Archivbild: Linke Gruppen demonstrieren am 01.05.2016 in Berlin im Stadtteil Kreuzberg (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
dpa/Kay Nietfeld
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Die Kreuzberger Krawalle haben eine lange Tradition - Mythos 1. revolutionärer Mai

Am 1. Mai 1987 wurde in Berlin-Kreuzberg ein Mythos geboren: Es herrschte dort eine explosive Mischung zwischen Party und Bürgerkrieg mit Barrikaden, brennenden Autos und geplünderten Geschäften.

Die Eskalation am Tag der Arbeit ist also seit 30 Jahren für manche ein Muss. Die politischen Themen wie Abschaffung des Systems, Kapitalismuskritik, Gentrifizierung, Weltfrieden treten dabei fast in den Hintergrund. Den Soundtrack zum 1.Mai liefern seit drei Jahrzehnten Polizeisirenen, brennende Autos, johlende Menschenmengen. Die Revolution trat nie ein, die die Linksautonomen unters Volk säten, aber sie brachten ein bisschen Unordnung in die Gesellschaftsordnung einmal im Jahr. 

Den 1.Mai 1987 mit seinen Gewaltsausbrüchen versuchte man bis heute immer zu wiederholen. Warum nur, ist die Frage, der wir in unserer Chronik nachgehen.

 

Ein Beitrag von Theresa Majerowitsch.

War einmal ein Revoluzzer, Im Zivilstand Lampenputzer; Ging im Revoluzzerschritt Mit den Revoluzzern mit... Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘ Und die Revoluzzermütze Schob er auf das linke Ohr, Kam sich höchst gefährlich vor. Erich Mühsam aus "Der Revoluzzer", 1907

weitere Themen der Sendung

Theo_1848er.jpg
rbb/Höpfner

Mit Übermacht und Brutalität gegen die Aufständischen von Berlin - Die vergessenen 1848er

Die Märzrevolution 1848 währte nur eine Nacht in Berlin, und zwar vom 18. auf dem 19. März 1848. Sie kostete 255 Menschen das Leben, zwei Drittel davon waren noch keine 25 Jahre alt. So auch Ernst Zinna, gebürtiger Berliner, Schlosserlehrling. Seine Familie hatte kaum genügend zu essen - ein Beispiel, wie es Tausenden aus der Unterschicht erging zu jener Zeit.