Noten des Komponisten Ferdinand Möhring, Foto: rbb
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Ferdinand Möhring begeisterte sogar Chopin - Der vergessene Komponist

Ferdinand Möhring war unter anderem als Königlicher Musikdirektor am Gymnasium in Neuruppin  tätig. Er leitete neben einigen anderen Chören auch den Männergesangsverein Alt Ruppin. Der Möhring Chor trägt seit 1904 den Namen seines ehemaligen Chorleiters und hat einen festen Platz in der deutschen Männerchorszene. Beim Sängerfest in Nürnberg 1861, gehört Ferdinand Möhring mit zu den Preisrichtern.

Die historischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts mit den Befreiungskriegen, verlorenen Schlachten, errungenen Siegen, die gescheiterte bürgerlich-demokratische Revolution von 1848/49 blieben nicht ohne Einfluss auf Möhring. Sie widerspiegeln sich in seinen teils nationalistischen Soldatenliedern und Kriegsgesängen. Ein möglicher Grund, weshalb der Komponist  in Vergessenheit geriet.  Ein anderer: seine Lieder wurden nicht mehr,  wie zu seinen Lebzeiten, viel gesungen.  Sie waren nicht mehr  „Gebrauchsmusik“ und verschwanden.

Aufwendige Recherche

Unsere Autorin Uta Greschner wollte sich nicht damit zufrieden geben, recherchierte weiter. Der 2016 anstehende 200. Geburtstag des Komponisten bot dafür einen guten Anlass. Sie konnte den Neuruppiner Kulturmanager Mario Zetzsche,  die Alt Ruppiner Ortsvorsteherin Heidemarie Ahlers sowie  die Musikwissenschaftler Dr. Ulrike  Liedtke und Dr. Martin Loeser für ihre Idee eines Szenisches-Chorkonzert begeistern.

Ein, wie sich herausstellen sollte, nicht ganz einfaches Unterfangen. Zwar gab es eine Biografie des einheimischen Künstlers aus dem Jahre 1893, die 2015 neu verlegt wurde. Doch Noten von Möhring fanden sich weder in der Staatsbibliothek Berlin noch im Rundfunkarchiv,  sondern weit verstreut und unvermutet in kleinen Archiven.

Am 16. Januar 2016, war  es  soweit. In der Pfarrkirche der Fontanestadt, in der Möhring fast drei Jahrzehnte die Orgel spielte,  präsentierten Chöre und Solisten  ein vielschichtiges Klangbild des Jubilars, einem Romantiker durch und durch. Neben dem Möhring Männerchor, dem  A cappella Chor Neuruppin und dem Märkische Jugendchor des Neuruppiner Schinkelgymnasiums überzeugten auch der international gefragte Leipziger Bariton Tobias Berndt  und das Vokalensemble Ferdinand aus Greifswald die zahlreichen Besucher.

Festkonzert zum 200. Geburtstag

Zwischen den Musikstücken erfuhr das Publikum per Videoleinwand und live eingesprochen vom Berliner Schauspieler Alexander Bandilla , mit wem und wo sich die Lebenswege Ferdinand Möhrings kreuzten. So hatte Möhrings Bekanntschaft bei einem Elevenkonzert in Berlin  mit Felix Mendelssohn Bartholdy großen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung. Der berühmte deutsche Musiker und Komponist führte dessen  B Dur Sinfonie am 29. November 1838 im Alten Leipziger Gewandhaus auf. Und blieb ihm Zeit seines Lebens ein Freund und Berater.

Bartholdys Empfehlungsscheiben verhalf Möhring nach Abschluss seines Studiums 1840 sogar zu einer Festanstellung. Ein Glücksfall für einen jungen Musiker jener Zeit. Als Organist an der Saarbrücker Ludwigskirche reifte der erst 24 Jährige zu einem gestanden Kirchenmusiker heran. Er kehrt jedoch  schon bald zurück ins Ruppiner Land, seine alte Heimat. Die Sorge um die Familie und ein höheres Salär haben vermutlich den Ausschlag gegeben

In Neuruppin wirkte  der Heimgekehrte - 1844 zum königlichen Musikdirektor  ernannt -  fast 30 Jahre. Er  war Musiklehrer  am Gymnasiallehrer, Chorleiter, Organist und Komponist. Aus seiner Feder stammten über 120 Werke, für Männer- wie Frauenchöre, für Orgel und Orchester. Er sorgte für ein anregendes musikalischen Leben für Neuruppins Bürger mit viel Gesprächsstoff  für die beschauliche Kleinstadt.

Möhring - fleißiger Komponist

Für eine Italienische Nacht ließ er Wasser aus dem Klappgraben in die Wallanlagen Neuruppins leiten. Dort gondelten dann  Sänger zwischen den Bäumen; von Lampions angestrahlt. Allerdings vermisste er beim Komponieren den künstlerischen Gedankenaustausch, schrieb er zum Ende seiner Neuruppiner Zeit 1869  in einem Brief an seinen einstigen Akademielehrer, den Berliner Hofkapellmeister Wilhelm Taubert. Seine letzten Lebensjahre (1876 1887) verlebte Ferdinand Möhring mit seiner 24 Jahre jüngeren Frau in Wiesbaden. Die Kurstadt und das renommierte Künstlerklientel sollten helfen, sein Leiden zu lindern. Unablässig komponiert er dennoch weiter., war gefragt  im In- und Ausland  als Preisrichter.

Als  der Alt Ruppiner Komponist und Chorleiter am  1. Mai 1887 starb, erwiesen ihm Chöre der gesamten Region die letzte Ehre. Viele  Sänger, aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden, aus Wien und sogar aus Chicago sammelten Geld für das Grabmal auf dem Wiesbadener Nordfriedhof und die Bronze-Büste auf dem Kirchplatz von Alt Ruppin.

Mit dem Chorkonzert  zu Ferdinand  Möhrings 200. Geburtstag  wurde neben Fontane und Schinkel ein weiterer einst  prominenter  großer Sohn Neuruppins zurück ins kulturelle Gedächtnis der Stadt geholt.

Ein Beitrag von Uta Greschner.

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