Eine Anzeigentafel im Flughafen (Quelle: imago images/Panama Pictures)
Bild: imago images/Panama Pictures

Di 12.09.2023 | Beitrag | Lesedauer etwa 2 Minuten - Flugausfälle: Frist für Erstattungen läuft ab

Während der Corona-Pandemie wurden reihenweise Flüge gestrichen. Wer auf die Rückerstattung noch wartet, sollte aufpassen: Viele Ansprüche verjähren Ende 2023.

 

"Gestrichen, gestrichen, gestrichen" - Fliegen war zur Anfangszeit und in den Hochphasen der Corona-Krise kein einfaches Unterfangen; tausende Flüge wurden gestrichen. Reisende warteten teilweise lange auf Rückerstattung für diese Flüge - oder warten sogar noch heute. Doch nach deutschem Recht verjähren viele Ansprüche aus dem Jahr 2020 Ende dieses Jahres. Wer also noch keine Erstattung erhalten hat, macht sich jetzt besser daran, sie einzufordern.

Geld statt Gutschein

Für Flüge, die im Jahr 2020 annuliert wurden, verjähren die Ansprüche laut deutscher Rechtssprechung am 31. Dezember 2023. Das gilt also dann, wenn das Flugticket in Deutschland oder über eine deutschsprachige Website gekauft wurde. Nach ausländischem Recht kann die Verjährungsfrist länger oder kürzer sein.
 
Die EU-Fluggastrechteverordnung hat die Rechte der Fluggäste klar geregelt: Annuliert die Airline einen Flug, haben Passagiere Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises. Das muss innerhalb von sieben Tagen geschehen. Die Airline kommt also schnell in Verzug. Ab dem achten Tag können Reisende theoretisch auch Verzugszinsen verlangen.
 
Um eine Erstattung zu umgehen, hatten viele Fluggesellschaften während der Corona-Krise Kundinnen und Kunden Gutscheine angeboten. Doch diese waren nicht verpflichtet, die Gutscheine anzunehmen. Wer also damals einen Gutschein abgelehnt hat und immer noch auf die Erstattung des Flugpreises wartet, wird jetzt am besten aktiv.

Welche Möglichkeiten gibt es, um ans Geld zu kommen?

Wer noch keine Erstattung erhalten hat, kann laut Europäischem Verbraucherzentrum (EVZ) Folgendes tun:
 
• Wenn die Airline ihren Sitz in Deutschland hat, können Sie ein deutsches Mahnverfahren einleiten, indem Sie beim zentralen Mahngericht Ihres Bundeslandes den Erlass eines Mahnbescheids beantragen. Das kostet mindestes 36 Euro, bei höheren Streitwerten mehr.
 
• Einen europäischen Zahlungsbefehl können Sie dann beantragen, wenn die Airline ihren Sitz im EU-Ausland hat. Die Kosten dafür fangen ebenfalls bei 36 Euro an.
 
• Zuletzt bietet ein Schlichtungsverfahren die Möglichkeit, sich außergerichtlich zu einigen. In Deutschland ist dafür die Schlichtungsstelle Luftverkehr (BfJ) oder die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zuständig. Welche Stelle Ihren Fall übernimmt, erfahren Sie hier.
 
Der Vorteil dieser drei möglichen Verfahrens: Die Verjährungsfrist läuft vorübergehend nicht weiter. Sollten diese Verfahren dann erfolglos bleiben, haben Reisende nach Abschluss immer noch sechs Monate Zeit, um bei Gericht zu klagen.
 
Die Verbraucherzentrale hat ein umfangreiches Dossier zu allen Fragen, die Fluggastrechteverordnung betreffend. Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, in welchen Fällen Sie Anspruch auf Erstattung haben, was mit Zusatzkosten, etwa für unerwartete Hotelübernachtungen oder Zugfahrten, ist - und wie Sie das alles eigentlich belegen müssen.

Ein Beitrag von SUPER.MARKT.