Steuererklärung abgeben, in einen Kalender geschrieben (Quelle: IMAGO / Shotshop)
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Mi 05.10.2022 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Steuererklärung: Lieber machen, sonst wird's teuer

Noch bis 31. Oktober 2022 haben Steuerzahler:innen Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Dabei gibt es einiges an Sparpotential, aber es drohen auch Strafen bei später Abgabe.

Oktober ist Gruselzeit. Nicht nur wegen Halloween und der früheren Dunkelheit, sondern auch, weil für Millionen Steuerzahler:innen die Abgabefrist für die Steuererklärung naht. Bis 31. Oktober 2022 ist dieses Jahr Zeit, aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor drei Monate länger als sonst. Wir geben Tipps, wo sich sparen lässt und erklären, warum man die Erklärung unbedingt rechtzeitig abgeben sollte.

Strafen riskieren oder gleich Hilfe holen?

25 Euro pro Monat - so viel kostet der Verspätungszuschlag mindestens, wenn man die Steuererklärung zu spät abgibt. Erwartet Sie eine hohe Nachzahlung, kann es noch teurer werden - 0,25 Prozent der Steuerschuld können fällig werden, maximal 25.000 Euro.
 
Mehr Zeit haben Personen, die eine:n Steuerberater:in haben oder sich die Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins holen. Dann gilt "grundsätzlich der letzte Februartag des übernächsten Jahres als Abgabefrist für Steuerpflichtige, die sich beraten lassen, also bis zum 28. Februar 2023 für das Steuerjahr 2021 – eigentlich. Wegen der Corona-Pandemie müssen Deine Unterlagen erst spätestens am 31. August 2023 beim Finanzamt eingegangen sein", schreiben die Expert:innen von Finanztip.
 
Solche Hilfe ist natürlich mit Kosten verbunden, kann sich aber durchaus lohnen, denn diese Kosten lassen sich wiederum vollständig absetzen. Außerdem können Fachleute das meiste Geld herausholen - und viele Nerven schonen.

Neuerungen im Blick haben

Wer noch keinen Elster-Zugang hat, sollte sich zeitnah kümmern, denn der dafür nötige Freischaltcode des Finanzamts kommt per Post und das dauert in der Regel einige Tage. Die Abgabe funktioniert aber auch mit Steuersoftware, die Stiftung Warentest regelmäßig unter die Lupe nimmt. Auch die Kosten hierfür sind absetzbar und sie geben allerlei hilfreiche Tipps beim Ausfüllen - auch, was aktuelle Besonderheiten angeht.
 
So gilt auch für das Steuerjahr 2021 die Homeoffice-Pauschale von fünf Euro täglich für maximal 120 Tage, insgesamt also 600 Euro. Wer Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld oder Krankengeld über 410 Euro erhalten hat, muss eine Steuererklärung abgeben.
 
Ebenfalls neu bzw. höher ist der Grundfreibetrag, der nun 9.744 Euro für Singles und 19.488 Euro für Partner:innen beträgt.

Werbungskosten sinnvoll in die Höhe treiben

Jetzt ausgeben, später Steuer sparen. Es lohnt sich mitunter, Werbungskosten für beruflich bedingte Ausgaben noch in diesem Jahr zu bündeln, sofern sie die Grenze des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.000 Euro überschreiten. Was in einem Kalenderjahr darüber hinausgeht, lässt sich steuerlich geltend machen. Dazu könnte beispielsweise die Rechnung für eine Weiterbildung im nächsten Jahr schon im aktuellen beglichen werden. Für Steuerzahler, die den Pauschbetrag im laufenden Jahr ohnehin nicht erreichen, kann es sich hingegen lohnen, Ausgaben ins kommende Jahr zu verschieben.
 
Auch kann es sich lohnen, noch vor Jahreswechsel von einem Fachbetrieb etwas in Haus und Garten erledigen zu lassen: Bis zu 6.000 Euro für Arbeitsstunden und Anfahrt kann ein Haushalt im Jahr geltend machen. Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent.

Krankheitskosten keine "zumutbare Belastung" mehr?

Bis zu einer individuellen Grenze der "zumutbaren Belastungen", die je nach Familienstand und -größe sowie Einkommen variiert, muss jeder die Kosten selbst tragen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Wird die Grenze aber überschritten, kann sich dies steuerlich bemerkbar machen. So kann es sich lohnen, das Implantat oder die neue Brille noch im alten Jahr zu bezahlen, wenn so die individuelle Grenze überschritten wird. Berechnen lässt sich die eigene "zumutbare Belastung" zum Beispiel mit einem Rechner auf der Internetseite der Stiftung Warentest.

Viele rosa Sparschweine (Quelle: Colourbox)
Steuerklasse anpassen

Am 1. Januar 2022 stieg der gesetzliche Mindestlohn vom 9,50 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde, inzwischen sind es sogar 12 Euro. Das gilt auch für Minijobber. Wer höhere Steuern und Sozialabgaben vermeiden möchte, sollte daher rechtzeitig seine Arbeitszeit anpassen, um unter der neuen Grenze von 520 Euro im Monat zu bleiben.
 
Auch die Grenzen für Midijobs ändern sich - Arbeitnehmer:innen können seit 1. Oktober bis 1.600 netto verdienen. Auch Midijobber:innen sollen steuerlich entlastet werden, damit diese Stellen sich lohnen.
 
Besonders Ehepaare sollten prüfen, ob sich ein Wechsel der Steuerklasse lohnt. Sinnvoll kann dies etwa sein, wenn ein Partner im nächsten Jahr Leistungen erhalten wird, die vom Nettoeinkommen abhängen - also Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Krankengeld. Der Partner, der sein monatliches Netto erhöhen will, nimmt die Klasse III, in der er weniger Steuern zahlt. Seit 2020 ist der Steuerklassenwechsel mehrfach im Jahr möglich, seit dem 1. Oktober 2021 kann der Wechsel auch online beantragt werden.

Freistellungsaufträge noch bis Jahresende anpassen

Anleger:innen sollten bei ihrer Bank die Freistellungsaufträge für Zinsen und andere Kapitalerträge prüfen. Die Verteilung des Steuerfreibetrags kann bis Ende Dezember angepasst werden. Für Gewinne, die über den Freibetrag von 801 Euro (1.602 Euro für Ehepaare und Lebenspartnerschaften) hinausgehen, müssen Anleger pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer bezahlen - doch auch hier können Verbraucher:innen die Belastung unter Umständen senken: Verluste aus Wertpapiergeschäften bei einer Bank können mit Gewinnen bei einem anderen Institut verrechnet werden. Verbraucher:innen sollten bei ihrer Bank deswegen bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung anfordern.
 
Geringverdiener mit einem hohen Kapitalvermögen, beispielsweise solvente Rentner:innen, sollten prüfen, ob ihre Nichtveranlagungsbescheinigung noch gilt. Damit können sie, wenn sie keine Einkommenssteuer zahlen, sich auch die Abgeltungssteuer sparen. Die Bescheinigung gilt in der Regel drei Jahre.