urteil nahezu alle privaten Verbraucherdarlehen - Immobilienkredite ausgenommen.

Alte Verträge widerrufen

Nach Einschätzung von Christoph Herrmann von der Stiftung Warentest hilft das Urteil vielen Schuldnerinnen und Schuldnern weiter. "Die meisten von ihnen können jetzt ihre alten Kreditverträge widerrufen, auch wenn seit Vertragsabschluss schon viele Jahre vergangen sind", so Hermann. Dadurch könne zum Beispiel die Restschuld sinken, was unter anderem daran liege, dass Entgelte oder auch Verzugszinsen wegfielen.
 
Auch wenn Kunden einen neuen Darlehensvertrag abschließen wollen, um von den zurzeit niedrigen Zinsen zu profitieren, ist das Urteil von Vorteil, so Rechtsanwalt Christian Solmecke. Aus Sicht der Stiftung Warentest korrigiert der EuGH - erfreulicherweise - "zuletzt oft verbraucherunfreundliche Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Bank- und Kapitalmarktrecht".
 
Die Banken reagieren vorerst gelassen und wollen nun erst einmal die Auswirkungen prüfen und abwarten, wie der BGH damit umgeht.

Beraten lassen!

Alle, die jetzt darüber nachdenken, aus ihren Krediten auszusteigen, sollten erst einmal genau prüfen, ob es wirklich Geld zurückgibt. Im Zweifel sollten Sie eine Verbraucherberatung in Anspruch nehmen, um eine zweite Meinung einzuholen.