Sparschwein steht auf einem Ordner, Mann im Hintergrund macht Steuern (Quelle: IMAGO / Panthermedia)
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Mo 06.12.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Steuern: Jetzt handeln, später sparen

Wer jetzt noch ein wenig Zeit investiert, hat nächstes Jahr mehr Geld

Die Steuererklärung für dieses Jahr ist erst in ein paar Monaten dran, aber Sie können jetzt schon etwas dafür tun, dass Sie sich auf diese Pflichtübung freuen. Weil Sie mit einigen Weichenstellungen vor dem Jahreswechsel später noch Geld sparen können.

Werbungskosten sinnvoll in die Höhe treiben

Jetzt ausgeben, später Steuer sparen. Es lohnt sich mitunter, Werbungskosten für beruflich bedingte Ausgaben noch in diesem Jahr zu bündeln, sofern sie die Grenze des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.000 Euro überschreiten. Was in einem Kalenderjahr darüber hinausgeht, lässt sich steuerlich geltend machen. Dazu könnte beispielsweise die Rechnung für eine Weiterbildung im nächsten Jahr schon 2021 beglichen werden. Für Steuerzahler, die den Pauschbetrag im laufenden Jahr ohnehin nicht erreichen, kann es sich hingegen lohnen, Ausgaben ins kommende Jahr zu verschieben.
 
Auch kann es sich lohnen, noch vor Jahreswechsel von einem Fachbetrieb etwas in Haus und Garten erledigen zu lassen: Bis zu 6.000 Euro für Arbeitsstunden und Anfahrt kann ein Haushalt im Jahr geltend machen. Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent.

Krankheitskosten keine "zumutbare Belastung" mehr?

Bis zu einer individuellen Grenze der "zumutbaren Belastungen", die je nach Familienstand und -größe sowie Einkommen variiert, muss jeder die Kosten selbst tragen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Wird die Grenze aber überschritten, kann sich dies steuerlich bemerkbar machen. So kann es sich lohnen, das Implantat oder die neue Brille noch im alten Jahr zu bezahlen, wenn so die individuelle Grenze überschritten wird. Berechnen lässt sich die eigene "zumutbare Belastung" zum Beispiel mit einem Rechner auf der Internetseite der Stiftung Warentest.

Viele rosa Sparschweine (Quelle: Colourbox)
Steuerklasse anpassen

Ab dem 1. Januar 2022 steigt der gesetzliche Mindestlohn vom 9,50 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde. Das gilt auch für Minijobber. Wer höhere Steuern und Sozialabgaben vermeiden möchte, sollte daher rechtzeitig seine Arbeitszeit anpassen, um unter der Grenze von 450 Euro im Monat zu bleiben.
 
Ehepaare sollten prüfen, ob sich ein Wechsel der Steuerklasse lohnt. Sinnvoll kann dies etwa sein, wenn ein Partner im nächsten Jahr Leistungen erhalten wird, die vom Nettoeinkommen abhängen - also Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Krankengeld. Der Partner, der sein monatliches Netto erhöhen will, nimmt die Klasse III, in der er weniger Steuern zahlt. Seit 2020 ist der Steuerklassenwechsel mehrfach im Jahr möglich, seit dem 1. Oktober 2021 kann der Wechsel auch online beantragt werden.

Freistellungsaufträge noch bis Jahresende anpassen

Anleger sollten bei ihrer Bank die Freistellungsaufträge für Zinsen und andere Kapitalerträge prüfen. Die Verteilung des Steuerfreibetrags kann bis Ende Dezember angepasst werden. Für Gewinne, die über den Freibetrag von 801 Euro (1.602 Euro für Ehepaare und Lebenspartnerschaften) hinausgehen, müssen Anleger pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer bezahlen - doch auch hier können Verbraucher:innen die Belastung unter Umständen senken: Verluste aus Wertpapiergeschäften bei einer Bank können mit Gewinnen bei einem anderen Institut verrechnet werden. Verbraucher:innen sollten bei ihrer Bank deswegen bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung anfordern.
 
Geringverdiener mit einem hohen Kapitalvermögen, beispielsweise solvente Rentner:innen, sollten prüfen, ob ihre Nichtveranlagungsbescheinigung noch gilt. Damit können sie, wenn sie keine Einkommenssteuer zahlen, sich auch die Abgeltungssteuer sparen. Die Bescheinigung gilt in der Regel drei Jahre.

Staatliche Zuschüsse für Riester-Verträge sichern

Riester-Sparer sollten noch vor Jahresende prüfen, ob sie die nötigen Beiträge bezahlen, um staatliche Zulagen und gegebenenfalls die Kinderzulage zu erhalten. Dafür müssen mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr eingezahlt werden. Ist dies nicht mehr der Fall, weil sich zum Beispiel das Einkommen geändert hat, werden die staatlichen Zulagen gekürzt. Bis zum Jahresende können Sparer noch nachzahlen.