So zog es viele Großestädter damals raus aufs Land.
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So zog es viele Großestädter damals raus aufs Land. | Bild: rbb/E. Hader

Als die Großstädter anfingen, sich aufs Land zu wagen - Sehnsucht Sommerfrische

Sommer-Frische - ist das nicht ein Gegensatz? Ist der Sommer nicht bisweilen heiß und staubig? Das Wort, das im frühen 19. Jahrhundert entstand, vereint diesen scheinbaren Widerspruch, weil er eine Sehnsucht ausdrückt - die Sehnsucht der Städter nach sommerlich-frischer Luft und klarem Wasser.

Gestunken hat es in den Straßen - aus den Jauchegruben, aus den ungewaschenen Hemden, aus den Schloten der beginnenden Industrie, nach dem Schimmel modriger Hinterhöfe. Staubig war es - vor allem durch die zumeist unbefestigten Straßen - grüne Bäume waren im Sommer grau.

Der Adel hatte es da natürlich gut. Man zog seit Generationen schon im Sommer auf den Landsitz. Der Alte Fritz hatte mit Sanssouci vorgemacht, wie man seine Amtsgeschäfte ins Grüne verlegt. Doch ein regelrechter Sommerfrischler war er noch nicht. Das wurden erst die Bürger, die sich lange bevor der Tourismus erfunden wurde auf die Suche nach Quartieren machten, möglichst gut erreichbar, im Umland von Städten wie Berlin.

Man brauchte Mut. Auf dem Lande trieben Räuber und Landstreicher ihr Unwesen. Bauern und Städter kannten sich noch nicht. Man war noch misstrauischer als heute und doch suchte das Bürgertum das romantische Ideal von Ländlichkeit. Man fand es in großen Bauernhäusern, deren Bewohner zusammenrückten, um den ersten "Sommerfrischlern" Quartier zu bieten. Für 30 - 40 Reichsthaler zogen Familien für 6 bis 8 Wochen hinaus. Man musste sich die Sommerfrische nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich leisten können. Deshalb waren die ersten "Urlauber" auch Literaten, Maler, Anwälte, die ihren ganzen Hausstand samt Köchin und Kindermädchen auf Gepäckdroschken luden und ins sommerliche Landleben aufbrachen. Sie waren Genießer und Abenteurer zugleich. So wird die Sommerfrische zum Vorwort der Ära des Reisens, die mit der Eisenbahn eingeläutet wurde.  

Ein Beitrag von Felix Krüger.

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