Mädchen mit Fernbedienung vor Flachbildschirm (Foto: Monkey Business Images | colourbox.de)
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- Die Jugendschutzbeauftragte

Die Jugendschutzbeauftragte ist Ansprechpartnerin für das Publikum und kann eine Beschränkung oder Änderung von Programmangeboten vorschlagen.

Aufgaben und Grundlagen

Jugendmedienschutz hat seit jeher einen hohen Stellenwert in den Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit Inkrafttreten des Ersten Rundfunkänderungsstaatsvertrages am 01. August 1994 wurde für die Landesrundfunkanstalten der ARD, das ZDF und die Veranstalter bundesweit verbreiteter Fernsehprogramme die Funktion des Jugendschutzbeauftragten geschaffen (§ 3a Erster RÄStV). Diese wurde im Folgenden mit dem Inkrafttreten des Jugendmedienschutzstaatsvertrages am 01. April 2003 näher ausgestaltet. Danach ist ein Jugendschutzbeauftragter weiterhin für jeden Veranstalter von länderübergreifendem Fernsehen – somit auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – verbindlich vorgesehen  (§ 7 Abs. 1 JMStV). Es muss somit ein/e Jugendschutzbeauftragte/r berufen werden. Diese/r ist Ansprechpartner/in für Nutzerinnen und Nutzer und berät die Programmverantwortlichen in Fragen des Jugendmedienschutzes sowohl für Fernsehen, Hörfunk und Internet.

Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ist er/sie weisungsfrei tätig, darf wegen der Erfüllung ihrer Aufgaben ihrer Aufgaben nicht behindert werden, erhält die erforderlichen Sachmittel und wird für diese Funktion von den übrigen Aufgaben freigestellt (§ 7 Abs. 4 JMStV). Er/sie soll bei Fragen der Herstellung, des Erwerbs, der Planung und der Gestaltung von Angeboten und bei allen Entscheidungen zur Wahrung des Jugendschutzes angemessen und rechtzeitig beteiligt und über das jeweilige Angebot vollständig informiert werden (§ 7 Abs. 3 JMStV). Die rechtzeitige Beteiligung und Information ist vor allem deshalb wichtig, um Sendungen bereits frühzeitig jugendschutzkonform zu produzieren und so mögliche Kosten für kurzfristige Änderungen vor der Ausstrahlung zu vermeiden.

Der/die Jugendschutzbeauftragte kann eine Beschränkung oder Änderung von Programmangeboten vorschlagen (§ 7 Abs. 3 JMStV). Neben den Gesetzen gibt es ARD-interne Richtlinien für den Jugendschutz sowie die ARD-Kriterien für die Bewertung von Sendungen, die einen einheitlichen Standard garantieren und die bei der Programmberatung in den Redaktionen eingesetzt werden. Wesentliche Kategorien für die Bewertung sind die Darstellung von Gewalt und Sexualität, aber auch andere Faktoren, die zur Platzierung im Abendprogramm, Kennzeichnung oder Bearbeitung einer Sendung führen können.

Zur Person

Die Jugendschutzbeauftragte seit Bestehen  des rbb ist Inge Mohr. Nach den Vorgaben des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages muss der/die Jugendschutzbeauftragte die zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderliche Fachkunde besitzen (§ 7 Abs. 4 JMStV). Inge Mohr arbeitet seit mehr als 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen haupt-, neben- und ehrenamtlich im Bereich Jugendmedienschutz. Neben ihrer Funktion als Jugendschutzbeauftragte leitet sie die Medienforschung (Fernsehen / Digitalisierung) im rbb und ist auch im Rahmen dieser Tätigkeit mit Fragen der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen befasst, z.B. mit der Begleitforschung zum KIKA in der Arbeitsgruppe Kinder der ARD-/ZDF-Medienforscher. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hat Inge Mohr seit dem Jahr 2005 als Jugendschutzsachverständige bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) berufen, und dort ist sie ehrenamtlich auch als Vertreterin dieser Obersten Landesjugendbehörde in verschiedenen Prüfgremien tätig. In der Region Berlin-Brandenburg und bundesweit nimmt sie kontinuierlich am Erfahrungsaustausch der verschiedenen Institutionen des Jugendmedienschutzes teil.

Der regelmäßige Erfahrungsaustausch der Jugendschutzbeauftragten öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Sender, der im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag verankert ist (§ 7 Abs. 5 JMStV), findet sowohl bei regelmäßigen Sitzungen als auch bei Veranstaltungen und Tagungen zum Jugendmedienschutz statt.

