Ein älterer Herr szeht an einem Fenster (Quelle: Colourbox)
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Di 03.09.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Seniorenheime: alles neu mit dem Pflege-TÜV

Mehr Transparenz, aussagekräftigere Ergebnisse

Am 1. Oktober wird in Deutschland ein neues System eingeführt, um Pflegeheime zu bewerten. Wo bislang die Pflegenoten für Durchblick sorgen sollten, ist es nun der sogenannte Pflege-TÜV. Mit ihm soll die Suche nach einem guten Pflegeheim einfacher werden. Mehr Transparenz in der Bewertung und aussagekräftigere Ergebnisse sind das Ziel der Umstellung.

Was ist neu?

Das neue System fährt zweigleisig: Auf der einen Seite melden die Pflegeeinrichtungen halbjährlich interne Qualitätsdaten an eine Datenauswertungsstelle (DAS). Das sind etwa Informationen über die Mobilität der Senioren oder über die Zahl von Stürzen unter den Bewohnern. Die DAS prüft die Angaben auf Plausibilität und vergleicht die Ergebnisse bundesweit. Dann meldet sie den Einrichtungen zurück, wie sie im Deutschlandvergleich dastehen.

Auf der anderen Seite wird es eine jährliche Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geben, dessen Mitarbeiter unter anderem auch mit neun Bewohnern pro Haus sprechen werden. So soll sichergestellt werden, dass Defizite entdeckt werden, und dass das Heim auch durch den Blickwinkel der Bewohner unter die Lupe genommen wird. Finden die Prüfer Mängel, können Sie selbst Hilfestellungen empfehlen. Bei gravierenden Verstößen können die Pflegekassen aber auch Auflagen erteilen, eine Wiederholungsprüfung durch den MDK veranlassen, die Vergütung mindern oder sogar den Versorgungsvertrag kündigen.

So funktioniert der Umstieg

Ab Oktober müssen die 13.000 stationären Pflegeinrichtungen in Deutschland ihr Haus anhand des neuen Qualitätssystems prüfen. Ab dem 1. November startet dann der MDK mit den externen Prüfungen sämtlicher Pflegeeinrichtungen. Bis Ende 2020 soll jedes Heim erstmals nach den neuen Regeln geprüft worden sein. Ab Frühjahr 2020 werden erste Ergebnisse auf den Webseiten der Pflegekassen zu finden sein.

Das alte System der Pflegenoten war seit 2009 gängiges Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen. Doch es gab massive Kritik: Qualitätsmängel waren in den Noten für die Verbraucher nicht klar erkennbar, außerdem konnte schlechte Pflegequalität etwa durch einen guten Speiseplan ausgeglichen werden. Mit dem neuen Pflege-TÜV wird das alte Bewertungssystem nun komplett abgeschafft.

Kritik gibt es allerdings auch am neuen System: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bemängelt im Vorfeld der Änderungen, dass sich Pflegeheime mit dem Pflege-TÜV schlecht vergleichen lassen, da es "weder eine aussagefähige Gesamtnote noch K.O.-Kriterien geben wird".