Langfinger lauern einem Kunden eines Geldautomaten auf (Quelle: imago/Geisser)
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Interview mit Präventionstrainer Jascha Wozniak - Bedrängt am Geldautomaten - Wie schütze ich mich?

Überfälle am Geldautomaten gibt es immer wieder - Tendenz steigend. Doch wie kann ich mich schützen - wenn jemand mein Geld haben will? Wie soll ich reagieren, wenn ich körperlich angegriffen werde? Präventionstrainer Jascha Wozniak gibt Tipps zum sicheren Geldabheben.

Jascha Wozniak war 25 Jahre bei der Polizei. Nach verschiedenen Spezialisierungen ist er Präventionsbeauftragter geworden. Aufgrund eines Dienstunfalls musste er früher in die Pensionierung gehen. Doch als Präventionstrainer arbeitet er immer noch. Uns erklärt er, wie man sich verhält, wenn man an einem Geldautomaten bedrängt wird. 

Es gibt verschiedene Situationen, in denen Menschen von anderen bedrängt werden. Gibt es einen generellen Rat, wie man sich da verhalten sollte? Unterwürfig sein, selbstbewusst wirken, angreifen, flüchten?

Generell gilt: Schalten Sie Ihre Wahrnehmung an. Schalten Sie Ihr Gefahrenradar an. Schauen Sie sich um, nehmen Sie die Umwelt war. Denn zunächst muss eine gefährliche Situation erst einmal erkannt werden. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, verlassen Sie den Ort. Gehen Sie raus aus der Situation.

Bei einem passiven Angriff, wenn verbal z.B. das Handy oder Geld gefordert wird, sollten Sie den Anforderungen gerecht werden. Geben Sie ab, was von Ihnen verlangt wird.

Wenn Sie körperlich angegriffen werden, gibt es zwei Stufen des Verhaltens. Zunächst sollten Sie sich mit Händen und Füßen wehren und Ihre Stimme einsetzen, um außenstehende Personen zu alarmieren. Wehren Sie sich schnell, entschlossen und konsequent (SEK) – mit dem Ziel flüchten zu können. Flüchten Sie danach in Richtung Licht, Lärm und Leute (LLL). Da sind Sie sicher vor einem erneuten Angriff.

Auch beim Geldabheben werden immer wieder Personen bedrängt. Was raten Sie speziell in diesem Fall?

Der Geldautomat ist ein tatanreizbietender Ort: Hier bietet das Geld anderer den Ansporn geklaut zu werden. Hier kann man in kürzester Zeit mehr Geld machen, als einem bei Hartz IV überwiesen wird. Wer Geld abheben geht, sollte sich also im Klaren sein, dass dort Überfälle stattfinden können und sich dementsprechend verhalten.

Gehen Sie vorbereitet  zum Geldabheben: Halten Sie ihre Geldkarte bereit, vermeiden Sie es, erst lange in Ihrer Tasche kramen zu müssen. Gehen Sie gezielt mit klarer Wahrnehmung rein. Schauen Sie sich mit einem 360 Grad – Blick um, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, gehen Sie lieber zu einem anderen Geldautomaten. Machen Sie beim Geldabheben einen Schulterblick und nutzen Sie den Parabolspiegel am Automaten um sich zu vergewissern, was hinter Ihnen stattfindet.  

Wie kann ich darauf vertrauen, dass ich bei einem 360 Grad –Blick einen potenziellen Dieb erkenne? Benötige ich dafür nicht einen geschulten Blick?

Es geht vornehmlich erst einmal darum, überhaupt wahrzunehmen. Nicht die Kapuze auf und die Kopfhörer im Ohr zu haben, sondern wirklich mal die Umwelt wahrzunehmen. Nicht der Blick auf das Handy, sondern ein konzentrierter Blick in den Raum, um zu erkennen, ob sich jemand komisch verhält. Da können die meisten auf ihr Bauchgefühl vertrauen.

Kann ich schon vor dem Geldabheben, etwas beachten, um einer solchen Situation aus dem Weg zu gehen?

Es empfiehlt sich, gut besuchte Geldautomaten aufzusuchen und tagsüber statt nachts zum Geldabheben zu gehen. Nutzen Sie Tankstellen und Einzelhandel, um beim Einkaufen Geld abzuheben. Falls Sie nachts dringend Geld benötigen, ist eine Tankstelle einem verlassenen Geldautomaten vorzuziehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Jascha Wozniak!
Das Interview führte Uta Damm.