Rasthof- und Autohof-Schilder an Autobahn (Quelle: IMAGO / Jürgen Ritter / IMAGO / Becker&Bredel)
Bild: IMAGO / Jürgen Ritter / IMAGO / Becker&Bredel

Di 12.10.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Rasten: Auf'm Hof ist's billiger

ADAC hat Preise an 70 Raststätten und Autohöfen verglichen

Es fährt sich grad so schön - jetzt extra von der Autobahn runter, nur um zu tanken? Kilometerweit durch die Provinz? Ach ... ja! Genau das sollten Sie tun, zumindest wenn Sie ein Sparfuchs sind. Die aktuelle Preisanalyse des ADAC (externer Link) zeigt nämlich, dass der Liter Benzin oder Diesel im Schnitt an den Autobahntankstellen 26 Cent teurer ist als an Tankstellen im Hinterland. Oder sonstwo, zum Beispiel auch am Autohof einige Meter weiter - nur eben nicht direkt an der Autobahntankstelle.

Desinfektion oder Schnitzel - alles teurer an der Raststätte

Generell sind Produkte an Raststätten laut dieser Untersuchung im Schnitt teurer als an Autohöfen, die weiter abseits von Autobahnen liegen. 13 von 14 getesteten Produkten waren im Schnitt an Raststätten teurer, teilte der Automobilclub am Dienstag mit. Für belegte Brötchen, süß gefüllte Croissants oder eine Flasche Cola mussten die Tester im Schnitt etwa ein Drittel mehr bezahlen.
 
Für einen halben Liter Wasser verlangten Raststätten 51 Prozent mehr als Autohöfe. Vor allem bei Handdesinfektionsmitteln war die Preisspanne groß: Das günstigste kostete 50 Cent, das teuerste 5,99 Euro. Alle Produkte hatten die gleiche Menge. Beim Schnitzel lag die Preisspanne zwischen 5,20 Euro und 14,90 Euro.

Vegetarier haben kaum eine Wahl

Der ADAC testete im Juli zweimal jeweils 35 Raststätten und Autohöfe. Vegetarische Alternativen zum Schnitzel blieben bei beiden Tests Mangelware: In 20 beziehungsweise zehn Betrieben gab es keine vegetarische Alternative wie Nudeln mit Soße als Hauptgericht.
 
Für den Toilettenbesuch verlangten knapp die Hälfte der Autohöfe Geld: 31 Prozent orientierten sich am Sanifair-Konzept, bei dem 70 Cent für einen 50-Cent-Gutschein bezahlt werden müssen. 23 Prozent gaben einen gleichwertigen Gutschein aus.

Tanken an Autohöfen günstiger

Beim Tanken schnitten Autohöfe ebenfalls besser ab als Raststätten. Im Schnitt bezahlten Kunden 26 beziehungsweise 25 Cent weniger für den Liter Benzin oder Diesel. Im Einzelfall lag die Differenz bei bis zu 39 Cent.
 
Beim Preisvergleich wurden die Bedürfnisse einer vierköpfigen Familie betrachtet. Die Tester gingen von einem Stopp aus, bei dem getankt, gegessen, eingekauft und die Toilette benutzt wird. Untersucht wurden Betriebe an den Autobahnen A1 bis A9 sowie an der A24, A61, A81 und A93. 

Kritik des Betreibers vieler Raststätten an der Studie

Bereits 2019 hatte der ADAC eine solche Untersuchung durchgeführt. Damals äußerten sich auch die Unternehmen, die bei den Autobahnraststätten involviert sind. Danach kommen die großen Preisunterschiede offenbar durch die Betreiberstruktur von Autobahntankstellen und -raststätten zustande: Konzessionen werden per Versteigerung an den höchstbietenden Mineralölkonzern vergeben. Diese versuchen dann die hohen Kosten über entsprechende Spritpreise wieder herreinzuholen.
 
Tank und Rast, Betreiber der meisten deutschen Raststätten, wirft dem ADAC "signifikante methodische Schwächen" bei der Erhebung vor. So seien etwa die teils 20 Kilometer Entfernung zwischen den Raststätten und Autohöfen für einen Vergleich zu weit. Außerdem blende die Auswertung "das sich stark unterscheidende Leistungsspektrum von Autobahnraststätten und Autohöfen neben der Autobahn aus", kritisiert das Unternehmen. Schließlich hielten Autobahnraststätten ihr Angebot permanent aufrecht, erklärte Tank und Rast, "auch in umsatzschwachen Zeiten wie in der Nacht", während Autohöfe dann schließen könnten.