Schlechte Online-Bewertung eines Shops (Quelle: picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke)
Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke

Fr 26.11.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 7 Minuten - Weihnachten: Vorsicht vor dem Fake

Das sind die Fallen beim Geschenkeshopping im Netz

Geschenkeshopping. Na, versetzt Sie dieses Wort auch in Stress? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Menschen gerade. Allein die Vorstellung, sich im vorweihnachtlichen Einkaufsgetümmel mit dem Corona-Virus anzustecken, reicht da ja schon. Aber auch der Gedanke, nun notgedrungen im sehr unübersichtlichen Online-Handel die Geschenke zu besorgen, treibt den Puls in die Höhe, denn zu viele unbekannte bis dubiose Akteure tummeln sich im Internet. Was ist hier seriös, wo lauert der Betrug?

Das Gute liegt so nah?

So gut wie alle großen Händler, die wir aus den Einkaufsstraßen oder Shopping-Malls in Berlin und Brandenburg kennen, haben mittlerweile Onlineshops. In der Regel gibt es hier einen verlässlichen Service, eine große Auswahl und sichere Bezahlmöglichkeiten. Mit dem Einkauf bei diesen Händlern gehen Sie also meist kein Risiko ein. Aber Sie zahlen auch nicht immer den besten Preis. Der ist nur wenige Klicks entfernt zu finden - bei dann oft nicht so bekannten Händlern.

Merkmale seriöser Onlineshops

Reine Internethändler kalkulieren anders und bieten daher vergleichsweise günstige Preise an. Zudem haben sie spezielle Sortimente, auch Nischenprodukte oder Raritäten sind hier zu finden. Auch wenn sie nicht alle mit einem Customer-Service-Callcenter aufwarten können, sind die meisten seriöse Anbieter. Falls Sie daran zweifeln: Eine Liste bereits bekannter betrügerischer Onlineshops gibt es auf der Informationsplattform Watchlist Internet.
 
Der Anbieter ist nicht auf der Liste, aber er kommt ihnen seltsam vor? Die Verbraucherzentralen nennen einige Merkmale, an denen ein seriöser Shop zu erkennen ist, zum Beispiel ein vollständiges Impressum, diverse Kontaktmöglichkeiten und gute, glaubwürdige Bewertungen im Internet. Auch Prüfsiegel wie beispielsweise von Trustpilot oder Trusted Shops können bei der Bewertung eines Onlineshops helfen. Allerdings sollten Sie immer auf diese Verweise klicken, um zu sehen, ob diese auch echt - und nicht nur einfache Bilder sind.

Was sagen die anderen?

Nicht nur Fakeshops sind ärgerlich, auch Anbieter mit miesem Service. Sie wollen darüber mehr erfahren? Schauen Sie bei einem Internet-Beschwerdebriefkasten wie etwa Reclabox vorbei. Auf Angeboten wie diesen lassen sich bisherige Beschwerden, aber auch die entsprechenden Antworten der betroffenen Firmen einsehen. Beschwerden kommen zwar auch beim besten Shop einmal vor, aber es geht auch immer darum, wie gut und schnell dann Probleme gelöst werden. Darüber lässt sich hier viel erfahren.

Welche Fakeshops gibt es?

Gibt man ein Produkt in einer Suchmaschine ein, finden sich in den Ergebnissen schnell Angebote von Amazon und Ebay. Auf beiden Plattformen verkaufen allerdings auch viele Drittanbieter ihre Artikel, auch hier agieren einige in betrügerischer Absicht. Daneben versuchen Betrüger, mit mittlerweile höchst professionell gestalteten Onlineshops an das Geld von Kund:innen zu kommen - ohne Waren zu liefern.

Amazon

Bei Amazon kapern Fake-Händler schon mal alte Accounts, um Kund:innen hereinzulegen. Auf der Webseite zum gewünschten Produkt sollte man deswegen immer darauf achten, wer der Verkäufer ist und sich dazu die Händlerseite ansehen. Verbraucherschützer empfehlen:

- Checken Sie den Händlernamen - es ist unwahrscheinlich, dass ein Händler mit "Textil" oder "Spielzeug" im Namen plötzlich das neueste Smartphone verkauft.

- Gab es in jüngster Zeit vermehrt negative Bewertungen oder gab es eine große Pause bei den Bewertungen?

- Ist der Preis gut oder zu gut? Was kosten andere Artikel? Ist es nur ein Top-Preis, kann es sich durchaus um einen guten Deal handeln, liegen die Preise durchweg unter dem aktuellen Preisniveau, ist das eher unwahrscheinlich.

- Nur bei "Verkauf und Versand durch Amazon" kauft man auch wirklich dort und nicht bei einem Dritthändler.

Ebay

Auch bei Ebay sind Fake-Händler unterwegs und gehackte Accounts noch häufiger zu finden als bei der Konkurrenz.

- Hier sollte man immer auf die Händlerseite gehen. Auch mit dem Ebay-Käuferschutz oder der Ebay-Garantie ist man nicht immer auf der sicheren Seite, werden sie angeboten, sind es gute Indizien für einen seriösen Händler. Noch besser sind autorisierte Händler, die direkt mit Ebay zusammenarbeiten.

- Werfen Sie einen Blick auf bisher verkaufte Artikel.

- Könnte der Account gehackt sein? Betrüger haben es oft auf Profile mit sehr guten Bewertungen und vielen Verkäufen abgesehen. Hat der Anbieter bisher Secondhand-Kleidung verkauft, jetzt aber die neue Playstation - und zwar nicht nur eine - ist ein Betrugsversuch wahrscheinlich.

