Terminal 1 im BER - was tun bei Verspätung oder Annulierung? (Quelle: IMAGO / Olaf Schuelke)
Bild: IMAGO / Olaf Schuelke

Mo 04.07.2022 | Beitrag | Lesedauer 4 Minuten - Fluggastrechte: Wenn's mal wieder länger dauert

Endlich Urlaub, doch dann ist der Flug verspätet oder gar gecancelled. Flugreisende brauchen diesen Sommer viel Geduld, aber sie haben auch eine Reihe an Rechten, wenn etwas schiefgeht.

Da wartet man Wochen, Monate oder aktuell sogar Jahre auf den wohlverdienten Urlaub in der Ferne - nur, um sich am Flughafen in der längsten Schlange der Welt wiederzufinden. Verspätungen, Flugausfälle, verlorene Koffer - die Folgen der Pandemie spüren Reisende ebenso sehr wie die Fluglinien selbst, die unter Personalmangel leiden. Lufthansa, Easyjet und zahlreiche andere Fluglinien annulieren derzeit Flüge, was zu Chaos am BER und anderen Flughäfen führt.
 
Wenn was schiefgeht hat man als Fluggast aber auch einige Rechte. Wir erklären Ihnen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie Sie Ihre Rechte durchsetzen können.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Ansprüche bestehen immer dann, wenn sich der Start- oder Zielflughafen in einem EU-Land (einschließlich Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique, Réunion, Mayotte, Saint Martin (Französische Antillen), auf den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln (jedoch nicht die Färöer) oder in Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Kosovo befindet.
 
Eine genaue Auflistung gibt es auf einer Seite der EU, über diese können Sie Ansprüche auch geltend machen.
 
Die schlechte Nachricht: All das gilt nicht, wenn der Grund für die Probleme außergewöhnliche Umstände sind. Dazu zählt neben schlechtem Wetter beispielsweise auch Streik von Lotsen oder Sicherheitspersonal.

Entschädigung oder Ersatz?

Bei einer kurzfristigen Annullierung eines Flugs - das heißt weniger als 14 Tage vor dem Abflug - können Passagiere laut Expert:innen des ADAC grundsätzlich eine pauschale Ausgleichszahlung, also Entschädigung verlangen. Die Höhe richtet sich laut EU-Verordnung nach der Flugstrecke: 250 Euro bei Flügen bis 1500 Kilometer, 400 Euro bis zu 3500 Kilometer und 600 Euro ab einer Flugstrecke von über 3500 Kilometern.
 
Außerdem muss die Fluggesellschaft sogenannte Unterstützungsleistungen anbieten - die Flugpreiserstattung oder einen Ersatzflug. Beides darf für Passagiere keine zusätzlichen Kosten verursachen.

Habe ich Anspruch auf Verpflegung?

Verspätet sich der Flug um zwei Stunden, haben Sie Anrecht auf sogenannte Betreuungsleistungen, also Getränke, Essen und - wenn erwünscht - Telefonate. Findet der Flug erst am nächsten Tag statt, besteht zudem Recht auf ein Hotelzimmer. Sollte die Fluglinie das nicht anbieten, bewahren Sie unbedingt sämtliche Belege auf, um sie später einzureichen.

Hilfe, der Koffer ist weg!

Geht ihr Gepäck komplett verloren oder wird es beschädigt, können Sie bis zu 1430 Euro Entschädigung verlangen. Betroffene sollten sich den Verlust sofort bestätigen lassen, eine Packliste machen - wenn möglich mit Kaufbelegen - sowie Ausgaben (etwa für Noteinkäufe) dokumentieren. Schäden am Gepäck sollten Passagiere so schnell wie möglich melden. Vorgeschrieben ist eine Frist von sieben Tagen.

Alles klar - oder nicht?

Wenn Sie jetzt verwirrt sind, gibt es zahlreiche seriöse Hilfsangebote. Die kostenlose App "Flugärger" der Verbraucherzentralen hilft bei Berechnung der Ansprüche. Die App erzeugt außerdem eine E-Mail mit den Forderungen an die betreffende Airline. Zudem gibt es eine ausführliche Seite mit FAQs.
 
Auch die Stiftung Warentest bietet eine Anleitung, wie Sie an eine Entschädigung kommen.
 
Wer nicht selbst mit der Fluggesellschaft streiten will, kann einen Rechtsdienstleister beauftragen, das saarländische Verbraucherschutzministerium etwa empfiehlt EUFlight oder Compensation2go. Das Unternehmen kauft bei Erfolgsaussicht die Forderung ab und zahlt sofort eine Entschädigung. Dafür behält es einen Teil davon als Provision ein.
 
Wenn die Airline Ansprüche ablehnt, können sich Passagiere an die Schlichtungsstelle SÖP oder die Schlichtungsstelle beim Bundesamt für Justiz wenden - die Zuständigkeit richtet sich nach der Airline.

Beitrag von DB mit Material von AFP