Dieter-Puhl
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Wird‘s gehen? – Leben nach dem Ausnahmezustand - Leben nach dem Ausnahmezustand

So wie in der Zeit vor Corona wird es voraussichtlich nicht so schnell wieder werden. Einiges wird sich vielleicht auch nachhaltig verändern, im Negativen wie im Positiven. Was wird bleiben – nach Corona?

Suppe für Obdachlose auf dem Marheinekeplatz. Dieter Puhl von der Stadtmission unterstützt die Sicherheitsleute der Deutschen Bahn: „Bahnmitarbeiter geben jetzt Suppe raus. Mich macht es geradezu glücklich, wenn ich hier junge DB-Mitarbeiter sehe, die in der Ausbildung sind, um irgendwann mal Security-, also Ordnungsdienste zu machen. Wenn die dünnhäutig werden für ihre Tätigkeit. Und wenn sie die Erfahrung, die sie hier gemacht haben, in ihre nächsten 40 Berufsjahre mitnehmen, macht das was mit uns, mit unserer Gesellschaft.“

Mareike Bünning ist Soziologin am Wissenschaftszentrum Berlin. In einer aktuellen Studie untersucht sie, was die Corona-Krise mit uns allen macht: „In unserer Studie interessieren wir uns dafür, wie die Menschen ihren aktuellen Alltag erleben. Mit Schwerpunkt darauf, was ändert sich im Erwerbsleben, was ändert sich in Partnerschaften und Familien. Im Bereich Homeoffice findet eine Veränderung statt: Oft gab es ja vorher einfach das Argument, es geht nicht. Jetzt in der Krise sehen wir, auf einmal geht es doch, weil wir gar keine Alternative haben. Ich wünsche mir sehr, dass die Anerkennung für Menschen in der Pflege und im Gesundheitsbereich Fortbestand hat und dass diese Berufe aufgewertet werden.“

Jörg Richert ist für Karuna e.V. unterwegs. Er beobachtet die Auswirkungen der Krise bei Straßenkindern und Jugendlichen in Notsituationen: „Diese Krise trifft natürlich am allerehesten diejenigen, die vorher schon in einer Krise waren, das verstärkt sich nur. Also Kinder und Jugendliche, die in prekären Familienverhältnissen groß werden und jetzt eingesperrt sind. Das halten die nicht aus und laufen weg. Ich habe jetzt 15 Jugendliche angestellt. Gestern waren sie noch obdachlos und heute haben sie ein Gehalt und kriegen dadurch natürlich auch eine Wohnung. Es erinnert auch sehr stark an die DDR und den Umbruch: wir haben ein Zeitfenster, das ist jetzt diktiert von diesem Virus. Und in dieser Veränderungsphase haben wir eine Chance, die Gesellschaft besser zu machen. Das ist nicht Sozialromantik, sondern das ist sozusagen Geschichte.“

weitere Themen der Sendung

Sebastian-Goddemeier
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Wird‘s gehen? – Leben nach dem Ausnahmezustand - Als Single durch die Krise

Zuhause bleiben ist die Devise dieser Tage. Kontakt halten sollen wir möglichst nur mit den Menschen, mit denen wir in einem Haushalt zusammenleben. Das kann problematisch sein, wenn man sich zu sehr auf die Pelle rückt. Für alle, die allein leben, kann die Corona-Zeit hingegen ziemlich einsam werden. Singles haben es aktuell schwer. Und Berlin ist nun mal die unangefochtene Single-Hauptstadt.