Ladekabel USB-C vor Europa-Flagge. Quelle. imago images/ Armin Durgut
Bild: imago images/ Armin Durgut

Mi 08.06.2022 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Ladekabel: eine Buchse für alles

EU einigt sich auf einheitlichen USB-C Standard ab Herbst 2024

Sie ist weit verbreitet: Die Kabel-Schublade, Ort des verknoteten Grauens. Hier tummeln sich Kabel für so ziemlich jedes Gerät, das je im Haus war. Vom Handy- über Tablet- und E-Reader-Ladekabel über die Kamera bis hin zum Kopfhörer oder tragbaren Lautsprecher. Doch wo ist das richtige Kabel für welches Gerät, welcher Stecker passt wo? Die Suche ist zeitintensiv und nervenaufreibend. Damit soll Schluss sein. Spätestens 2024 soll es Standard-Ladestecker geben, so lautet jetzt ein Beschluss der EU.

USB-C statt Lightning

Vor allem iPhone-Nutzer:innen müssen sich dann umstellen, denn Standard soll künftig der hauptsächlich bei Android-Geräten genutzte USB-C Anschluss werden. Apple setzt momentan hauptsächlich auf den kleineren Lightning-Anschluss und hatte sich bislang gegen eine einheitliche Lösung in der EU gewehrt. Einer im Auftrag der EU-Kommission erstellten Studie zufolge wurde 2018 rund die Hälfte der Handys mit USB-B-Ladebuchse, 29 Prozent mit USB-C und rund ein Fünftel mit Lightning-Anschluss verkauft.
Es ist übrigens das erste Mal weltweit, dass Gesetzgeber entsprechende Vorgaben machen. Zuvor waren die Unternehmen daran gescheitert, selbst eine Lösung für die unterschiedlichen Ladebuchsen zu finden.

Welche Geräte von der Regelung betroffen sind

Vorschlag der EU-Kommission war es zunächst, dass sechs Geräte-Typen unter die neue Regelung fallen sollen: Smartphones, Tablets, Kopfhörer, Lautsprecher, tragbare Spielekonsolen und Kameras. In den Verhandlungen konnte das Parlament zudem durchsetzen, dass auch Laptops, E-Reader, Tastaturen und Computer-Mäuse, Navis, Smartwatches und elektrisches Spielzeug dabei sind. Voraussetzung: Die Geräte müssen groß genug für einen entsprechenden Anschluss sein. Damit sind neben Apple auch andere Anbieter wie Samsung Electronics und Huawei betroffen.
 
Für Laptops tritt die Regelung später in Kraft als für die anderen Produkte. Die neuen Ladegeräte sollen im Übrigen nicht automatisch beim Neukauf mit dabei sein, Geräte sollen unabhängig von Ladegerät und -kabel verkauft werden.

Langwieriger Prozess

Das Problem an sich ist nicht neu. Schon vor zehn Jahren hat die EU-Kommission erstmals einen Vorstoß gewagt, als sich Nutzer:innen von iPhones und anderen Handys über die Notwendigkeit verschiedener Ladekabel und dem damit verbundenen Kabelsalat beschwert hatten. "Verbraucher werden wegen des Deals rund 250 Millionen Euro sparen", erklärte jetzt EU-Industriekommissar Thierry Breton. Heißt also künftig weniger Kosten, weniger Kabel, weniger Ärger mit Kabelsalat.
 
Und weniger Elektroschrott: Die EU-Kommission spricht von 11.000 Tonnen jährlich durch entsorgte und nicht benutzte Ladegeräte, wovon rund 1.000 Tonnen eingespart werden könnten. Zudem würden neue Technologien wie das kabellose Aufladen gefördert. Wieso dann eigentlich nicht gleich kabellos? Auch das wollte das EU-Parlament eigentlich in Angriff nehmen. Der Kompromiss lautet jetzt, die Europäische Kommission solle Maßnahmen ergreifen, die zu einem Standard für das kabelloses Laden führen sollen.

Kritik an Vereinheitlichung

Der Branchenverband Bitkom hingegen kritisierte die neue Regelung. Sie werde Innovationen bremsen, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Zudem laufe sie dem "wichtigen Prinzip der Technologieoffenheit massiv zuwider". Auch Apple hat das EU-Vorhaben kritisiert und gewarnt, es werde Innovationen gefährden und Elektroschrott verursachen.