Eine Wursttheke
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Mo 14.10.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Fleischskandal: Wilke-Wurst auch in Berlin und Brandenburg

Verbraucherschützer fordern Reform der Lebensmittelkontrollen

Am 2. Oktober 2019 schlossen Behörden den nordhessischen Fleischverarbeiter Wilke. Zuvor hatte es wiederholt Funde von Keimen namens Listerien in Wurstprodukten des Unternehmens und zwei Todesfälle gegeben, die damit in Zusammenhang stehen. Laut hessischem Verbraucherministerium gibt es seit 9.10.2019 noch eine dritte Person, die "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben ist. Noch immer läuft ein weltweiter Rückruf von Wilke-Produkten. Von den zuständigen Behörden gibt es allerdings noch keine Angaben zum genauen Stand dieser Rückruf-Aktion.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband fordert bei SUPER.MARKT, die Kontrollen komplett in die übergeordnete Zuständigkeit der Bundesländer zu geben. "In dem Wurstskandal sehen wir, dass die kommunalen Lebensmittelbehörden absolut überfordert waren. Sie haben nicht schnell genug reagiert. Die Länder müssen die Kompetenz für Kontrollen bekommen - und wenn es deutschlandweite Skandale sind, muss der Bund übernehmen können." Vorstand Klaus Müller meint weiter, dies dürfe angesichts der zunehmenden Größe der Betriebe nicht am föderalen System scheitern.

Kontrolleure überfordert

Experten bemängeln schon länger, 1.500 Lebensmittelkontrolleure in Deutschland seien nicht ausreichend, um systematisch und gründlich gegen Hygieneverstöße bei der Verarbeitung von Lebensmitteln vorzugehen. "Wir bräuchten deutschlandweit locker die doppelte Anzahl an Lebensmittelkontrolleuren, um die Arbeit zu schaffen", sagt Franz Voll. Der ehemalige Lebensmittelkontrolleur und Buchautor kritisiert weiter, dass Betriebe statistisch gesehen nur aller 2-3 Jahre  kontrolliert würden. Selbst dann sei eine Vielzahl der Kontrollen angemeldet. "Da wir keinen Bauplan vom Betriebsgelände haben, kennen wir nicht alle Räume. Dinge, die wir nicht sehen sollen, sehen wir nicht. Das ist die Regel." Wenn sich das nicht ändert, werde auch in Zukunft  die Reihe der Skandale nicht abreißen.

Wilke Wurst auch in Berlin und Brandenburg

Bis jetzt ist bekannt, dass Wurstwaren des Fleischgroßhändlers Wilke als lose Ware an Wursttheken verkauft worden sind, unter anderen Handelsnamen auch in IKEA-Restaurants, bei Metro sowie in einzelnen Filialen von Kaufland.

Die Produkte des nordhessisschen Wurstherstellers sind auch nach Brandenburg gelangt. Dies bestätigte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums Brandenburg. Die Veterinär- und Lebensmittelämter der Landkreise seien informiert worden und die Wurstewaren würden aus dem Verkehr gezogen werden. Mittlerweile haben sich fünf Brandenburger Landkreise zurückgemeldet.In der Prignitz hätten danach fünf Betriebe Waren erhalten, darunter zwei Altenheime, ein Imbiss, eine Pension und ein Großhändler. Laut Verbraucherschutzministerium wird aktuelll im Land bei drei zurückliegenden Erkrankungen untersucht, ob ein Zusammenhang mit Listerien besteht. Aktuelle Fälle seien nicht bekannt, hieß es beim Ministerium.

In Berlin sind die Produkte von Wilke bereits nach Bekanntwerden des Rückrufs aus dem Einzelhandel und den Großküchen entfernt worden. Laut einem Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz wurde der Rückruf von den Bezirksämtern überwacht.

Liste mit Marken und Handelsnamen veröffentlicht

Laut Unternehmen befindet sich auf den Verpackungen das ovale Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG". Betroffene Produkte können im Einzelhandel zurückgegeben werden. An der Wursttheke oder in Kantinenessen sind Wilke-Produkt nicht zu erkennen. Diese Liste mit betroffenen Handelsmarken wurde am 7.10. bekannt: 

  • Haus am Eichfeld,
  • Metro Chef,
  • Service Bund "Servisa",
  • CASA,
  • Pickosta,
  • Esskultur/Sander Gourmet,
  • Rohloff Manufaktur,
  • Schnittpunkt,
  • Korbach,
  • ARO,
  • Findt,
  • Domino,
  • Wilke
  • Cock's Vleeswaren
  • Arasco
  • OMACO
  • Delikrydet
  • Patissa
  • La Mila
  • G&P
  • AFMO
  • Bäko
  • Aleksa
  • La Roya
  • Vom Bauernland
  • La Persa
  • Wilbi
  • CASA
  • meatmaxx
  • Yala

Diese Liste findet sich auf dem Warnungsportal der Bundesländer und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Dort wurde eine offizielle Warnung veröffentlicht. In den Details findet sich auch eine Liste mit über 1.000 Lebensmitteln, die vom Rückruf betroffen zu sein scheinen.

Wurst war mit Listerien belastet

In Wilke-Wurst wurden Listerien (Listeria monocytogenes) nachgewiesen. Das sind in der Natur vorkommende Bakterien. Nur wenige Menschen erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen und Schwangere. Allerdings enthält nicht jedes Wilke-Produkt zwangsläufig Keime.