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Vergessen und verstaubt nach einer langen Reise - Der Schmetterlingskoffer

Er kehrte 1939 ohne seinen Besitzer nach Berlin zurück. Im Koffer befanden sich Insektensammlungen, vor allem Schmetterlinge von einer 5jährigen Forschungsreise. Im Jahr 2006 wurde der Sammlungskoffer im Naturkundemuseum wiederentdeckt. Dafür hat sich der Schauspieler Hanns Zischler interessiert und ein Buch über die Geschichte des Koffers und seines Besitzers geschrieben. Seit dem vergangenen Jahr wird auch der Inhalt, nach beinahe 70 Jahren, wissenschaftlich ausgewertet.

Der Schmetterlingskoffer ist das einzige Überbleibsel einer langjährigen Südamerika-Expedition. Von 1934 bis 39 reiste das Berliner Forscherpaar Hertha und Arnold Schultze durch das Andenhochland und das Amazonasbecken in Ecuador und Kolumbien. Er war ein ausgewiesener Pflanzengeograph und Insektenforscher. Besonders fasziniert waren beide von der Vielfalt der Schmetterlinge im tropischen Regenwald. In seinen Aufzeichnungen hielt Schultze fest, wie sehr die Falter von verschiedenen Bedingungen abhängig sind und schrieb gleichzeitig schon damals ein Plädoyer für den Naturschutz. Nach fast fünf Jahren traten die Schultzes die Heimreise an. Ein langer Weg über das kolumbianische Bogota zum brasilianischen Hafen Pará.

Dort waren sie die einzigen Passagiere eines deutschen Handelsschiffs mit dem Namen „Inn“. Das gesamte Hab und Gut des Forscherpaares wurde verladen. Darunter tausende Schätze aus der Natur, seltene Pflanzen, Samen, Insekten und Schmetterlinge - vor der Reise sorgfältig eingepackt in Dreieckstütchen.

Es waren nur noch wenige Tage bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Die "Inn" verließ Brasilien in Richtung Hamburg. Das Schiff steuerte direkt auf die Seeblockade zu, die zu Kriegsbeginn eingerichtet wurde. Keine Importgüter sollten Deutschland mehr erreichen. Am 5. September 1939 wurde die "Inn" vor den kanarischen Inseln von einem britischen Kriegsschiff gestoppt. Die Schultzes konnten nur das Nötigste zusammenpacken bevor alles versenkt wurde. Das Paar verlor so auch die wertvolle Sammlung der letzten Jahre.

Nur einen einzigen Koffer - mit dem Großteil der geliebten Schmetterlinge - hatten die Schultzes mit der Post vorgeschickt. Und der traf in der Poststelle des Naturkundemuseums in Berlin ein. Unter dem Signum "Koffer 41/Trockenmaterial" wurde das Gepäckstück registriert, sein Inhalt kurz begutachtet – und für Arnold Schultze aufbewahrt, damit er ihn persönlich auswerten kann.

Doch Schultzes sahen ihre Heimat nie wieder. Sie wurden als Gefangene den Franzosen übergeben und durften sich in Madeira niederlassen. Der Forscher wurde krank und starb dort 1948. Durch die Kriegswirren in Berlin geriet der Koffer in Vergessenheit.

Ein Beitrag von Frédérique Veith

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