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Das Schloss Caputh. | Bild: rbb

Vom schwierigen Umgang mit dem Erbe der Hohenzollern - Der Landeskonservator und Brandenburgs Schlösser

Die Nachwendezeit war im Denkmalschutz von zahllosen Konflikten geprägt. Ein Mann war dabei geachtet und gefürchtet: Brandenburgs erster Landeskonservator Detlef Karg. Als Verteidiger unersetzbarer Kulturschätze steht er in einer langen Tradition. Schon unter den Hohenzollern gab es ab 1843 Denkmalsschutz.

Brandenburg hat jenseits von der Potsdamer Schlösserwelt Sanssouci mehrere hundert Schlösser und Herrenhäuser, darunter wichtige Häuser wie Caputh. Der Laie wird es vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen, aber das kleine Schloss ist bedeutsam, weil es ein Hohenzollernhaus aus der Barockzeit ist. Beide Frauen des Großen Kurfürsten - Sophie-Charlotte und nach ihrem Tod auch Dorothea - hatten es als Sommerresidenz aussgewählt und ausgebaut. Für den ersten Preußenkönig war es sogar kurzzeitig Stammsitz.

Zu DDR-Zeiten war es Berufsschule und nach der Wende schielten mit einem Mal Investoren auf das Haus, das direkt am Wasser liegt. Ein Investor plante einen Hotelneubau neben dem Schloss. Der frisch ernannte Landeskonservator Detlef Karg schob einen Riegel davor: "Wie eine Hundehütte würde es daneben wirken". Endlich gab es eine Chance, dieses einmalige Ensemble zu retten.

Brandenburg hatte als erstes der neuen Länder ein Denkmalschutzgesetz verabschiedet. Und Karg schaute genau hin, was passierte. Der Denkmalschützer war schon zu DDR-Zeiten an der Rettung und Sanierung von Schloss Rheinsberg beteiligt. Das prägte ihn. Ihn beeindruckte ein besonderer Märker und Amtskollege, nämlich Ferdinand von Quast. Von Quast war der erste Konservator Preußens überhaupt. Der Fachmann aus Radensleben bemühte sich schon im 19. Jahrhundert darum, dass Bauherren alte Bauten nicht einfach wegradierten, sondern zumindestens einen Versuch starteten, sie zu bewahren. In Radensleben hat er sich mit seinem Campo Santo, einer Begräbnisstätte an der Kirche, selbst ein Denkmal gesetzt.

Detlef Karg, von 1991 bis 2012 oberster Denkmalschützer Brandenburgs, sorgte dafür, dass diese Grabstätte saniert wird. Das Schloss Caputh gehört heute zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die 1994 gegründet wurde. Vor allem wegen des Fliesensaals mit 7500 niederländischen Motivfliesen ist es ein Besuchermagnet.

Ein Beitrag von Dagmar Lembke.

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