Erfahrungen und Perspektiven

Der rbb sieht sich in einer komplexer werdenden Medienwelt in Jugendschutzfragen sehr gut gerüstet. Die Angebote sind so gestaltet, dass Kinder und Jugendliche nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden. Die Sensibilität der Macherinnen und Macher sowie der Programmverantwortlichen für Fragen des Jugendmedienschutzes ist hoch. Das Gefährdungspotenzial ist angesichts der Programmgestaltung in Fernsehen, Hörfunk und Internet gering. Auch fahrlässig verursachte Jugendschutzprobleme wie die Ausstrahlung von sendezeitbeschränkten Produktionen außerhalb der gesetzlichen Sendezeitgrenzen haben sich in den vergangenen Jahren nicht feststellen lassen.

Der Beratungsbedarf, den Redakteure und Programmverantwortliche von der Jugendschutzbeauftragten abrufen, konzentrierte sich in der Vergangenheit auf einzelne Gestaltungsfragen beispielsweise bei den Tatort- oder Polizeirufproduktionen, die der rbb in das Gemeinschaftsprogramm der ARD einbringt, auf die Berichterstattung über indizierte Musiktitel mit Raptexten im Hörfunk oder die Darstellung von Nacktheit / Sexualität und Gewalt in unterschiedlichen Dimensionen und Zusammenhängen und für verschiedene Alters- und Zielgruppen. Auch die Frage, was darf Satire und Comedy und was ist möglicherweise beeinträchtigend für Kinder und Jugendliche, weil es nicht entsprechend dekodiert werden kann, wurde unter Jugendschutzgesichtspunkten diskutiert. Das Spektrum der Sendungen kann alle Medien und alle Genres betreffen – von „Unser Sandmann“ über Dokumentationen und Magazine bis zu fiktionalen Produktionen. Die Gespräche um den Jugendmedienschutz im rbb sind immer sachlich, vertrauensvoll und konstruktiv, auch wenn die Positionen manchmal unterschiedlich sind. Anfragen und Beschwerden des Publikums sind selten.

Gelegentlich greift die Jugendschutzbeauftragte auch eigeninitiativ Fragen auf. So hat sie in der Vergangenheit prophylaktisch empfohlen, Produktionen des Hörfunks oder Beiträge des Fernsehens im Onlineabruf nicht jederzeit rund um die Uhr zu ermöglichen, um so den Zugang für Kinder und Jugendliche durch Sendezeitbeschränkungen zu erschweren, wohl wissend, dass eine mögliche Beeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen durch die Angebote des rbb realistischerweise angesichts der Nutzungsweisen und Zugangswege ins Internet eher gering ist. Ein Beispiel hierfür ist ein Feature, das im späteren Abendprogramm des Kulturradio zu hören war und dann im Internetabruf nicht früher zu hören sein sollte. Es ging um die skurrile Welt der Audiopornografie in den sechziger Jahren, ihre Produzenten und Konsumenten. Kinder und Jugendliche, die gezielt problematische Inhalte suchen oder versehentlich damit konfrontiert werden, geraten dabei äußerst selten auf die Seiten öffentlich-rechtlicher Sender. Das Gefährdungspotenzial ist denkbar gering, und den Empfehlungen der Jugendschutzbeauftragten wird in der Regel gefolgt, selbst wenn die nur Empfehlungscharakter haben.

Die Herausforderungen für den Jugendmedienschutz generell sind allerdings angesichts der internationalen Medienentwicklung und der technischen Möglichkeiten insbesondere im Internet groß. Die Diskussionen um den technischen Jugendschutz und Filterprogramme, die bestimmten Gruppen einen jederzeitigen Zugang zu beeinträchtigenden Inhalten ermöglichen, beschäftigen die Jugendschutzbeauftragten von ARD und ZDF seit langem. Auch die gegenseitige Anerkennung von Bewertungen und Entscheidungen verschiedener Jugendschutzinstitutionen ist ein Anliegen, das in das laufende Novellierungsverfahren des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages eingebracht wird.

Insgesamt gesehen lassen die Jugendschutzbeauftragten von ARD und ZDF keine Gelegenheit aus, sich mit ihren langjährigen und vielfältigen Erfahrungen gemeinsam in die Diskurse zur Weiterentwicklung des Jugendmedienschutzes in Deutschland einzubringen. Dabei kann Inge Mohr auf ihre vielfältigen Erfahrungen, die wiederholt dokumentiert wurden (s.u.), zurückgreifen und die Interessen des Jugendmedienschutzes im rbb zielführend vertreten.