- Achten Sie auch darauf, von wo versendet wird und welche Versandarten angeboten werden.

- Kaufen Sie niemals mit Überweisung, besser nur mit Paypal und Ebay-Käuferschutz. Jegliche Kommunikation und Zahlung sollte direkt über Ebay laufen, sodass im Notfall auch nachvollzogen werden kann, was passiert ist.

Fakeshops allgemein

Bei Betrugsseiten, die entweder täuschend echt aussehen oder vorgeben, ein anderer Shop zu sein, raten Verbraucherschützer den ersten Blick auf die URL zu werfen. Gibt es im Vergleich zum Original minimal andere Schreibweisen der URL? Steht am Ende statt ".de" etwa ".shop"? Das kann ein erster Hinweis auf einen Betrug sein.

- Auch hier sollte man unbedingt auf die Preise achten und diese vergleichen - ein oder wenige gute Angebote sind okay, liegen alle Preise unter denen von Preissuchmaschinen wie etwa Idealo oder Geizhals, dann lieber Finger weg!

- Beachten Sie die Lieferzeiten.

- Checken Sie das Impressum doppelt und dreifach und suchen Sie im Internet nach Erfahrungen mit dem Shop.

- Bestellen Sie nicht sonntags - sondern nur dann, wenn Hotlines besetzt sind. Geht hier auch jemand dran? Gibt es glaubwürdige Social-Media-Seiten?

- Bezahlt werden sollte nur mit einer Methode, mit der Sie im Schadensfall Ihr Geld zurückholen können, also etwa Paypal, Amazonpay oder beim Kauf per Rechnung. Gibt es nur Überweisung als Zahlmethode? Das riecht nach Betrug.

- Geben Sie beim kleinsten Zweifel lieber ein paar Euro mehr aus und gehen Sie auf Nummer sicher. Auch bei großen Händlern können Dinge schiefgehen, hier gibt es allerdings viele Mittel und Wege, um an das Produkt zu kommen oder eine Rückerstattung zu bekommen.

- Achten Sie immer auf das Vorhängeschloss in der Adresszeile des Browsers: Online-Transaktionen sollten immer über Webseiten laufen, die über eine SSL-Verschlüsselung ("Secure Sockets Layer") verfügen. Zu erkennen ist das am "https" in der Adresszeile.

- Meckert Ihr Browser wegen einer unsicheren Verbindung, dann Finger weg. Das gilt dann übrigens für diesen Moment auch für große Händler, da selbst diese nicht gänzlich vor Cyberattacken geschützt sind.

- Und: Finger weg von Angeboten aus dem Spam-Ordner Ihres E-Mail-Postfachs.

Wir erkenne ich Fake-Artikel?

Soll es zu Weihnachten eine Luxus-Tasche werden oder lieber ein neues Smartphone? Hier gefälschte Artikel zu erkennen, ist oft gar nicht so einfach. Andre Lenz von der Generalzolldirektion Bonn sagt: "Hauptanhaltspunkt für eine Fälschung ist ein unverhältnismäßig geringerer Preis im Vergleich zu dem, was man beim Hersteller für das Original-Produkt zahlen würde. Weitere Anhaltspunkte können Rechtschreibfehler z.B. in Bedienungsanleitungen oder fehlende Warnhinweise usw. sein."
 
Am sichersten kauft man also direkt beim Hersteller oder einem großen, renommierten Fachhändler oder Shop. Auf das Problem der vielen Fälschungen haben viele Unternehmen längst reagiert, sie bieten auf ihren Internetauftritten "auch Informationen zur Erkennung von Fälschungen an", sagt Lenz. Gefälscht werde grundsätzlich alles, was aktuell im Trend bzw. beliebt ist. "Spitzenreiter bei unseren Aufgriffen sind wie in den letzten Jahren Kleidung, Schuhe (insbesondere Sneaker) und elektronische Geräte."
 
Die Playstation 5 für den Enkel muss dann vielleicht eher im neuen Jahr geschenkt werden, oder es liegt einfach ein Gutschein unter dem Weihnachtsbaum.

Hinweise auf Fälschungen

- Die Qualität an sich kann einen Hinweis auf die Echtheit geben. Stinkt das Material stark? Wurde Plastik statt etwa Metall verwendet?

- Besondere Vorsicht ist bei (ausländischen) Ebay-Anbietern, Aliexpress, Wish oder Marketplace-Anbietern geboten. Der überwiegende Anteil an gefälschten Waren stammt laut Zoll aus China, gefolgt von Hongkong.

- Bei Parfüms gibt sogenannte Duft-Zwillinge, welche legal zu kaufen sind. Sie haben eine komplett andere Verpackung, einen anderen Namen, aber versuchen den Duft eines teureren Parfüms nachzuahmen. Der Preis ist günstiger, aber die Inhaltsstoffe meist unbedenklich. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch billige Kopien, bei denen Verpackung und Name ähnlich oder gleich sind, der Inhalt aber oft voll bedenklicher Inhaltsstoffe ist - und auch der Duft nichts mit dem Original zu tun hat. Am sichersten kauft man also in einer seriösen Parfümerie, lokal oder online.

- Grundsätzlich gilt: Ist ein Produkt überall ausverkauft, ist es unwahrscheinlich, dass irgendein ein kleiner Händler dieses noch hat, das gilt aktuell etwa für die Playstation 5 oder bestimmte Sneaker-Modelle. In diesem Fall sollte es doch lieber ein Gutschein werden.