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Die März-Revolution von 1848 währte nur eine Nacht. | Bild: rbb/Höpfner

Mit Übermacht und Brutalität gegen die Aufständischen von Berlin - Die vergessenen 1848er

Die Märzrevolution 1848 währte nur eine Nacht in Berlin, und zwar vom 18. auf dem 19. März 1848. Sie kostete 255 Menschen das Leben, zwei Drittel davon waren noch keine 25 Jahre alt. So auch Ernst Zinna, gebürtiger Berliner, Schlosserlehrling. Seine Familie hatte kaum genügend zu essen - ein Beispiel, wie es Tausenden aus der Unterschicht erging zu jener Zeit.

Ob es jugendlicher Übermut oder Verzweiflung war, der Kampf gegen das brutale Militär wurde eine Nacht erbittert gefüttert. Über 200 Barrikaden verteidigten die Berliner. Ernst Zinna starb, getroffen von einer feindlichen Kugel vor der Haustür.

In die gut 100 km entfernte Kleinstadt Calau wehte die Kunde von der Märzrevolution. Hier wirkte der Apotheker und Stadtkämmerer Carl Anwandter.  Er stand für das neue Bürgertum, das die Ungerechtigkeit in der preußischen Monarchie nicht mehr ertragen wolllte. Als Stadtkämmerer verwaltete er die Steuergelder des Königs und forderte Steuergerechtigkeit und die Abschaffung von Privilegien für Adlige und Beamte. Er wurde in die erste preußische Nationalversammlung gewählt.

In Preußen herrschte schon 30 Jahre politischer Stillstand. Friedrich Wilhelm IV. war auch keineswegs auf Änderungen aus. Die Monarchie dachte gar nicht an irgendwelche Zugeständnisse. Die Politik machte der Adel, Wirtschaft und Handel das Bürgertum. Aber es war auch eine neue Klasse herangewachsen: das Proletariat, Fabrikarbeiter, ausgebildete Handwerker, die als Lohnarbeiter arbeiteten.

Sie konnten noch soviel rackern, es reichte vorn und hinten nicht. Hinzu kamen Zensur und Verbote, wohin man schaute, selbst das Rauchen war nicht mehr in der Öffentlichkeit gestattet. 400.000 Menschen lebten in Berlin rund um das Schloss in einer noch überschaubaren Stadt, und die wuchs weiter und mit ihr das Elend.

Europaweit gab es Umbrüche - in Frankreich, Österreich, Italien. Und die Berliner durften zwar ihre Meinung nicht sagen, aber jeder Zweite konnte lesen. Und so diskutierten Bürgerliche in Lesecafés und im Tiergarten, so schmiedeten Arbeiter Pläne, wie sie sich zusammentun könnten und mitten in dieser explosvie Stimmung sorgte der König für eine Überraschung. Er kündigt am 18. März 1848 die Gründung einer preußischen Nationalversammlung an, Pressfereiheit und Versammlungsfreiheit. Da fallen zwei Schüsse, bis heute ist ungeklärt, wer geschossen hat. Das Volk sieht sich dem brutalen Militär ausgesetzt und schlägt zurück. Am Morgen dann ist alles vorbei. Der König zieht das Militär ab und für die Toten gibt es ein Staatbegräbnis. Der König muss sogar seinen Hut ziehen, die wohl größte Schmach in seinem Leben.

Die 255 Opfer der Revolution von 1848 sind auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Volkspark Friedrichshain bestattet. der Freidhof ähnelt einem Park. In einer modernen sehenswerten Ausstellung erfährt man alles über den Tag und die Opfer. Melanie Dore führt regelmäßig durch die Gedenkstätte.  247 Männer und acht Frauen sind bestattet auf dem überkonfessionellen Freidhof. Auffällig ist, obwohl es eine bürgerliche Revolution war, haben doch eher die Unterschichten gekämpft: Handwerker oder Arbeiter. Denn als Berufsbezeichnungen finden sich häufig Schneider, Tischler, Schuhmacher, Maurer. Aber auch ein Bäcker und ein Konditor, mehrere Advokaten, ein Vergolder oder ein Schauspieler waren unter den Toten. Das jüngste Opfer war erst elf Jahre alt.

Ein Beitrag von Dagmar Lembke.

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