Regisseur Stephan Rick (Bild: rbb/Sabine Finger)
Regisseur Stephan Rick | Bild: rbb/Sabine Finger

Polizeiruf 110: Tod einer Journalistin - Interview mit Regisseur Stephan Rick

In "Tod einer Journalistin" geht es um das aktuelle Thema der Energieversorgung der Zukunft. Polen sieht die Zukunft in der Atomkraft. Was hat Sie an dem Thema interessiert?

Was das Thema für mich besonders zwingend gemacht hat, ist, dass es natürlich auch uns in Deutschland angeht, wenn bei unserem direkten Nachbarn Polen ein Atomkraftwerk gebaut wird. Wie verlässlich ist die Technologie? Wie sicher ist der Standort? Diese Fragen gehen uns genauso an, wie die Menschen in Polen. Deshalb haben wir uns entschlossen einen deutsch-polnischen Justizthriller daraus zu machen.

Der letzte Versuch in Polen ein Atomkraftwerk zu bauen, ist in den 90er Jahren am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Wie wichtig sind in ihren Augen Bürgerbewegungen wie z.B "Fridays for Future"?

Demokratien weltweit werden momentan harten Proben ausgesetzt. Das kann man z.B. in den USA beobachten, aber auch in Deutschland oder Polen. Der Populismus ist im Aufstieg und demokratische Grundwerte wie eine unabhängige Justiz oder eine freie Presse sind in Gefahr. Wir können uns nicht mehr nur zurücklehnen und ein Kreuzchen am Wahltag machen, wir müssen uns aktiv am politischen Geschehen beteiligen, um unsere Demokratie zu schützen. Bewegungen wie "Fridays for Future" sind da ein sehr positives Zeichen. Auch wir wollen mit diesem Polizeiruf nicht nur einen spannenden Fall erzählen, sondern auch ein wenig Bewusstsein dafür schärfen, was auf dem Spiel steht.

Sie wohnen und arbeiten auch in Los Angeles. Wo liegen für Sie die Unterschiede zwischen einer deutschen und einer amerikanischen Produktion?

Während die Arbeit mit den Schauspielern in beiden Ländern ganz ähnlich abläuft, ist der Ablauf am Set doch manchmal recht unterschiedlich. Während deutsche Teams oft kleiner sind, arbeiten sie unglaublich effizient. Alle denken auch bei Dingen mit, die nicht nur ihre eigene Abteilung betreffen. Durch die strengen Regeln der Unions sind Teams in den USA größer und dadurch dauert manches einfach länger. Außerdem ist ganz genau geregelt, wer was machen darf, was zu absurden Situationen führen kann, wenn 40 Leute auf den Requisiteur warten müssen, weil er der Einzige ist, der eine Blumenvase vor der Kamera verrücken darf.

Regisseur Stephan Rick

Stephan Rick, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet als freier Regisseur in Berlin und Los Angeles. Er studierte in Bochum, New York und Ludwigsburg. Seine Arbeiten haben national und international Beachtung gefunden: Die von ihm mitentwickelte und inszenierte Thrillerserie "Allein gegen die Zeit" wurde u.a. für den Banff World TV Award und den International Emmy Award nominiert. Seinem ersten abendfüllenden Spielfilm, dem mehrfach ausgezeichneten Psychodrama "Unter Nachbarn", folgten die ersten Primetimearbeiten für ZDF und ARD sowie die Martin Suter Bestsellerverfilmung "Die dunkle Seite des Mondes". Der von ihm inszenierte Horrorthriller "The Super" hatte 2018 seinen Kinostart in den USA und wurde weltweit verkauft. Der Polizeiruf "Tod einer Journalistin" ist nach "Preis der Freiheit" bereits der zweite Fall von Olga Lenski und Adam Raczek, der unter seiner Regie entstanden ist.

Mehr im Internet unter www.stephanrick.net.

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